"Er drohte uns umbringen zu lassen"

Pizzeria-Brände: Zum Auftakt schweigt der Besitzer

Hunsrück/Nahe. Mit Fußfesseln wird der ehemalige Chef (53) einer Idar-Obersteiner Pizzeria in den Saal 149 des Landgerichts Bad Kreuznach geführt. Auf den Anklagebänken nehmen außerdem fünf weitere junge Männer zwischen 20 und 32 Jahren Platz. Sie müssen sich seit Freitag wegen versuchten Mordes, schwerer Brandstiftung, Versicherungsbetrug und anderen Delikten verantworten.

Das Strafverfahren 1041 Js 6067/15 vor dem Bad Kreuznacher Landgericht ist äußerst vertrackt. Ein mutmaßlicher Auftraggeber, ein Versicherungsfachmann und vier weitere Angeklagte sind laut Staatsanwaltschaft in unterschiedlichen Konstellationen für mehrere Brandanschläge im April und Mai auf ein Wohnhaus in der Höckelböschstraße und die besagte Pizzeria in der Hauptstraße in Idar-Oberstein verantwortlich.

Lokalbesitzer schweigt

Der Ex-Betreiber der Pizzeria wollte sich zum Prozessauftakt noch nicht äußern, teilte sein Anwalt mit. Die Kammer hatte die schwierige Aufgabe, herauszufinden, welche der Angeklagten wann welche Rolle spielten. Allein die Verlesung der Anklageschrift nahm rund 20 Minuten in Anspruch.

Laut Staatsanwaltschaft reifte beim Restaurantbesitzer im März die Idee, das Gebäude samt Lokal in Brand zu setzen. Von seiner Versicherung soll er sich so 600 000 Euro versprochen haben. Der Gastwirt fragte einen Bekannten, ob er jemanden kenne, der dort Feuer legen könnte. Der Kumpel - selbst auch Versicherungsvertreter -  erzählte seinem 20-jährigen Praktikanten davon. Der Schüler habe sich daraufhin entschlossen, die Tat auszuführen. Zuvor sollen sie gemeinsam schon einen Versicherungsbetrug begangen haben: Da der Vertreter  in Geldnöten gesteckt haben soll, fingierten sie einen Einbruch in sein eigenes Haus, kassierten und teilten sich die Auszahlung der Versicherung. Das reichte den Männern offenbar nicht und sie heuerten beim Pizza-Mann an.

20 000 Euro Belohnung für erfolgreiches Abfackeln

Der Pizzeria-Chef soll beiden für die erfolgreiche Tatausführung je 20 000 Euro versprochen haben. Zuvor sollten sie sich an einem leer stehenden Haus in der Höckelböschstraße, quasi als Test, als Feuerteufel versuchen. Die Brandstifter trafen sich zu Vorbesprechungen, wollten sich aber offenbar nicht selbst die Hände schmutzig machen, beauftragten wiederum »Subtäter« für die Brände in der Pizzeria.

Vom 9. bis 29. April flog der Gastronom in Urlaub in die Dominikanische Republik, sozusagen als Alibi. Er habe den Brandstiftern in spe zuvor den Hausschlüssel ausgehändigt und vorab jeweils 15 000 Euro in bar gegeben. Vorher teilte er den Auftragszündlern mit, dass es ihm egal sei, ob dabei Menschen zu Tode kämen, so einer der Mitangeklagten. Das Haus war im zweiten und dritten Stock von insgesamt drei Mietern bewohnt. Die Angeklagten bestritten allerdings vehement, gewusst zu haben, dass sich Menschen im Haus aufhielten. Sie hätten das Gebäude zuvor mehrfach beobachtet und glaubten der Aussage des Pizzeria-Chefs, die Mieter seien verreist.

Erster Versuch fehlgeschlagen: Lebensgefahr für Polizei und Feuerwehr

Die Männer besorgten sich alsdann im Globus-Baumarkt sechs Elf-Liter-Propangasflaschen, die im Restaurantkeller deponiert wurden. An der Fischbacher Aral-Tankstelle hatten sie zwei Benzinkanister betankt und diese im Keller verschüttet. Sie bauten eine Zeitschaltuhr ein, doch das Zünden des explosiven Gemisches misslang. So steckten sie Gebäudeteile wie die Holzveranda in Brand, während ein Mieter im Gebäude schlief. Er konnte unverletzt evakuiert werden. Herbeigeeilte Feuerwehrleute und Polizisten schwebten bei diesem Einsatz in Lebensgefahr, denn die »Bombe« hätte jederzeit hochgehen können.

Den Tod des Bewohners hatten die Täter offenbar billigend in Kauf genommen.  Ein Mieterpärchen war nur durch Zufall nicht zuhause - es hätte sie ebenfalls treffen können. Aus dem Urlaub heraus informierte der Pizzeria-Chef seine Versicherung über den Schaden, sie zahlte über 40 000 Euro aus. Der Inhaber des Lokals sei außer sich gewesen über die missglückte Brandstiftung, habe seine beiden Lakaien bedroht, sie sollten es nun richtig machen, sonst würde er sie umbringen lassen, berichtet einer der Angeklagten. Die Drohung sollen sie sehr ernst genommen haben und hatten Angst.

So beauftragten sie erneut den Helfer, der für 1 000 Euro am  Baugerüst hochklettern, Benzin in die Lüftung kippen und es anstecken sollte.  Doch wieder misslang die Brandstiftung, während der Gastronom diesmal in Bochum weilte. Direkt im Anschluss ging es mit seinen beiden Auftraggebern in eine Idar-Obersteiner Disco, »um sich ein bisschen abzureagieren und zu feiern.« Die insgesamt drei jungen Männer, die direkt an den Brandstiftungen beteiligt waren, verstrickten sich in ihren Aussagen in viele Widersprüche, den Überblick zu behalten, fiel der Kammer teils sichtlich schwer.

Lokalbesitzer nahm Sache wohl selbst in die Hand

Nachdem auch der zweite Versuch in die Hose ging, habe laut Staatsanwaltschaft der Chef die Sache selbst in die Hand genommen, zündelte an der zum Haus gehörenden Garage. Erfolglos: Auch dieser Brand wurde von der Feuerwehr gelöscht.

Der Prozess wird am 11. November fortgesetzt.

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