Dienstaufsichtsbeschwerde gegen IHK-Hauptgeschäftsführer

Hunsrück/Nahe. Rückenwind für den Präsidenten des DEHOGA Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Gereon Haumann, und Gegenwind für den Hauptgeschäftsführer der IHK Trier, Dr. Jan Glockauer: Beim heutigen DEHOGA-Sonderdelegiertentag in Bad Kreuznach sprach sich die Mehrheit der Delegierten dafür aus, an der bereits beschlossenen Präsidentschaft von Gereon Haumann bis 2029 festzuhalten. Zugleich kündigte der Justiziar des Landesverbandes an, dass er im Auftrag des DEHOGA eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den IHK-Hauptgeschäftsführer einreichen werde.

Auslöser für die angekündigte Dienstaufsichtsbeschwerde beim Wirtschaftsministerium des Landes, der Aufsichtsbehörde für die Industrie- und Handelskammer (IHK), ist ein E-Mail Briefwechsel zwischen dem IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jan Glockauer und Matthias Ganter, einem Hotelier von der Mosel, der Ende 2018 zusammen mit 19 weiteren DEHOGA-Mitgliedern eine Klage gegen den DEHOGA Landesverband beim Landgericht Bad Kreuznach eingereicht hat. Wie Justiziar Dr. Rolf Bietmann ausführte, enthalten die dem Landesverband zugestellten E-Mails auch Anhänge und vorhergehende Ausführungen, die „offenbar aus Versehen nicht gelöscht wurden“. Diese Teilstücke der elektronischen Briefe legten nahe, das „Herr Glockauer der Ghostwriter von Herrn Ganter“ bei dessen Auseinandersetzung mit DEHOGA-Präsident Gereon Haumann sei, so Bietmann. So heiße es in einer Mail von Glockauer an Ganter vom 10. Mai: „Wenn Sie möchten, entwerfe ich ein Schreiben. Das können Sie Ihm (gemeint ist damit der DEHOGA-Präsident – die Red.) dann gleich rüberdonnern.“

Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Trierer IHK-Hauptgeschäftsführer

Das Pikante daran: Den E-Mail-Schriftwechsel führte Dr. Jan Glockauer laut DEHOGA-Aussage offensichtlich von seinem beruflichen E-Mail-Konto mit der Account-Kennung @trier.ihk.de bei der IHK Trier. „Privat kann Herr Glockauer ja gegen Herrn Haumann wettern, aber doch bitte nicht auf Arbeitsmitteln der IHK Trier." Dass hier eine Kampagne gegen den DEHOGA-Landesverband aus Mitgliedsbeiträgen der IHK Trier geführt werde, sei "nicht zu tolerieren und ein krasser Missbrauch der Funktion enes IHK-Geschäftsführers“, so Dr. Rolf Bietmann, der eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den IHK-Hauptgeschäftsführer aus Trier ankündigte. Für die Einleitung dieses Verfahrens stimmten beim Delegiertentag laut DEHOGA-Geschäftsführerin Anna Roeren-Bergs 98 Prozent der stimmberechtigten Teilnehmer.

Was das DEHOGA-Präsidium besonders ärgert: Mitglieder des DEHOGA-Landesverbandes sind zugleich Beitrag zahlende Pflichtmitglieder der IHK Trier. Wenn der IHK-Hauptgeschäftsführer also Machtspiele gegen den DEHOGA aus Mitteln der IHK führe, wie es der E-Mail-Verkehr nahelege, dann würden ebendiese Mitglieder "einen Kampf gegen ihren eigenen DEHOGA-Präsidenten und Verband" mitfinanzieren. "Das geht nicht. Das wäre eine Zweckentfremdung von IHK-Mitteln im beachtlichen Ausmaß", so Bietmann.

Wie DEHOGA-Landespräsident Gereon Haumann ergänzte, „schießt“ der Trierer IHK-Hauptgeschäftsführer bereits seit längerem gegen den DEHOGA Landesverband. Es gehe hier offenbar um die Frage der Mächtigkeit von Organisationen. Hintergrund seien aber auch "persönliche Eitelkeiten, die ich hier nicht weiter erläutern möchte“, so Haumann vor der Presse.

Glockauer sieht der Beschwerde gelassen entgegen. Wie IHK-Sprecher Sebastian Klipp mitteilte, sei Ganter IHK-Mitglied und habe im Zusammenhang mit dem DEHOGA-Ausschlussverfahren um Unterstützung gebeten. Es handele sich hier also um eine Beratungsleistung, die zur ureigenen Aufgabe einer IHK gehöre und jedem IHK-Mitglied zustehe.

Haumann soll bis 2029 Präsident bleiben

Weitere Beschlüsse der Delegierten-Sondersitzung des Verbandes in Bad Kreuznach: 98,6 Prozent der teilnehmenden Delegierten stimmten einem mit dem Titel "Mit Haumann in die Zukunft" überschriebenen Antrag zu. Inhalt: Das 2013 ins Leben gerufene Konzept „DEHOGA 2020“ soll fortgeführt und mit einem hauptamtlichen Vollzeit-Präsidenten Gereon Haumann weiter umgesetzt werden. Wie das DEHOGA-Präsidium nach dem Delegiertentag mitteilte, beinhaltet dieser Beschluss zudem die Zustimmung der Delegierten, an der im August 2018 getätigten vorzeitigen Wahl von Gereon Haumann für die Präsidentschaftsperiode 2021 bis 2029 festzuhalten.

Gegen Klage wehren

In einem weiteren Beschluss stimmten die Delegierten mit 98,5 Prozent der Stimmen zu, dass sich das DEHOGA Präsidium weiterhin gegen die Klage wehren wird, die von 20 DEHOGA-Mitgliedern Ende 2018 beim Landgericht Bad Kreuznach eingereicht wurde. Wie der WochenSpiegel berichtete, möchten die Kläger die vorzeitige Wahl von Gereon Haumann zum Präsidenten bis 2029 gerichtlich für nichtig erklären lassen. Grund: Die Satzung des DEHOGA-Landesverbandes sehe eine vorzeige Wahl eines Präsidenten während dessen laufender Amtszeit nicht vor. Über eine Zulassung der Klage hat das Landgericht noch nicht abschließend entschieden.

Hotelier Ganter aus DEHOGA ausgeschlossen

Zustimmung erhielt das Präsidium auch für den Ausschluss von Hotelier Matthias Ganter (einer der gegen den Verband klagenden Hoteliers) aus dem Landesverband. Wie Gereon Haumann mitteilte, stimmte der Große Vorstand des Verbandes mehrheitlich dafür, das „Verhalten von Matthias Ganter als für den Verband schädlich und unehrenhaft einzustufen und den Hotelier von der Mosel deshalb aus dem Verband auszuschließen. Nur drei von 32 stimmberechtigten Mitgliedern hätten dagegen gestimmt. Das Präsidium wirft Ganter vor, unwahre Behauptungen über das Gehalt des DEHOGA-Präsidenten gemacht zu haben. Zudem habe er die Behauptung verbreitet, Haumann habe sich gegen die Regeln der Satzung wählen lassen. Durch diese „unwahren Tatsachenbehauptungen“ habe er zu einer dem Ansehen des Verbandes einen schweren Schaden zugefügt.

Hotelier Matthias Ganter aus Traben-Trarbach kündigte an, gegen den Rauswurf juristisch vorgehen zu wollen.

Text & Fotos: Kai Brückner

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