Unsere Wälder verändern sich

Hunsrück/Nahe. Zu wenig Regen und zu heiß: Die vergangen drei Jahre haben den Wäldern zugesetzt und sorgen für beste Bedingungen für den Borkenkäfer. Über die Folgen sprachen wir mit Alexander Schöneberg, Leiter des Forstreviers Buch.

»Wir haben 2020 das dritte Jahr in Folge mit erheblichen Schäden im Wald zu kämpfen«, berichtet Schöneberg, »und wieder das gleiche Problem wie die Jahre zuvor: Es gab viel zu wenig Niederschlag in der Vegetationsphase. Die ohnehin schon abgesunkenen Grundwasserspiegel haben sich nicht erholt, sondern die Lage hat sich verschärft!« Der Oberboden ist im Moment feucht, in der Tiefe ist es jedoch staubtrocken - das macht vor allem der Fichte und der Buche zu schaffen aber auch viele andere Baumarten werden in Zukunft unter dem Wassermangel leiden.

Folge des milden, trockenen Klimas ist auch in diesem Jahr wieder das extrem hohe Aufkommen des Borkenkäfers, der sich zum Teil rasant ausbreitet und vor allem Fichten befällt. Diese können sich aufgrund der Unterversorgung mit Wasser nicht ausreichend gegen den Schädling wehren. Sobald der Borkenkäfer die Fichte befallen hat, muss der Baum gefällt werden, auch wenn er von außen noch gesund aussieht. Nur so kann die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers verhindert und das Holz noch verwertet werden. Zwangsläufig kommt es so zu großräumigen Kahlflächen in den Waldgebieten.

Der Wald wird sich grundlegend verändern

»Der Wald wie wir ihn kennen wird sich grundlegend von seiner Zusammensetzung verändern«, sagt Schöneberg. »Das Wichtigste ist, dass er neu und vielfältig aufgestellt wird mit Baumarten die, wie wir hoffen, besser mit den klimatischen Veränderungen zurechtkommen.« Gerade in der Nachkriegszeit hat man auf die Fichte gesetzt, da sie günstig angebaut werden konnte, schnell wächst und eine vielfältige Verwendung ermöglichte. Heute ist dies anders.Die Fichte und die Buche werden bei anhaltenden Wetterbedingungen auf lange Sicht europaweit aus unseren Wäldern verschwinden.

Das Forstrevier Buch misst etwa 1 500 Hektar Waldfläche, letztes Jahr wurden hier rund 7 000 Festmeter Käferholz einschlagen, in diesem Jahr waren es bereits rund 12 500 Festmeter. Dies ist die fünffache Menge in Bezug auf den normalen Jahreshiebsatz. Das landesweite Überangebot an Fichtenholz führt zu einer Übersättigung des Holzmarktes und bewirkt damit den dramatischen Verfall des Holzpreises. Für die Gemeinden hat das zur Folge, dass Holzeinnahmen die Kosten für die Aufarbeitung nicht mehr decken können.

Dabneben bemühen sich die Forstämter auch um die Verkehrssicherung durch das Fällen von geschädigten, Buchen entlang der Straßen. Aufgrund ihres hohen Wasserbedarfs leidet besonders unsere heimische Baumart Buche extrem unter der Trockenheit und muss vermehrt aus Sicherheitsgründen an öffentlichen Straßen entfernt werden.

Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Wie wird der Wald der Zukunft aussehen? Alexander Schöneberg nennt im Gespräch einige Punkte: Die Reinbestände sollen durch einen vielfältig aufgestellten Mischwald unterbrochen werden. Es sollen Baumarten gepflanzt werden, die lange Trockenperioden aushalten können und weniger Probleme mit dem Borkenkäfer haben.

Als Nadelbaumart kommen weiterhin die Douglasie und die Weißtanne in Frage. Des Weiteren auch Eiche, Kastanie und Walnuss. Aber auch die Buche wird nicht gänzlich abgeschrieben. »Es steht und fällt mit dem Niederschlag, wenn sich das Wetter nicht grundlegend ändert, werden auch andere Baumarten Probleme kriegen. Der Bodenwasserhaushalt ist so niedrig wie noch nie. Die letzten drei Jahre haben gezeigt, dass der Wasserspeicher nicht endlos ist«, sagt  Schöneberg.

Die größte Herausforderung wird die Wiederbewaldung der Kahlflächen sein. Eine Priorisierung der Flächen wird zeigen welche Bereiche direkt wieder aufgeforstet werden sollten und bei welchen Flächen man auch einfach mal abwarten kann um auf die natürliche Verjüngung von Baumarten zu warten.

Ein großes Thema sind die extrem hohen Kosten für die Begründung dieser neuen Waldflächen. Die Kosten für die Pflanzen und die Pflanzung sind nur ein Teil der Kosten. Ein weitaus größerer Betrag muss für den Schutz der Jungpflanzen aufgewendet werden. Ein aktuell vielerorts zu hoher Wildbestand macht eine natürliche Verjüngung oder eine Pflanzung ohne Schutz unmöglich. Dies ist nur mit immensen Schutzvorrichtungen in Form von Zäunen oder Einzelschutz der Pflanzen realisierbar.

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