Julia Borsch

Die Eifeler Bauernhäuser

Region. Ein Beitrag zum "Eifeler Bauernhaus" des Eifelautors Joachim Schröder in der Reihe "Eefeler Verzellcher"

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Der Ludeshof in Pronsfeld um 1913

Der Ludeshof in Pronsfeld um 1913

Foto: Archiv, Joachim Schröder

Für die Eifeler Menschen war das Haus, der Ort ihres Wohnens und Arbeitens, seit jeher eine Stätte der Geborgenheit. Hier wurde Brauchtum im Alltag praktiziert. Hier hatte die gesamte Rechtssymbolik der Eifel ihren Ursprung. Aber natürlich diente das Eifeler Haus in erster Linie als Wohn- und Wirtschaftsraum. Zum Eifeler Haus gehörten - fast gleichberechtigt - Stall, Scheune und Speicher. Umgeben von einer Hecke, einem Schutzzaun oder einer Steinmauer war der Wohn- und Hofraum ein eingehegter Bezirk mit Friedensrecht. Das Bauernhaus diente als Schutzobjekt gegen Anfeindungen aller Art.

 

Der Pronsfelder Ludeshof

Im Eifeler Bauernhaus - mir dient für diese kleine Untersuchung der Ludeshof in Pronsfeld als "Vorlage" - waren alle Hauptaufgaben bäuerlichen Wohnens und Wirtschaftens unter einem Dach zusammengefasst: Wohnung der Menschen, Stallung für das Vieh und Bergung der Erntevorräte. Wohnung, Stall und Scheune folgten einander in Firstrichtung und waren durch Eingänge einzeln erschlossen. Die Länge des gesamten Komplexes betrug rund dreißig Meter, die Breite zwölf Meter. Dazu gab es einen Querbau mit Stallungen für die Schafe und Raum für Vorräte und Stroh. Die Haustür war im Mittelalter und bis ins 20. Jahrhundert hinein quergeteilt. Der obere Teil wurde geöffnet, um Licht und Luft in die dahinterliegende Küche einzulassen, der untere geschlossene Teil verwehrte vor allem den Tieren den Zutritt. Tür und Fenster waren mit Sandstein-Hauwerk eingefasst. Der Wohnteil war in zwei Einheiten geteilt und zweistöckig.

Im Erdgeschoss befanden sich Küche und Stube, getrennt durch eine Zwischenwand mit der Herdfeuerung. Die Haustür führte durch einen schmalen Gang in die ebenerdige, mit Steinplatten ausgelegte Küche. Hier befanden sich Herd, Geschirr- oder Kannenbank ("Schottelbaank"), der Brunnen, in der Eifel "Petz" genannt, die Takenplatte in der Feuerwand, Arbeitstisch und Stühle. Als einziger Raum war die Stube unterkellert und deshalb höher gelegen. Von der Küche aus war sie über drei Stufen zu erreichen. Hier saß man zusammen, plauderte, nahm die Mahlzeiten ein und ging kleinen Arbeiten nach. Neben dem kostbaren Eichenschrank standen die Kastenuhr und der Kanonenofen. An der Längsseite befand sich der massive Eichentisch mit Bank und Stühlen.

Im Obergeschoss lagen die Schlafräume, ein Freiplatz über der Treppe und das "Fleischhaus" am Rauchfang. Die Schlafkammer beherbergte neben einem mit Schnitzereien versehenen Schrank eine große Truhe, in der das Linnen aufbewahrt wurde. Neben dem Bett stand die Wiege, auf einem einfachen Tisch wurden Krug und Waschschüssel gestellt. Darüber hing ein Zapfenbrett, auf dem bunt bemalte Spanschachteln standen, in denen Kinderwäsche lag. Als Beleuchtung diente ein hängendes Öllämpchen, das an einem beweglichen Arm befestigt war ("Lichthoal").

Die Dacheindeckung war bei diesem Dreiseithof seit dem 19. Jahrhundert ein Naturschieferbelag, "Leien" genannt, die Dachform ein Satteldach mit kleiner Abwalmung an der Straßenseite. Der Dachüberstand war unbedeutend, der First lief in einer Höhe glatt durch. Der aus Bruchstein gebaute Kamin erhob sich knapp einen halben Meter über den First, alle Eingänge und Fenster waren mit Buntsandstein eingefasst und hoben sich schön von der weiß gekalkten Wand ab. Das gesamte Erscheinungsbild dieses Bauernhauses mit seinen weißen, roten und grauen Farbtönen fügte sich harmonisch in das Dorf und die Landschaft ein, strahlte Ruhe und Freundlichkeit aus.

Als kleiner Nebenbau war das zweistöckige "Backes" angefügt. Ebenerdig stand der Backofen, darüber lagen einige Kammern für die Gerätschaften. Unter dem Dach befand sich ein kleiner Fruchtspeicher. An das Wohnhaus schloss sich der Stall an, daran die Scheune, beide Einheiten lagen geringfügig tiefer als das Wohnhaus. In einem eigenen Stall waren die Schafe untergebracht, im Pferdestall die Hauspferde.

Durch einen Nebenbau entstand ein Dreiseithof, der einen windgeschützten Wirtschafts- und Innenhof entstehen ließ. Die vierte Seite, zur Straße hin gelegen, war unverschlossen, ein Hoftor gab es nicht. Dieser Innenhof beherbergte den Holzplatz, während der Mistplatz "hinter dem Haus", der Wiese zugewandt lag. Hier dehnte sich der "Paisch", die Hauswiese aus. Dazu kam der große Bauerngarten mit einigen mächtigen Obstbäumen.

 

Text: Joachim Schröder

 


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