Frederik Scholl

»Galeria gehört zum Stadtbild«

Euskirchen. Nach erneuter Insolvenz des Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzerns und geplanten Schließungen, bangt auch Euskirchen wieder um seinen einstigen "Kaufhof"

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Erst im Sommer hatte die Galeria-Filiale in Euskirchen nach der Flutsanierung und gleichzeitiger Modernisierung als Galeria 2.0 wieder eröffnet. Jetzt hat der Mutterkonzern erneut Insolvenz angemeldet. Foto: Scholl

Erst im Sommer hatte die Galeria-Filiale in Euskirchen nach der Flutsanierung und gleichzeitiger Modernisierung als Galeria 2.0 wieder eröffnet. Jetzt hat der Mutterkonzern erneut Insolvenz angemeldet. Foto: Scholl

Foto: Scholl

Nachdem die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof Anfang November Insolvenz angemeldet hat, bangen mehr als 17.000 Mitarbeiter um ihre Jobs. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte angekündigt rund ein Drittel der 131 Filialen aufgeben zu wollen. Grund für die erneute Krise des Kaufhauskonzerns seien nach Angaben der Galeria-Geschäftsführung Inflation und gestiegene Energiepreise und eine damit verbundene Kaufzurückhaltung der Kunden. Bereits vor zwei Jahren hatte Galeria rund 40 Filialen schließen müssen.

Auch für die Stadt Euskirchen ist die erneute Insolvenz des Konzerns ein Schock. Seit 1974 ist der Kaufhof fester Bestandteil der Innenstadt und ist auch heute ein großer Anziehungspunkt für die Einkaufswilligen, die nach Euskirchen kommen. Als wichtiger Anker für die gesamte Region gehöre das Warenhaus an der Berliner Straße fest zum Stadtbild. Nicht nur Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch eine Vielzahl von Arbeitsplätzen hänge an diesem Standort, heißt es in einem Statement der Kreisstadt.

Ob der Standort Euskirchen überhaupt zur Disposition stehe, sei nach Angaben der Galeria-Unternehmenskommunikation noch unklar. »Welche Häuser geschlossen werden, steht heute noch nicht fest. Wir gehen zeitnah in Gespräche mit den Vermietern. Hier geht es neben der Miete selbst auch um weitere Fragen wie beispielsweise Flächennutzung, energetische Sanierungen, Modernisierungs- oder Baumaßnahmen. Ob ein Standort erhalten bleiben kann wird auch stark von diesen Gesprächen abhängig sein. Wir gehen davon aus, dass es im Laufe des Januar des kommenden Jahres Klarheit darüber geben wird«, erklärte ein Sprecher des Unternehmens auf Wochenspiegel-Anfrage. Hans-Peter Neußer, Geschäftsführer der Euskirchener Galeria-Filiale bat um Verständnis. Er wolle sich aufgrund der derzeit unklaren Lage nicht persönlich zum laufenden Verfahren äußern.

Nach Angaben der spreche allerdings vieles für den wichtigen Erhalt des Standortes. Zudem mache der Umstand berechtigte Hoffnung, dass der Standort Euskirchen nach wie vor nicht nur wegen des großen Einzugsbereichs attraktiv sei. Nach der Flut war Galeria Euskirchen umfassend saniert und auf den allerneuesten Stand in Sachen Technik und Einrichtung gebracht worden. »Aus unserer Sicht spricht sehr viel für den Erhalt der hiesigen Filiale«, so Bürgermeister Sacha Reichelt. Selbstverständlich werde man sich mit allen Kräften für den Erhalt des Euskirchener Hauses einsetzen.

Investor bekundet Interesse an 47 Filialen

Einen Hoffnungsschimmer verbreitete vergangene Woche auch eine Ankündigung des Investors Markus Schön. Der Vorstandschef des Detmolder Online-Schreibwarenhändlers Buero.de hatte in einem Gespräch mit der Bild-Zeitung Übernahme-Interesse an 47 Galeria-Filialen bekundet, vornehmlich in mittelgroßen Städten. Auf Schöns Wunschliste steht offenbar auch der Standort Eus­kirchen. »Zwischen dem Generalbevollmächtigten von Galeria Karstadt Kaufhof, Arndt Geiwitz, und Markus Schön soll es in Kürze ein persönliches Treffen geben«, so ein Galeria-Sprecher. Inhaltlich könne man daher jedoch noch keine Stellung zu den Übernahme-Ambitionen von Schön nehmen. Davon unabhängig werde Galeria zeitnah in die Gespräche mit den Vermietern gehen. Im Falle einer Übernahme der Filialen wolle Schön Berichten zufolge an den Mitarbeitern festhalten, am traditionsreichen Namen des Unternehmens jedoch nicht. Zudem plane er das Sortiment anzupassen und das Online-Segment weiter ausbauen.

Dass ein erstes Treffen zwischen dem interessierten Investor und dem Insolvenzverwalter bereits durch Letzteren abgesagt worden sein soll, so wie es einzelne Zeitungen unter Berufung auf eine Pressemitteilung von Buero.de am Dienstag berichteten, ließ sich bisher nicht zweifelsfrei bestätigen, da da Unternehmen bisher nicht auf Wochenspiegel-Anfragen geantwortet hat.


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