Stephanie Baumann

Geschichten, die in Wittlich zuhause sind

Wittlich. Für eine einzige Illustration hat sich Katharina Thewalt sogar auf den Boden in der Markuskirche gelegt. Schließlich sollte das Gotteshaus genauso aussehen, wie es eine kleine Maus erleben würde – eine Figur, die im neuen Kinderbuch »Geschichten für Wittlicher Pänz« eine wichtige Rolle spielt...
Vor der Markuskirche präsentieren Autorin Jasmin Dietzen (li.) und Illustratorin Katharina Thewalt ihr neues Kinderbuch. Viele Schauplätze und liebevolle Details aus Wittlich finden sich in den Geschichten und Bildern wieder.

Vor der Markuskirche präsentieren Autorin Jasmin Dietzen (li.) und Illustratorin Katharina Thewalt ihr neues Kinderbuch. Viele Schauplätze und liebevolle Details aus Wittlich finden sich in den Geschichten und Bildern wieder.

Bild: Stephanie Baumann

Detail für Detail studierte die Wittlicher Illustratorin die Perspektive, sogar die Glasfenster des Glockenturms. »Ich liebe diesen Ort«, sagt sie. Genau diese Liebe zum Detail prägt auch das neue Kinderbuch »Geschichten für Wittlicher Pänz«, das sie gemeinsam mit Autorin Jasmin Dietzen im Eifelbildverlag veröffentlicht hat.

Aus Abschiedsgeschenk wird ein Buch

Wir treffen uns an einem heißen Sommernachmittag im »Lieserperlchen«, Katharinas kleinem Laden in der Innenstadt. Noch sind die ersten Exemplare des Buches nicht eingetroffen, aber die Vorfreude ist groß – schließlich steckt in den 36 Seiten weit mehr als eine Sammlung von Geschichten und Gedichten. Es ist ein Buch, das Heimat erlebbar machen will. Entstanden ist die Idee bereits 2019. Am Ende ihres Freiwilligen Sozialen Jahres in der Kita Jahnplatz suchte Jasmin Dietzen nach einem besonderen Abschiedsgeschenk für ihre Kindergartengruppe. »Geschrieben habe ich schon immer gerne«, erzählt die heute 26-Jährige. Inspiriert von Erlebnissen aus dem Kita-Alltag entstanden zunächst zwei Geschichten und zwei Gedichte. Eine davon handelt von einer Katze, die regelmäßig durch den Garten streifte. »Ein Kind hat einmal gesagt: ,Da läuft ein kleiner Tiger`«. Aus dieser Erinnerung wurde eine Geschichte.

Heimat mit Wiedererkennungswert

 

Für die Illustrationen fragte Jasmin ihre Freundin Katharina Thewalt, die sie aus dem Blasorchester kennt. Eigentlich sollte sie nur einige Bilder zeichnen. Doch schnell wurde beiden klar: »Das reicht nicht – das muss ein Buch werden.« Mit Unterstützung der Stiftung Stadt Wittlich ließen sie das Werk zunächst in Eigenregie drucken. Die 200 Exemplare waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Der Eifelbildverlag fand das Projekt bereits vor vier Jahren interessant und kam im letzten Jahr dann nochmal auf die Frauen zu. Für die Neuauflage überarbeitete Jasmin die Texte, ergänzte eine weitere Geschichte und ein Gedicht. Katharina illustrierte das gesamte Buch neu – in ihrem unverwechselbaren Stil, den viele Leser bereits aus ihrem »Wittlicher Wimmelbuch« kennen.
Doch hinter den Geschichten steckt mehr als Unterhaltung. Es nimmt Kinder mit auf eine Entdeckungsreise durch Wittlich. Der Rommelsbach, der Stadtpark oder die Markuskirche tauchen ebenso auf wie kleine Details, die Einheimische sofort wiedererkennen. »Wir haben ein Heimatbüchlein mit Wiedererkennungswert gemacht«, sagt Jasmin. Die Idee dahinter: Kinder sollen beim Vorlesen und später beim Spaziergang durch die Stadt vertraute Orte wiederentdecken. »Dann können sie sagen: ,Da hat doch die Maus gespielt‘ oder ,Hier ist das Schweinchen entlanggelaufen.`« Dass die Geschichten trotzdem auch außerhalb Wittlichs funktionieren, war den beiden wichtig. Die Schauplätze sind regional, die Themen universell: Freundschaft, Mut, Hilfsbereitschaft, Abenteuer, Träume und die Erkenntnis, nicht aufzugeben. Auch für Erwachsene hält das Buch kleine Entdeckungen bereit. Wer Katharinas »Wimmelbuch« kennt, findet bekannte Motive wie Schwein, Schlüssel oder Elster wieder. Hinzu kommen liebevolle Insider – etwa die Orchidee auf einer Fensterbank, die den beiden Omas gewidmet ist, die diese Blumen besonders mögen.
Wie viel Arbeit hinter jeder Illustration steckt, unterschätzen viele, findet Katharina. Oft recherchiert sie lange, bevor sie überhaupt den ersten Strich zeichnet. Für manche Motive besucht sie die Orte mehrfach, um Perspektiven möglichst genau einzufangen.


Zeichnen mit Liebe zum Detail

»Ich bin sehr detailverliebt«, sagt sie lächelnd. Gleichzeitig habe sie in den vergangenen Jahren ihren eigenen Zeichenstil entwickelt. »Der Wiedererkennungswert ist geblieben – und darauf bin ich stolz.« Für Jasmin, die derzeit Übersetzungswissenschaften mit den Schwerpunkten Englisch und Französisch studiert, ist das Kinderbuch womöglich nicht das letzte literarische Projekt. Seit ihrer Jugend schreibt sie Gedichte und Prosatexte, organisiert an ihrer Universität Open-Mic-Abende und engagiert sich kulturell. »Ich habe noch einige Ideen im Kopf«, sagt sie.


Premiere auf dergroßen Leinwand


Eine besondere Premiere erwartet die beiden Autorinnen bereits am Sonntag, 20. September. Dann werden »Geschichten für Wittlicher Pänz« im Kinopalast Wittlich lebendig: Während Jasmin daraus vorliest, werden Katharinas Illustrationen auf der großen Leinwand zu sehen sein.

  • Die offizielle Buchvorstellung findet am Samstag, 8. August, ab 16 Uhr im Wilàvie in Wittlich statt.
  •  Ab dem 10. August überall erhältlich, wo es Bücher gibt; signierte und auf Wunsch mit Widmung versehene Exemplare im »Lieserperlchen«.