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Aktive Wege aus der Sucht

"Der erste Schritt" - Suchtselbsthilfegruppe in Mechernich

Mechernich. Der erste Schritt ist schwer, sehr schwer. Denn er fordert das Eingeständnis, abhängig zu sein - von Drogen, Medikamenten oder Alkohol.

»Der erste Schritt«, sagt Hans-Willi Floß, »ist immer die Erkenntnis, dass es so nicht mehr weiter geht, man Hilfe braucht.« Und die möchte die Suchtselbsthilfe Mechernich, die sich passend »Der erste Schritt« nennt, den Menschen, die ernsthaft einen Weg aus ihrer Sucht suchen, geben. Gegründet wurde die Gruppe bereits 1991, damals noch unter dem Dach des Kreuzbundes.

Eigenständiger Verein

Seit 2014 ist sie als eigenständiger Verein tätig, was den Vorteil hat, dass man von Trägern und Konfessionen unabhängig ist. Eine weitere Besonderheit ist, das man nicht nur Betroffenen, sondern auch Angehörigen offen steht, die mit suchtkranken Menschen umgehen müssen. »Sucht«, sagt Lydia Müller, »stellt nicht nur den Betroffenen, sondern auch sein privates und berufliches Umfeld auf eine harte Probe.« Daher wolle man mit der Suchtselbsthilfegruppe Hilfestellung gegeben, aktiv zu einer zufriedenen Abstinenz zu gelangen. Lydia Müller bildet gemeinsam mit dem Vorsitzenden Hans-Willi Floß, Hubert Koch und Erwin Henk den Vorstand der Gruppe. »Wir wissen, wovon wir reden«, sagt Erwin Henk, »denn wir waren alle vier abhängig und haben es geschafft, abstinent zu werden.«

Am Ball bleiben

Bleibt die Frage, warum man sich dann weiter mit dem Thema auseinander setzt, wenn man selbst teilweise schon seit Jahrzehnten »trocken« ist. »Man muss am Ball bleiben, sich immer wieder neu mit der Sucht konfrontieren«, verrät Hubert Koch, der selbst erleben musste, dass selbst eine 15-jährige Abstinenz nicht vor einem Rückfall schützt. Wichtigstes Mittel, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, sind die Gespräche in den beiden Gruppen mit je maximal 15 Teilnehmern, die einmal in der Woche stattfinden. Dort kann man individuell auf Bedürfnisse eingehen und ganz konkrete Lösungsansätze bieten. »Wir sprechen auch nicht nur über Sucht«, so Hubert Koch, »sondern versuchen, durch gemeinsame Freizeitaktivitäten Menschen aus ihrer Isolation zu holen.«

Enges Netzwerk

So gehöre auch das Entrümpeln einer Wohnung, die Suche nach einer passenden Bleibe oder Unterstützung bei der Arbeitssuche mit zum umfassenden Tätigkeitsfeld der Selbsthilfegruppe. »Wir sind zwar eingehend geschult und bilden uns ständig weiter«, so Hans-Willi Floß, »aber wir sind natürlich keine Therapeuten.« Daher sei man mit vielen wichtigen Einrichtungen und Ärzten sehr eng vernetzt und könne im Bedarfsfall sehr schnelle und effektive Hilfe vermitteln.

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