Trotz Corona leichte Frühjahrsbelebung

Mayen. Im Landkreis Mayen-Koblenz waren Ende März 4.497 arbeitslose Menschen registriert – 176 weniger als Ende Februar. Die Quote sank innerhalb der letzten vier Wochen um 0,1 Punkte auf 3,8 Prozent. Vor einem Jahr gab es in der Region 817 Arbeitslose weniger, die Quote lag bei 3,1 Prozent.

„Es ist grundsätzlich sehr erfreulich, wie robust der regionale Arbeitsmarkt auf die teils gravierenden und langanhaltenden Einschränkungen reagiert“, betont Agenturleiter Frank Schmidt. „Andererseits ist aber auch klar, dass manche Branchen, wie Gastronomie oder Handel, wesentlich stärker betroffen sind als andere.“

Außerdem sei auffällig, dass sich die Reduzierung der Arbeitslosenzahlen derzeit nur auf die Arbeitsagenturen, nicht aber auf die Jobcenter auswirke. „Das liegt daran, dass bei jenen, die vor einem Jahr wegen Corona ihren Job verloren haben, nun die Versicherungsleistung ausläuft und sie in die Grundsicherung wechseln.“ Für einen Teil der von der Krise betroffenen Menschen verfestige sich damit die Arbeitslosigkeit. „Das war nicht anders zu erwarten, aber es ist natürlich trotzdem bitter.“   

Damit verweist Schmidt auf die beiden Rechtskreise, die die Grundlage für das Geschehen am Arbeitsmarkt bilden: das Sozialgesetzbuch (SGB) III, nach dem die Arbeitsagenturen ihre Kunden aus der Versichertengemeinschaft betreuen, und das SGB II, das die Regeln für die Jobcenter vorgibt und deshalb vor allem Langzeitarbeitslosigkeit abbildet.

Im Landkreis geht die Arbeitslosigkeit im SGB III um 247 auf 2.658 zurück, im SGB II steigt sie um 71 auf 1.839 an. Im März 2020 gab es laut Statistik bei der Arbeitsagentur 469 und beim Jobcenter 321 Arbeitslose Menschen mehr.

Hoffnungsvoll stimmt die Entwicklung des Stellenmarktes. 245 zusätzliche Stellen wurden dem Arbeitgeberservice in den letzten vier Wochen aus der Stadt und 326 aus dem Landkreis gemeldet. Insgesamt registriert die Arbeitsagentur damit in Koblenz 1.277 offene Stellen, im MYK-Kreis sind es 1.737. Insgesamt sind dies rund 700 Stellen weniger als zu Beginn der Pandemie vor einem Jahr.

Erstmals für dieses Jahr wirft die Arbeitsagentur einen Blick auf die Ausbildungssituation. Demnach suchten bis Monatsende 507 junge Koblenzerinnen und Koblenzer bei der Suche nach einer Lehrstelle Rat bei den Berufsberaterinnen und Berufsberatern der Agentur. 304 von ihnen konnten bislang nicht versorgt werden. Ihnen stehen derzeit 521 unbesetzte Stellen gegenüber. Im Landkreis suchten 781 junge Menschen die Unterstützung der Berufsberatung, 443 haben noch keine endgültige Perspektive. Ihnen stehen derzeit 551 unbesetzte Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Sowohl Bewerber als auch Stellenangebote sind gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen. „Das bestätigt unseren Eindruck aus vielen Gesprächen“, erklärt Frank Schmidt. „Während junge Leute sich schwertun, sich angesichts von Schulschließungen und nur telefonisch erreichbaren Berufsberater*innen überhaupt über ihre Möglichkeiten zu informieren, halten sich viele Arbeitgeber wegen der unklaren Gesamtsituation mit der Ausbildung zurück.“ Andererseits sei den meisten Unternehmern klar, dass von rechtzeitiger Nachwuchsförderung die Nach-Corona-Zukunft ihres Unternehmens abhängen könnte. „Wir hoffen deshalb, dass wir bis zum Ausbildungsstart im Spätsommer trotz der schwierigen Rahmenbedingungen möglichst viele Arbeitgeber und jungen Leute zusammenbringen werden.“

Bei der Bewältigung der Krise setzen viele Unternehmen nach wie vor auf Kurzarbeit. Die muss angezeigt und bewilligt werden, bevor sie eingesetzt werden kann. Nach der Bewilligung können Unternehmen jedoch auch entscheiden, Kurzarbeitergeld (KuG) während des Bewilligungszeitraumes nur für eine gewisse Zeit oder einen Teil der angemeldeten Beschäftigten zu nutzen. Die eigentliche Abrechnung (KuG-Antrag) erfolgt im Nachhinein. Da die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit haben, entsprechende Unterlagen einzureichen, liegen verbindliche Werte erst mit deutlicher Verzögerung vor. Im Mittelpunkt der statistischen Betrachtung stehen deshalb derzeit noch die KuG-Anzeigen.

Gegenüber dem Vormonat ist deren Zahl in der Region im März erneut zurückgegangen. In den letzten vier Wochen zeigten laut Statistik 26 Koblenzer Betriebe für 196 Beschäftigte Kurzarbeit an, im Landkreis Mayen-Koblenz waren es 34 Betriebe und 1.250 Beschäftigte. Im Februar gingen bei der Arbeitsagentur noch 81 Anzeigen für 1.185 Mitarbeiter*innen aus der Stadt und 111 Anzeigen für 760 Beschäftigte aus dem Landkreis ein. Vor einem Jahr – unmittelbar nach Beginn der Krise – zeigten 384 Unternehmen aus Koblenz für 3.670 Beschäftigte und 446 Betriebe aus dem MYK-Kreis für 5.482 Beschäftigte Kurzarbeit an. Insgesamt gab es seitdem in Koblenz 2.336 KuG-Anzeigen für 36.065 Beschäftigte. Aus dem Landkreis Mayen-Koblenz gab es in einem Jahr 2.919 Anzeigen für 32.051 Beschäftigte.  

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Agentur und Jobcenter können wegen Corona-Pandemie und erneutem Lockdown derzeit nicht oder nur eingeschränkt besucht werden. So sind sie dennoch erreichbar:

 

Agentur für Arbeit Koblenz:

Sondertelefon:  0261 – 405 405
E-Mail:             koblenz-mayen.postfach@arbeitsagentur.de

 

Jobcenter Stadt Koblenz:

Sondertelefon:  0261 - 579 245 781

E-Mail:             jobcenter-koblenz@jobcenter-ge.de

 

Hotline Berufsberatung:

Koblenz:           0261 – 405 444

Mayen:             02651 – 950 333

 

Vieles lässt sich auch ohne direkten Kontakt online erledigen:

https://www.arbeitsagentur.de/eservices

www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden/arbeitslosengeld-2

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