Nikolas Leube

Ernte 2026 in Rheinland-Pfalz bringt gute Erträge, aber niedrige Preise belasten Betriebe

Region. Die Ernte fällt vielerorts besser aus als zunächst erwartet. Bei der Erntepressekonferenz in Badem machten die Bauern- und Winzerverbände jedoch deutlich, warum viele Betriebe trotzdem unter Druck stehen.
Die Getreideernte 2026 fällt in Rheinland-Pfalz vielerorts besser aus als erwartet.

Die Getreideernte 2026 fällt in Rheinland-Pfalz vielerorts besser aus als erwartet.

Bild: CanvaPro

Die Ernte 2026 fällt in Rheinland-Pfalz insgesamt besser aus, als die trockene und heiße Witterung zunächst erwarten ließ. Vor allem Wintergerste, Winterweizen und Raps liefern vielerorts gute bis überdurchschnittliche Erträge. Dennoch stehen zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich unter Druck. Darauf haben der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau und der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd bei ihrer gemeinsamen Erntepressekonferenz beim Landhandelsunternehmen Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel in Badem hingewiesen.

Das Frühjahr war deutlich wärmer und trockener als im langjährigen Durchschnitt. Die Hitze beschleunigte die Abreife der Kulturen, sodass die Getreideernte bereits Ende Juni begann. Weil viele Bestände nahezu gleichzeitig reif wurden, kam es regional zu Engpässen bei der Erfassung durch den Landhandel.

Gute Erträge, schwache Preise

Besonders zufrieden zeigen sich die Verbände mit Wintergerste, Winterweizen und Raps. Erträge und Qualitäten liegen vielerorts über dem Durchschnitt. Während die Rapspreise zuletzt auf über 500 Euro je Tonne stiegen, bleiben die Erlöse für Getreide insgesamt niedrig. Hohe Kosten für Treibstoff, Dünger und Arbeit verschärfen die wirtschaftliche Lage zusätzlich.

Schwieriger ist die Situation bei Sommerbraugerste, Roggen und Triticale. Vor allem Sommerbraugerste litt unter Hitze und Trockenheit, während Roggen und Triticale wirtschaftlich kaum rentabel sind.

Trockenheit belastet Mais, Kartoffeln und Weinbau

Regional bereitet vor allem der Mais Sorgen. Während einige Flächen von Gewittern profitierten, zeigen andere bereits deutliche Trockenschäden. Bleibt Regen aus, drohen vor allem beim Silomais erhebliche Ertrags- und Qualitätseinbußen für die Futterversorgung der Viehbetriebe.

Auch Kartoffeln leiden unter der Hitze. Nicht bewässerte Flächen verzeichnen teils deutliche Einbußen, regional verschärft Drahtwurmbefall die Situation. Im Weinbau sind die Reben zwar bislang gesund und ein früher Lesebeginn Anfang bis Mitte September zeichnet sich ab, doch Trockenstress könnte Menge und Qualität noch beeinträchtigen. Im Obstbau fällt die Bilanz ebenfalls gemischt aus. Äpfel, Zwetschen und Erdbeeren leiden regional unter Trockenheit oder Sonnenbrand, Süßkirschen erzielten dagegen gute Erträge.

Verbände fordern bessere Rahmenbedingungen

Für Marco Weber, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, und Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, zeigt die Ernte 2026 insgesamt ein gemischtes Bild. Auf vielen Flächen stimmten Erträge und Qualitäten, wirtschaftlich bleibe die Lage jedoch angespannt.

"Gute Ernten allein sichern noch kein Einkommen", betonten Weber und Hartelt. "Stark gestiegene Betriebsmittel- und Lohnkosten treffen auf Erzeugerpreise, die teilweise auf dem Niveau von 2020 liegen." Deshalb forderten die Verbandspräsidenten faire Wettbewerbsbedingungen, verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine stärkere Marktposition der heimischen Betriebe. Zudem warb Weber angesichts der positiven Entwicklung beim Raps für stärkere Vermarktungspartnerschaften zwischen Landwirten und Handel.