Michael Nielen

Alte Tonbandstimmen führen nach Prüm

Kall/Prüm. Mit seinem neuen Roman „Holunderholz“ nimmt Norbert Scheuer seine Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit - bis zur Explosionskatastrophe am Prümer Kalvarienberg im Jahr 1949.
»Holunderholz« heißt der neue Roman des bekannten Schriftstellers Norbert Scheuer.

»Holunderholz« heißt der neue Roman des bekannten Schriftstellers Norbert Scheuer.

Bild: Elvira Scheuer

Norbert Scheuer hat die Eifel zu einem der markantesten literarischen Räume der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gemacht. Fast alle seine Romane spielen in Kall und der Eifel. Für sein Werk wurde der in Prüm geborene und in Keldenich lebende Schriftsteller vielfach ausgezeichnet; unter anderem erhielt er den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis und den Evangelischen Buchpreis. Seine Romane »Überm Rauschen« und »Winterbienen« standen auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Nun ist bei C.H.Beck sein neuer Roman »Holunderholz« erschienen. Darin führt Scheuer seine Leser erneut tief in die Eifel – und zu einem Ereignis, das sich bis heute in die Landschaft und das Gedächtnis der Region eingeschrieben hat: der Explosion des Kalvarienbergs bei Prüm am 15. Juli 1949.

Damals explodierten rund 500 Tonnen Sprengstoff in einem Bunker im Kalvarienberg. Die Bergkuppe wurde weggesprengt, Prüm nahezu vollständig zerstört, zwölf Menschen kamen ums Leben. Noch heute erinnert der gewaltige Krater an die Katastrophe.

In »Holunderholz« wird dieses Ereignis zum dunklen Mittelpunkt einer Familiengeschichte. Der Programmierer Johann Arimond kehrt nach dem Tod seiner Mutter nach Kall zurück. In ihrem Nachlass findet er ein altes Magnetophon und Tonbänder seines Großvaters. Die Aufnahmen sind beschädigt und nur bruchstückhaft zu hören. Doch Johann beginnt, den Stimmen und Geräuschen nachzugehen. Sie führen ihn zurück in die Nachkriegszeit und schließlich nach Prüm.

Dabei verbindet Scheuer reale Geschichte mit literarischer Fiktion. Nicht die Aufklärung eines historischen Rätsels steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sich Vergangenheit in Familien, Landschaften und Erinnerungen fortsetzt.

Die überregionale Presse hat den Roman bereits unmittelbar nach seinem Erscheinen aufmerksam aufgenommen. Der SWR bezeichnet Holunderholz als einen »poetischen« und zugleich »verstörenden« Eifelroman. Der NDR spricht von einem »poetischen Eifelroman mit Krimitouch«. Der WDR nennt Scheuer den »Chronisten der Eifel« und hebt hervor, dass kaum jemand die Region so konsequent literarisch beschrieben habe.

Mit »Holunderholz« setzt Scheuer seine langjährige literarische Beschäftigung mit Kall und der Eifel fort. Der Roman ist zugleich der Auftakt einer neuen Eifel-Trilogie.

Norbert Scheuer: Holunderholz. Roman. C.H.Beck, 2026, 265 Seiten, 26 Euro. ISBN 978-3-406-85117-9.