Die Wildretter kommen

In den Eifelwiesen piepst es

Pesch. In den Wiesen piepst es - so durchdringend und laut, dass selbst der Lärm von drei Traktoren dagegen nicht ankommt. Und das ist auch der Sinn der Sache. Denn der Piepston soll das Wild aus dem Grünland vertreiben - damit es kein Opfer der Mähwerke wird.

Der Kasten, der den passenden Namen »Wildretter« trägt, wird derzeit von rund 20 Jungzüchtern und Junglandwirten erprobt. Ein Teil des Clubs war auf den Hof Esch nach Pesch gekommen, wo der Vorsitzende Tobias Esch die Wirkungsweise des kleines Kastens erklärte. »Der Wildretter«, so Tobias Esch, »kann relativ einfach am Traktor oder Mähwerk mit Kabelbinder befestigt werden und wird während der Mahd eingeschaltet.« Dann sendet der Kasten, der mit Batterie betrieben wird, Hochfrequenztöne aus, die das Wild aus der Fläche vertreiben sollen.

Schutz vor dem Tod im Mähwerk

Tobias Esch: »Auf den Wiesen unserer Milchbetriebe halten sich meist Rehkitze, Kaninchen oder Hasen im hohen Gras auf.« Und die möchte man durch den bewußt eingesetzten Lärm vor dem Tod im Mähwerk bewahren. »Der Kasten«, berichtet Tobias Esch weiter, »soll sehr effektiv sein und ist mit Kosten von knapp unter 30 Euro ziemlich preiswert und einfach einzusetzen.« Zudem würde die Erprobung durch die Kreisbauernschaft Euskirchen gefördert. Der Zeitpunkt der Präsentation ist nicht zufällig gewählt, denn zurzeit wird nicht nur das Grünland gemäht, sondern es sitzen auch viele Rehkitze im Gras.

Natur bewahren

»Mit unserer Aktion«, sagt Alexander Junker, Junglandwirt aus Eiserfey, »wollen wir auch zeigen, dass wir nicht gegen, sondern mit und für die Natur arbeiten.« Denn der neue »Wildretter« ist nur eine Maßnahme, die von den Landwirten, meist in enger Abstimmung mit dem jeweils zuständigen Jäger, ergriffen wird. Tobias Esch zählt eine Reihe von anderen Schutzmaßnahmen auf: »Am Abend, bevor wir eine Wiese mähen, stellen wir rote Fähnchen an den Rändern des Grünlandes auf.« Für das Wild sei dies eine ungewohnte Veränderung, die es vom Betreten der Fläche abhalte. Man dürfe die Fahne aber auch nicht zu früh stellen, damit sich Reh & Co. nicht daran gewöhne.

Technik auf dem Vormarsch

Zudem werde auf großen Flächen immer von innen nach außen gemäht. So halte man dem Wild die Fluchtwege offen. Es habe sich nämlich gezeigt, dass es Hemmungen habe, bereits gemähte Steifen zu queren. Auch die Technik ist im Vormarsch. »In den frühen Morgenstunden hat der Jäger die Fläche mit einer Drohne, die mit Wärmebildkamera bestückt ist, überflogen, um zu sehen, ob sich Tiere in der Fläche befindet«, erzählt Tobias Esch.

Gefahr für das Vieh

In seinem Betrieb zeigen die diversen Maßnahmen Wirkung. »Wir haben noch keinen Kadaver gehabt«, freut er sich. Tatsächlich kann ein totes Tier in der Silage für große Probleme sorgen. Stichwort ist hier der »Botulismus«. Die entsprechenden Bakterien gedeihen gerade auf Kadavern prächtig und bilden Toxine. Sie können im schlimmsten Fall zur Vergiftung des Milchviehbestandes führen.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.