

Das Glas ist für ihn nicht halb leer, sondern halb voll. Wer Prof. Dr. Jörn Patzak am Donnerstagabend bei seiner Amtseinführung im Wittlicher Rathaus zuhörte, bekam eine Vorstellung davon, mit welcher Haltung der neue Bürgermeister seine Aufgabe angehen will: positiv, pragmatisch und mit dem Anspruch, die Probleme der Stadt nicht nur zu benennen, sondern anzupacken. „Ich verspreche keine Wunder, ich verspreche aber, dass ich die Probleme angehen werde“, sagte der 55-Jährige. Nach 27 Jahren in der Justiz beginnt für ihn und seine Familie ein neues Kapitel.
Neue Ideen für die Innenstadt
„Wittlich ist eine sehr schöne Stadt, und wir haben allen Grund, positiv in die Zukunft zu schauen“, betonte Patzak. Das bedeute allerdings nicht, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Als eine der Herausforderungen nannte er die Leerstände in der Innenstadt, denen er mit innovativen Ideen begegnen möchte. Zugleich wünscht er sich, dass wieder häufiger darüber gesprochen wird, was in Wittlich gut läuft, statt mit einer pessimistischen Grundeinstellung vor allem auf Schwierigkeiten zu schauen."Jede Herausforderung ist auch eine Chance!"
Seinem Vorgänger Joachim Rodenkirch dankte Patzak ausdrücklich für die Übergabe einer gut aufgestellten Stadt. Er sei dankbar, habe aber auch großen Respekt vor der neuen Aufgabe.
Dabei setzt der neue Stadtchef auf Gespräche und Zusammenarbeit. Es gehe ihm um die Menschen in Wittlich, sagte Patzak. Man müsse miteinander sprechen können – auch kontrovers, aber immer respektvoll. Deshalb reichte er den Fraktionen im Stadtrat ausdrücklich die Hand. Denn eine Stadt werde durch ihre Bürger lebendig, nicht durch eine Verwaltung.
Ein Abend, der auch Joachim Rodenkirch galt
Patzak war an diesem Abend nicht der Einzige, der im Mittelpunkt stand. Immer wieder richteten die Redner den Blick auch auf Joachim Rodenkirch, der nach 17 Jahren als Bürgermeister inzwischen Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord ist und ebenfalls an der Amtseinführung teilnahm.
Rodenkirch hatte auf eine eigene Abschiedsfeier verzichtet, nachdem Bürger Kritik an den damit verbundenen Kosten geäußert hatten. Bei der Amtseinführung nutzten die Redner die Gelegenheit, ihm öffentlich für die langjährige Zusammenarbeit zu danken. "Mit dir hatte die Stadt etwas wirklich Verbindliches, jemand, der Brücken bauen konnte", sagte Landrat Andreas Hackethal. Manuel Follmann, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, hob die Bedeutung Wittlichs für die Region hervor: „Alles, was in Wittlich passiert, hat große Strahlkraft in die Region.“ Beide dankten Rodenkirch für die gute Zusammenarbeit.
Auch Michael Räder, der für die Fraktionen im Stadtrat sprach, erinnerte an die positive Entwicklung Wittlichs zu einem bedeutenden Mittelzentrum. Für die Zukunft wünschte er sich einen weiterhin respektvollen und sachorientierten Umgang zwischen Bürgermeister und Stadtrat.
Gute Wünsche und ein Schuss Humor
Die Grußworte an den neuen Bürgermeister waren geprägt von guten Wünschen, aber auch von Hinweisen auf die Herausforderungen des Amtes. Elfriede Meurer, die nach Rodenkirchs Wechsel zur SGD Nord die Amtsgeschäfte kommissarisch geführt hatte, sprach von einem neuen Kapitel für Wittlich und bezeichnete das Bürgermeisteramt als Auftrag und Verpflichtung zugleich.
Hackethal gab Patzak ein Zitat mit auf den Weg, das Konrad Adenauer zugeschrieben wird: „Ein Bürgermeister arbeitet am richtigen Leben.“ Zugleich warnte der Landrat augenzwinkernd davor, dass mit dem neuen Amt das gewohnte Privatleben schnell in den Hintergrund rücken könne. Das Bürgermeisteramt bringe viele Überraschungen und Herausforderungen mit sich, mache aber auch ausgesprochen viel Spaß.
Moritz Petry vom Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz griff Patzaks berufliche Vergangenheit auf. Bürgermeister stünden wöchentlich mit einem Bein im Gefängnis, scherzte er – bei Patzak seien es wegen dessen langjähriger Tätigkeit in der Justizvollzugsanstalt Wittlich gewissermaßen schon zwei. Ernst gemeint war sein Rat, sowohl die Bürger als auch die Beschäftigten im Blick zu behalten.
Auch Follmann betonte, wie wichtig das Vertrauen zwischen Bürgermeister und Verwaltung sei. Marc Müller vom Personalrat der Stadtverwaltung unterstrich, dass hinter den vielen Aufgaben Menschen stünden, und wünschte Patzak eine glückliche Hand bei seinen Amtsgeschäften.
Für einen persönlichen Akzent sorgte Patzak selbst. In seiner Rede zitierte er mehrfach Fußballspieler und -trainer, was für einige Lacher sorgte. Für eine musikalische Überraschung sorgte seine Tochter Alina am Klavier. Sie hatte sich für die Umrahmung des Abends Unterstützung von Sängerin Silke Freudenreich geholt.
Vor allem aber machte Patzak deutlich, wie er sein neues Amt versteht: als Aufgabe, die nur gemeinsam zu bewältigen ist. Seine Botschaft an Wittlich war entsprechend klar: Die Stadt soll ihre Chancen nutzen, ihre Probleme angehen und mit Zuversicht nach vorne schauen.




