Führt DNA-Massentest auf die Spur des Sexualverbrecher?
Niederzissen/Oberdürenbach. Lange Schlangen, große Hoffnung: Nach Sexualdelikt an kleinem Mädchen ruft die Polizei mehr als 2.000 Männer zum DNA-Test auf!
Von Mario Zender
Schon lange vor dem Öffnen der Türen herrscht am Freitag Ausnahmezustand vor der Sporthalle in Niederzissen. In der Kälte warten Männer geduldig, Schulter an Schulter. Sie alle sind gekommen, um zu helfen – und um Licht in ein Verbrechen zu bringen, das das Brohltal bis heute nicht loslässt.
Es ist der Versuch, endlich den Mann zu finden, der im vergangenen Sommer ein siebenjähriges Mädchen in Oberdürenbach sexuell missbraucht haben soll. Ein Verbrechen, das Entsetzen auslöste – und bis heute ungeklärt ist.
Größte DNA-Aktion, die es je im Bereich des Polizeipräsidiums Koblenz gab
Am Freitag startete die Polizei eine zweite, deutlich ausgeweitete DNA-Reihenuntersuchung. Mehr als 2.000 Männer aus Oberdürenbach und den umliegenden Orten wurden angeschrieben und gebeten, freiwillig eine Speichelprobe abzugeben – eine Maßnahme, die selbst erfahrene Ermittler überrascht.
„Eine Untersuchung in dieser Größenordnung habe ich in meiner gesamten Dienstzeit noch nicht erlebt“, sagt Jürgen Fachinger, Pressesprecher der Polizei Koblenz.
In der Sporthalle wurden vier sogenannte Teststraßen aufgebaut. Kriminaltechniker entnehmen dort routiniert Probe um Probe und erfassen alle Teilnehmenden in einer speziellen digitalen Datenbank. Die Aktion läuft über drei Tage – von Freitag bis Sonntag.
Geduld statt Ungeduld
Der Andrang ist enorm. Draußen bildet sich schon vor 13 Uhr eine lange Schlange, drinnen kommt es zu Wartezeiten. Doch die Stimmung bleibt ruhig. Ungeduld? Fehlanzeige. Viele wissen: Jede Probe zählt.
„Es ist wichtig, dass möglichst alle angeschriebenen Personen teilnehmen“, betont Fachinger. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass der Täter selbst erscheine, doch die DNA könne auch über Verwandte zum Ziel führen – bis zum dritten Verwandtschaftsgrad.
Auch Staatsanwältin Anna Wopperer setzt auf diesen Ansatz: „Selbst ein Bruder, Onkel oder Cousin kann über die DNA identifiziert werden.“
Niemand wird verdächtig
Gleichzeitig stellen die Ermittler klar: Wer trotz Einladung nicht erscheint, macht sich nicht verdächtig. „Daraus ist zunächst nichts abzuleiten“, sagt Staatsanwältin Wopperer. Ob einzelne Personen später noch einmal kontaktiert werden, sei offen.
Einer der Männer, der an diesem Tag seine DNA-Probe abgab, war Heinz-Peter Wollersheim (61). Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Untersuchung war der Rentner aus Niederzissen vor Ort. Ihm sei es wichtig, mit der Abgabe seiner DNA die Ermittlungen zu unterstützen.
„Ich bin selbst Vater von zwei Kindern, und es ist für mich selbstverständlich, alles zu tun, was die Fahndung nach dem Sexualverbrecher voranbringt. Ich hoffe, sie finden den Täter“, sagt Wollersheim.
Bis die Ergebnisse der DNA-Tests vorliegen, dauert es nach Angaben von Staatsanwältin Anna Wopperer vermutlich mehrere Wochen. Ausgewertet werden die Proben nach Informationen des Wochenspiegels nicht beim Landeskriminalamt, sondern in externen Laboren.
Die Tat, die die Ermittler durch die groß angelegte Reihenuntersuchung aufklären möchten, liegt Monate zurück – doch sie ist nicht vergessen. Am 21. Juni vergangenen Jahres soll der Täter das Mädchen im Bereich des Sportplatzes „Am Burberg“ angesprochen und zu einem Reitplatz gelockt haben. Hinweise deuten darauf hin, dass er aus der Gegend stammt oder sich dort gut auskennt.
Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung. Gesucht wird ein Mann zwischen 30 und 35 Jahren, etwa 1,70 bis 1,80 Meter groß, mit hellem Teint, kurzen dunklen Haaren und Oberlippenbart. Zum Tatzeitpunkt trug er ein schwarzes T-Shirt und eine kurze schwarze Hose.
Bericht folgt.