

Mit dem neu gegründeten Verein "Kitzrettung Sefferweich" engagieren sich Ehrenamtliche für den Schutz von Wildtieren während der Mähsaison. Vor allem Rehkitze sind in den ersten Lebenswochen gefährdet: Von ihren Muttertieren im hohen Gras abgelegt, verlassen sie sich bei Gefahr auf ihren natürlichen "Drückinstinkt" und bleiben regungslos liegen. In der Mähsaison kann das zur tödlichen Falle werden.
Die Idee zur Kitzrettung entstand für den Vereinsvorsitzenden Marc Peikert vor drei Jahren eher zufällig: "Als ehrenamtlicher Drohnenpilot im Technischen Hilfswerk Bitburg habe ich an einer Übung zur Kitzrettung teilgenommen", berichtet er. Aus ersten Übungsflügen entwickelte sich mit der Zeit ein dauerhaftes Engagement. "Wenn man einmal erlebt hat, wie hilflos ein frisch gesetztes Rehkitz im hohen Gras liegt und wie groß gleichzeitig die Gefahr durch die Mahd ist, lässt einen das nicht mehr los", erzählt Peikert im Gespräch.
Während der Mähsaison von April bis Juli starten die Helferinnen und Helfer ihren Tag meist lange bevor andere aufstehen. "Ein Einsatztag beginnt sehr früh, noch vor Sonnenaufgang", schildert der Vorsitzende. Mit einer Wärmebilddrohne werden die Wiesen systematisch abgesucht. Werden Rehkitze, Junghasen oder Bodenbrüter entdeckt, sichern die Einsatzkräfte die Tiere und bringen sie vorübergehend aus dem Gefahrenbereich. Nach Abschluss der Mahd werden sie wieder freigelassen.
Die ehrenamtliche Arbeit erfolgt in enger Abstimmung mit Landwirten und Jägern. Besonders in Zeiten guten Wetters sei die Koordination anspruchsvoll. "Wenn das Wetter passt, wollen viele Landwirte gleichzeitig mähen, und dann müssen Einsätze schnell koordiniert werden", erklärt Peikert. Hinzu komme, dass die Suche mit Wärmebildtechnik möglichst noch vor Sonnenaufgang erfolgen müsse und die Tiere nur für begrenzte Zeit gesichert werden könnten. "Kitzrettung wirkt von außen manchmal einfach, ist in der Praxis aber echte Teamarbeit."
Dennoch wird der Planungsaufwand der Kitzrettung oft unterschätzt. "Es geht nicht nur darum, mit einer Drohne über eine Wiese zu fliegen", betont der Ehrenamtler. Einsatzplanung, Abstimmung mit Landwirten, geschulte Helfer und die Dokumentation gehörten ebenso dazu wie der verantwortungsvolle Umgang mit Wildtieren. "Das Leben der Tiere hängt unmittelbar von unserer Arbeit ab."
Die Einsätze haben auch den Blick auf die Natur verändert. "Man nimmt die Natur bewusster wahr und erkennt, wie eng Landwirtschaft, Wildtiere und Ehrenamt miteinander verbunden sind´", führt Peikert aus. Besonders beeindruckend sei für ihn, wie wirksam der natürliche Schutzmechanismus der Rehkitze sei – und wie gefährlich er gleichzeitig während der Mahd werden könne. Nach eigenen Angaben konnten in diesem Jahr bereits 27 Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt werden. Gemeinsam mit Landwirten als Gründungsmitgliedern setzt sich der Verein für den Wildtierschutz ein. Weiterhin unterstützt der Verein die Behörden des Eifelkreises und darüber hinaus bei der Bekämpfung von Tierseuchen sowie bei der Suche nach vermissten Personen.
Weitere Informationen zum Verein "Kitzrettung Sefferweich" sowie Spendenmöglichkeiten finden Interessierte hier.



