Frederik Scholl

1.000 bunte Luftballons zum Tag gegen Homophobie

Schüler an verschiedenen Schulen in Euskirchen setzten am heutigen 17. Mai, ein Zeichen gegen Homophobie.

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Schüler des Emil-Fischer-Gymnasiums haben zum Tag gegen Homophobie symbolisch 400 bunte Luftballons in die Luft steigen lassen.

Schüler des Emil-Fischer-Gymnasiums haben zum Tag gegen Homophobie symbolisch 400 bunte Luftballons in die Luft steigen lassen.

Foto: C.Lawlor / Kreis Euskirchen

Schüler am Emil-Fischer-Gymnasium haben heute Morgen parallel zur Marienschule, der Matthias-Hagen-Schule und dem Thomas-Eßer-Berufskolleg bunte Luftballons in die Luft steigen lassen und damit ein starkes Zeichen gegen Homophobie gesetzt. Die verwendeten Luftballons sind biologisch abbaubar, richten also keinen Schaden in der Natur an.

Initiator der Aktion war der Arbeitskreis Sexuelle Gesundheit des Kreisgesundheitsamtes mit seinen Mitgliedern dem Caritasverband für das Kreisdekanat Euskirchen und für die Region Eifel, donum vitae im Kreis Euskirchen e.V. und der Verein "Frauen helfen Frauen". Das diesjährige Motto des Tages gegen Homophobie lautet "Unsere Körper, unser Leben, unsere Rechte". Die Aussage "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren" findet sich in Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Obwohl die Generalversammlung der Vereinten Nationen das Dokument 1948 als "gemeinsamen Maßstab für die Errungenschaften aller Völker und aller Nationen" proklamierte, wurde Homosexualität bis 1990 von der Weltgesundheitsorganisation als psychische Störung eingestuft. Die Streichung dieser Diagnose in der Liste der WHO geschah am 17. Mai 1990, daher das Datum des heutigen Gedenktages.

Aber der 17.5. passt auch zu einem anderen unrühmlichen Stück Geschichte Deutschlands, heißt es in der Mitteilung der Organisatoren der heutigen Aktion: Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuches (§ 175 StGB) existierte vom 1. Januar 1872 bis zum 11. Juni 1994. Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Insgesamt wurden in Deutschland etwa 140.000 Männer nach den verschiedenen Fassungen des § 175 verurteilt. Noch heute werden gleichgeschlechtliche Beziehungen in mehr als einem Drittel aller Länder kriminalisiert. Unter anderem in Jamaika, Kenia, Tunesien und Marokko drohen lange Haftstrafen. Saudi-Arabien, Nigeria und neun weitere Staaten bedrohen Homosexuellen mit der Todesstrafe.

LGBTQI-Menschen seien mit Vorurteilen, Diskriminierung, Stigmatisierung, Feindseligkeit und Gewalt konfrontiert. Ihnen würden in weiten Teilen der Welt rechtlicher Schutz, grundlegende Gesundheitsversorgung, Bürger- und Menschenrechte verweigert, einschließlich des Rechts auf körperliche Autonomie, wenn sie gezwungen werden, sich einer medizinischen Behandlung oder einer unnötigen Operation zu unterziehen. In Deutschland sind Behandlungen, die auf die Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität gerichtet sind (Konversionsbehandlung), erst seit rund 2 Jahren (12. Juni 2020) verboten.

 Das diesjährige Motto des Tages gegen Homophobie "Unsere Körper, unser Leben, unsere Rechte" soll motivieren, sich für die Rechte und die Wahlmöglichkeiten aller einzusetzen. Jeder Mensch habe das grundlegende Recht, Entscheidungen über seinen Körper, sein Leben und seine Zukunft zu treffen. Die Schüler haben heute im Kreis Euskirchen dieses Thema durch die Luftballonaktion ins Bewusstsein der Bürger und in die Fläche getragen.