»Rückhalt in der Bevölkerung«

Trotz mehrerer Rückschläge macht die Tafel weiter

Euskirchen. Erst zerstörte ein Feuer den Gebäudekomplex, in dem die Euskirchener Tafel untergebracht war, dann erschwerte die Corona-Pandemie die Versorgung der insgesamt 650 Tafel-Kunden. Das Team von Ehrenamtlichen hat nicht aufgegeben und weitergemacht.

Nachdem ein Großbrand Mitte Februar den Gebäudekomplex der ehemaligen Spedition Daufenbach in Euskirchen zerstört hatte, musste auch die Euskirchener Tafel bei null anfangen (wir berichteten). Durch das Feuer war der Großteil der gelagerten Lebensmittel, die die Tafel zweimal wöchentlich an Bedürftige verteilt, unbrauchbar geworden. Zudem konnten die Räumlichkeiten nicht mehr genutzt werden. Die ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter ließen sich dennoch nicht entmutigen und begannen nach zweiwöchiger Zwangspause wieder mit der Ausgabe der Lebensmittel. »Es war für uns ein wahres Geschenk, dass die Stadtverwaltung uns schnell und unbürokratisch die Räumlichkeiten im ehemaligen Wasserwerk zur Verfügung gestellt hat, sodass wir weitermachen konnten«, berichtet Walter Feckinghaus, Schriftführer der Euskirchener Tafel im Gespräch mit dem WochenSpiegel. Nach der »Zwangspause« seien Tafel-Kunden teilweise mit Tränen in den Augen zur Lebensmittel-Ausgabe gekommen, weil sie so erleichtert gewesen seien, dass es weitergeht, berichtet Feckinghaus. »Da haben sich viele bewegende Szenen abgespielt«, sagt der Ehrenamtler.
Dann kam die Corona-Pandemie mit allen ihren Einschränkungen über Deutschland. Die meisten Tafeln im Kreis Euskirchen mussten aufgrund der Hygieneverordnungen und Kontaktbeschränkungen  vorübergehend schließen und durften ihre Kunden nicht weiter versorgen. »Wir haben natürlich mit unseren Kollegen gefühlt. Aber wir haben auch eine Möglichkeit gefunden unsere Kunden weiter zu versorgen«, sagt die erste Vorsitzende der Euskirchener Tafel, Heidemarie Purwin-Görgen. Die Kunden können seitdem ihre Taschen an einem Fenster der Tafel-Räume abgeben. An einem anderen Fenster bekommen sie dann ihre gefüllte Tasche wieder ausgehändigt. »Wir achten streng darauf, dass nur unsere jüngsten Mitarbeiter, also die, die nicht zur Risikogruppe gehören, die Annahme und Ausgabe an den Fenstern übernehmen. Bei einem Helfer-Altersdurchschnitt von über 70 ist das schon eine Herausforderung«, sagt Pudwin-Görgen. Das vor der Pandemie bewährte Losverfahren für die Ausgabe, die jeweils dienstags und freitags stattfindet, musste abgeschafft werden, da sich zu große Menschenaufläufe gebildet hätten. »Heute wird jeder bedient, wie er kommt. Es gibt zwar lange Schlangen, die Menschen halten aber die Sicherheitsabstände ein. Man muss halt Kompromisse machen«, sagt die Vorsitzende.

Zum Weitermachen motiviert

Ermutigt auch in schwierigen  Zeiten weiterzumachen wurde das Tafel Team durch den Rückhalt in der Bevölkerung. »Wir sind so dankbar, dass man uns nach dem Feuer mit Sachspenden, wie Kühl- oder Gefrierschränken aber auch Lebensmittel- und Geldspenden unterstützt hat«, sagt Pudwin-Görgen, Hilfe kam nicht nur von den Rotary-Clubs Euskirchen und Euskirchen-Burgfey, vom Lions-Club Euskirchen-Veybach, von der Marienschule, dem VfR Flamersheim und der Initiative »Stark für Kinder«, sondern auch von zahlreichen Firmen und Discountern. »Ein Dankeschön geht an die Unterstützer, die es uns ermöglicht haben, unsere Arbeit fortzusetzen«, sind sich Pudwin-Görgen und Feckinghaus einig.
Im August wird die Tafel übrigens ihr bisheriges »Notquartier« verlassen. Dann soll der Umzug in das neue Domizil in der Gottlieb-Daimler-Straße erfolgen.

Wer die Euskirchener Tafel finanziell unterstützen möchte, kann das unter folgender Kontoverbindung tun: Euskirchener Tafel e.V., Sparda-Bank West, IBAN: DE10 3706 0590 0000 8010 12

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