Geburtshilfe in Daun schließt zum Jahresende

Daun. Ab dem 1. Januar 2019 werden im Krankenhaus Maria Hilf in Daun keine geburtshilflichen Leistungen mehr erbracht. Von der Schließung sind 17 Hebammen betroffen, die alle in Teilzeit für die Geburtshilfe gearbeitet haben. Insgesamt fallen 3,5 Vollzeitstellen weg.

Geschäftsführer Franz-Josef Jax erklärt dazu: "Gerade als katholisches Haus ist das ein schwerer Schritt für uns. Denn natürlich haben wir den Anspruch, Familien ganzheitlich zu versorgen. Gleichzeitig sind wir uns aber auch unserer Verantwortung bewusst, eine qualitativ hochwertige Versorgung im Sinne der werdenden Mütter anzubieten. Leider können wir diese leitlinienkonforme Versorgung auf Dauer nicht sicherstellen." Der Grund für die Entscheidung, die Geburtshilfe zu schließen, ist die aussichtslose Suche nach Belegärzten für die Fachabteilung Geburtshilfe in Daun. Das Krankenhaus Maria Hilf steht so vor dem Dilemma, dass die Anzahl der Geburten auf der einen Seite zu niedrig ist, sodass die Geschäftsführung keinen weiteren Belegarzt für die Geburtshilfe findet. Auf der anderen Seite benötigt die Abteilung jedoch einen weiteren Arzt, um eine leitlinienkonforme Versorgung, wie es der Gesetzgeber vorschreibt, auch zukünftig zu garantieren.

Gespräche mit Hebammen über Zukunft

Die Kündigung der Hebammen zum Jahresende fällt der Geschäftsführung nicht leicht, erklärt Günter Leyendecker, Prokurist im Krankenhaus Maria Hilf: "Wir werden eine sozialverträgliche Lösung für alle betroffenen Mitarbeiterinnen umsetzen. Außerdem werden wir sie dabei unterstützen, in einem der umliegenden Häuser als Hebamme arbeiten zu können. Unsere Hebammen sind ja gefragt." In den nächsten Tagen werden auch Gespräche mit den Hebammen geführt, ob und in welchem Umfang geburtsnahe Angebote wie Geburtsvorbereitungskurse weiterhin in Daun angeboten werden können. Dazu erklärt Günter Leyendecker: "Uns ist es jetzt vor allem wichtig, die werdenden Mütter und Väter dabei zu unterstützen, gemeinsam mit ihren Hebammen ein anderes Krankenhaus mit Geburtshilfe zu finden und so eine gute Versorgung sicherzustellen. Dabei stehen wir ihnen zur Seite." Für werdende Eltern ist daher ab sofort folgende Telefonnummer freigeschaltet: Tel. 06592/7152277. Von 9 bis 16 Uhr werden dort Fragen beantwortet.

Umliegende Krankenhäuser sind informiert

Die Krankenhausleitung hat die umliegenden Krankenhäuser mit Geburtsabteilungen von Wittlich, Bitburg, Trier, Mayen, Bad Neuenahr und Mechernich bereits informiert und um Unterstützung gebeten. "Wir wissen, dass das alles andere als ideal ist, aber uns sind die Hände gebunden. Auch wir können uns nicht länger gegen den deutschlandweiten Trend stellen", so Leyendecker. Franz-Josef Jax schildert die Situation in der Vulkaneifel so: "Wir haben wirklich alles versucht, die geburtshilfliche Versorgung in der Region sicherzustellen. Alle anderen Geburtshilfen im Umkreis (Adenau, Gerolstein, Zell, Prüm) haben ja schon vor uns geschlossen. Aber gerade in der Geburtshilfe sind die Anforderungen an das Personal sehr hoch – Bereitschaftsdienste und die damit verbundene Wohnortnähe sind nur ein Faktor. Wir befinden uns in einem Teufelskreis: Die geringe Zahl der Geburten macht den Standort für Ärzte unattraktiv und durch die fehlenden Mediziner können wir die Geburtshilfe nicht länger erhalten. Wir können sogar von Glück sagen, dass wir zwei so engagierte Ärzte wie Dr. Nezih Dizdar und Gottfried Steinle haben; ihrem Einsatz und dem Engagement des ganzen Teams ist es zu verdanken, dass wir so lange durchgehalten haben."

Gynäkologen müssen rund um die Uhr verfügbar sein

Für den Betrieb einer Geburtshilfe gemäß den medizinischen Leitlinien muss ein Arzt mit abgeschlossener oder begonnener Weiterbildung im Gebiet Frauenheilkunde und Geburtshilfe ständig rund um die Uhr im Bereitschaftsdienst verfu?gbar sein. Die Erfu?llung dieser Anforderung war jetzt schon eine Herausforderung fu?r die beiden hoch engagierten Ärzte, die zusätzlich zu Ihrer Tätigkeit im Krankenhaus auch eigene Praxen führen. Die vergebliche Suche nach niederlassungswilligen Gynäkologinnen und Gynäkologen in den letzten Jahren zeigt, dass diese Qualitätsanforderungen auf Dauer nicht erfüllt werden können.

Trend zur Zentralisierung der Geburtshilfe in Deutschland

Bundesweit ist die Entwicklung hin zu einer Zentralisierung der Geburtshilfe zu beobachten. In diesem Zusammenhang wird die geburtshilfliche Versorgung der Perinatalzentren Level 1 und 2 gestärkt. Das heißt: Die Geburtshilfe soll an großen Kliniken mit Perinatalzentrum zentralisiert werden. Das heißt gleichzeitig, dass kleinere Einrichtungen geschwächt werden. In Perinatalzentren werden Risikoschwangerschaften und Früh- und Neugeborene versorgt. Eine Fachklinik im Level 1 behandelt Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1.250g und einer Geburt vor der 29. Schwangerschaftswoche. In Perinatalzentren Level 2 werden Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht zwischen 1.250g und 1.499g und einer Geburt zwischen 29. und 32. Schwangerschaftswoche behandelt. Die Zentren richten sich an Frauen, deren Schwangerschaftsverlauf nicht regulär verläuft und deren Kinder weit vor dem errechneten Termin auf die Welt kommen. Für die Mehrzahl der Gebärenden in Deutschland ist diese Spezialversorgung nicht notwendig.

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