Zwischen Fassungslosigkeit und Wut

Daun. Groß war der Aufschrei, als bekannt wurde, dass die Geburtshilfestation im Dauner Krankenhaus schließt. Landrat Heinz-Peter Thiel sieht die Landesregierung in der Pflicht. Diese gibt dem Krankenhausbetreiber die Schuld.

Wie der Wochenspiegel in der vergangenen Woche berichtete, wird die Geburtshilfe im Krankenhaus Maria Hilf in Daun zum Jahresende schließen. Träger ist die Gesellschaft der Katharinenschwestern mbH. Krankenhaus-Geschäftsführer Franz-Josef Jax erklärt: »Gerade als katholisches Haus ist das ein schwerer Schritt für uns. Denn natürlich haben wir den Anspruch, Familien ganzheitlich zu versorgen. Gleichzeitig sind wir uns aber auch unserer Verantwortung bewusst, eine qualitativ hochwertige Versorgung im Sinne der werdenden Mütter anzubieten. Leider können wir diese leitlinienkonforme Versorgung auf Dauer nicht sicherstellen.« Der Grund für die Entscheidung, die Geburtshilfe zu schließen, ist die aussichtslose Suche nach Belegärzten für die Fachabteilung Geburtshilfe in Daun.

Unterschiedliche Reaktionen zur Schließung

Seitdem die Schließung der Geburtshilfe verkündet wurde, herrscht Entsetzen und Fassungslosigkeit. »Solch eine Entwicklung stimmt traurig und nachdenklich zugleich. Ich habe beide Kinder dort entbunden und fühlte mich sehr gut aufgehoben. Man genoss eine fast familiäre Atmosphäre durch die engagierten Schwestern, Hebammen und nicht zuletzt durch Dr. Steinle, der zu jeder Tages- und Nachtzeit für seine Patientinnen da war und ist. Sehr bedauerlich, dass nun weite Anfahrtswege in Kauf genommen werden müssen, weil Entbindungen nur noch in großen oder größeren Kliniken möglich sind«, erzählt Yvonne Thomas aus Gillenfeld. Auch Alexandra Malmary-Grossert, gebürtige Gerolsteinerin aus Wattenheim, sieht es ähnlich: »Das macht traurig und wütend zugleich! Ich finde diesen Trend die Geburtsabteilungen auf dem Land zu schließen, erschreckend. Die genannten Kliniken (Anm. d. Red.: Wittlich, Bitburg, Trier, Mayen, Bad Neuenahr und Mechernich) sind ja nicht gerade um die Ecke, und die Aussicht mit Wehen oder anderen Problemen in der Schwangerschaft noch so lange im Auto unterwegs zu sein... ohne Worte!«

Landrat Thiel ist »total verärgert«

Landrat Heinz-Peter Thiel zeigt sich ebenfalls fassungslos ob der Tatsache, dass zukünftig in Daun keine geburtshilflichen Leistungen mehr angeboten werden sollen. »Ich bin total verärgert. Hier kollabiert ein Gesundheitssystem vor unseren Augen. Eine Gesundheitspolitik des Landes, die sehenden Auges eine Geburtshilfe in einer ländlichen Kreisstadt personell und wirtschaftlich ausbluten lässt, scheint nun nach den Schließungen der Geburtshilfen in Prüm, Gerolstein und Adenau auch in Daun wieder die Augen zu verschließen«, monierte Thiel. Derzeit sei er mit allen Beteiligten in intensiven Gesprächen und versuche alles, was überhaupt noch machbar sei. »Ich erwarte, dass unsere Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler die für uns existenziell unverzichtbare Grundversorgung der Letzten für die werdenden Mütter noch in der Vulkaneifel vorhandenen Geburtshilfe aufrecht erhält. Die Ministerin muss die Rückgabe des Versorgungsauftrages zurückweisen und das Krankenhaus Maria-Hilf in die personelle und wirtschaftliche Lage versetzen, die Geburtshilfe weiter aufrecht zu erhalten«, forderte Thiel.

Kritik zur schließung aus dem Gesundheitsministerium

Aus dem Gesundheitsministerium hieß es unterdessen, dass das Krankenhaus ausschließlich selbst entschieden habe, die Geburtshilfe zu schließen. Gesundheitsstaatssekretär Dr. Alexander Wilhelm dazu: »Ich bedauere die Schließung der Geburtshilfestation sehr.« Es seien konkrete Maßnahmen zur Unterstützung angeboten worden.  Beispielsweise habe der Runde Tisch Geburtshilfe des Landes zu Beginn des Jahres angeboten, vor Ort gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Diesen Vorschlag habe das Krankenhaus nicht angenommen, kritisierte Wilhelm. Der Dauner Stadtbürgermeister Martin Robrecht sei »geschockt« gewesen, als er von der Schließung erfahren habe. »Für junge Familien bedeutet das nun, dass die nächsten Geburtsmöglichkeiten in rund einer Stunde Entfernung liegen«, so Robrecht: »Hebammen können die Kinder zwar hier vor Ort zur Welt bringen, aber schwangere Frauen im Krankenhaus müssen auch die Möglichkeit haben, dass ihre Familien sie besuchen können. Der große Knackpunkt bei der Schließung ist der Ärztemangel. Man ist im Gespräch mit dem Ministerium und wird sich treffen, um über die Zukunft zu reden.«

 

Info:

Demo und Petition

  • »Liebes Krankenhaus Maria Hilf Daun, wir alle brauchen Dich und Deine Geburtshilfe« ist Motto einer Demonstration gegen die Schließung der Geburtshilfe.  Der Demonstrationszug startet am Mittwoch, 21. November, 16 Uhr, auf dem Laurentiusplatz vor dem Dauner Hallenbad und wird vor dem Krankenhaus enden.
  • Außerdem wurde eine Petition gegen die Schließung initiiert. Zu finden ist diese unter: www.openpetition.de/petition/online/erhalt-der-geburtshilfe-im-krankenhaus-maria-hilf-daun

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.