Trippelschritte auf der Autobahn

Dreis. Der A1-Lückenschluss geht in die nächste Runde. Jetzt liegen die Pläne für den Bauabschnitt von Kelberg bis Adenau öffentlich aus.

Sorgenvoll blickt manch einer in der Vulkaneifel auf die Veränderungen der Trassenführung, die jüngst von Straßen.NRW vorgestellt wurde: Resultiert daraus eine weitere Verspätung für den Lückenschluss? Um Erfolg versprechenden Klagen seitens der Naturschützer zuvorzukommen, wurde die bisherige Planung in Nordrhein-Westfalen gekippt. Der nun vorgesehene Verlauf hat einen Tunnel, um seltene Tierarten nicht zu gefährden.

Ein Rastplatz, acht Talbrücken, zwei Grünbrücken und vier Grünunterführungen

Auch auf dem jetzt in Angriff zu nehmenden rheinland-pfälzischen Abschnitt wird es viele Bauwerke geben und nicht »nur« eine fast dreißig Meter breite Asphaltschneise durch Wälder und Felder. Ein Rastplatz mit 19 Lkw-Stellplätzen, acht Talbrücken, zwei Grünbrücken und vier Grünunterführungen sind für den nur 10,5 Kilometer langen A1-Teil von Kelberg bis Adenau eine bauliche Herausforderung.

Die Zeichen stehen auf Gerichtsverfahren

Und auch finanziell ist das Projekt ehrgeizig. Die neuesten Berechnungen (aus dem Jahr 2016) gehen von Kosten in Höhe von 205 Millionen Euro aus. Da die Trassenführung buchstäblich tiefe Einschnitte in die Eifel mit sich bringt, damit sie möglichst wenig optische und akustische Belastung für die anliegenden Dörfer darstellt, sind zeitintensive Überraschungen nicht auszuschließen. Doch die Anwohner sollen durch die Autobahn nicht gestört werden. Dem gegenüber steht der Nutzen für geschätzt rund 23.600 Kraftfahrzeuge täglich, welche voraussichtlich die neue Strecke befahren werden.

Dokumente können bis zum 22. August eingesehen werden

Im Haus Vulkania stellten Vertreter des zuständigen LBM Trier, darunter Benedikt Bauch als Fachgruppenleiter Planung und Roland Janca vom Fachteam Landespflege, den interessierten Bürgern die Pläne für den nächsten Streckenabschnitt von Dreis-Brück bis Adenau vor.
Noch bis zum 22. August liegen die Dokumente, Zeichnungen und Erläuterungen in den VG-Rathäusern Daun, Kelberg, Hillesheim, Adenau und Blankenheim aus. »Es werden garantiert noch Einwände von Naturschützern kommen«, gab sich Janca realistisch und prognostizierte einen Baubeginn nicht vor 2024. Denn nach der Offenlage bleiben weitere vier Wochen für Einwendungen und ein Jahr für die Beantwortung der Einwendungen. Anschließend bestehen Klagemöglichkeiten.

»Unterhaltung vor Neubau«

In der Tat kündigt Egbert Bialk, Regionalbeauftragter des BUND, an, man werde sich noch über den breiten Widerstand gegen die A 1 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wundern. »Nach wie vor sehen wir keinen Grund, von der harten, notfalls auch juristischen Linie abzurücken.« Das vorgeschriebene Prinzip »Unterhaltung vor Neubau« werde von dem Projekt missachtet. Längst erfüllen, so der BUND, die A61 und die A60/B51 die Aufgaben einer Fernverbindung zwischen Nord und Süd. »Eine Autobahn ist keine Dorfumgehung!« Nicht nur die Natur, auch sanfter Tourismus und Mineralwasser würden durch die A1 gefährdet.

 

Hintergrund:

  • Die Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz der Natur müssen bereits wirksam sein, bevor mit dem Eingriff begonnen werden kann. Laut BUND sind die geplanten Eingriffe in FFH- und Wasserschutzgebiete »grundsätzlich nicht ausgleichbar«.

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