Mario Zender

Bürgermeister sauer: »Landrätin agiert aus dem Hinterhalt«

Lutzeraths Ortsbürgermeister Günter Welter (75) erhebt schwere Vorwürfe gegen Landrätin Anke Beilstein. Er befürchtet, dass der Schulstandort Lutzerath schrittweise aufgegeben werden soll.

Lutzeraths Ortsbürgermeister Günter Welter (75) erhebt schwere Vorwürfe gegen Landrätin Anke Beilstein. Er befürchtet, dass der Schulstandort Lutzerath schrittweise aufgegeben werden soll.

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Lutzeraths Ortsbürgermeister Günter Welter (75) erhebt schwere Vorwürfe gegen Landrätin Anke Beilstein. Er befürchtet, dass der Schulstandort Lutzerath schrittweise aufgegeben werden soll.

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Lutzerath: Empörung in Lutzerath: Ortsbürgermeister Günter Welter: »Landrätin will unseren Schulstandort ausbluten lassen«. 

Von Mario Zender

Günter Welter ist ein erfahrener Kommunalpolitiker. Der ehemalige Justizbeamte ist seit 20 Jahren Ortsbürgermeister von Lutzerath und bereits seit 53 Jahren Mitglied der CDU. Wenn der 75-Jährige als treuer Parteifreund einen Frontalangriff auf Landrätin Anke Beilstein (CDU) startet, muss der Frust groß sein. »Ich bin massiv enttäuscht von der Landrätin. Sie will uns aus dem Hinterhalt die Realschule in Lutzerath kaputt machen«, schimpft Welter im Gespräch mit dem WochenSpiegel. In der rund 1.550 Einwohner zählenden Eifelgemeinde herrschen seit einigen Tagen Frust und Wut über die Pläne der Kreisverwaltung Cochem-Zell, die Realschule plus Vulkaneifel künftig vollständig auf den Standort Ulmen zu konzentrieren. Mit einer aktuellen Beschlussvorlage soll die bisherige Aufteilung der Schule auf die Standorte Ulmen und Lutzerath zum Schuljahr 2027/2028 aufgehoben werden. Während die Kreisverwaltung von wirtschaftlicher Vernunft spricht, sehen viele Bürger, Eltern und Kommunalpolitiker darin das schleichende Ende eines traditionsreichen Schulstandorts. Die Entscheidung soll Mitte Juni im Kreistag fallen. Bereits jetzt sorgt das Vorhaben jedoch für heftige Diskussionen in der Region. Besonders scharf kritisiert Lutzeraths Ortsbürgermeister Günter Welter die Pläne des Kreises und vermutet ein System dahinter. Für den 75-jährigen Ortschef steht fest: Der Standort Lutzerath werde seit Jahren systematisch vernachlässigt. »Das, was hier läuft, ist unglaublich«, sagt Welter im Gespräch. »Nur weil der Kreis für alles Mögliche Geld ausgibt – etwa für aus unserer Sicht übertriebene Busverbindungen –, soll nun ein bewährter Schulstandort in Lutzerath weggespart werden«. Die Kreisverwaltung begründet ihren Vorschlag vor allem mit finanziellen Argumenten. Laut Beschlussvorlage für den Kreisausschuss wären in Lutzerath erhebliche Investitionen notwendig. Allein für die Ertüchtigung der Fachräume der Realschule plus müssten rund 400.000 Euro investiert werden. Hinzu kommen Sanierungskosten für das Schulgebäude sowie mögliche Beteiligungen des Landkreises an der Sporthalle. Insgesamt könnten sich die Maßnahmen auf mehrere Millionen Euro summieren. Gleichzeitig verweist der Kreis auf Vorteile des Standorts Ulmen. Dort könne unter anderem mit Fördermitteln des Landes gearbeitet werden. Zudem seien Investitionen zur Herstellung der Barrierefreiheit geplant. Für viele Menschen in Lutzerath klingt diese Argumentation jedoch wie eine vorgeschobene Rechtfertigung. Denn aus ihrer Sicht wurde der Standort über Jahre hinweg bewusst kaputtgespart. Notwendige Investitionen seien immer wieder verschoben worden. Nun werde genau dieser Sanierungsstau genutzt, um die Schließung beziehungsweise die Konzentration des Schulbetriebs auf Ulmen zu begründen. Besonders emotional wird die Debatte, weil viele Bürger weit mehr als nur eine schulorganisatorische Entscheidung sehen. Für zahlreiche Familien steht die Zukunft des Ortes auf dem Spiel. Mit dem Verlust des Schulstandorts drohten längere Schulwege, eine geringere Attraktivität für junge Familien und ein weiterer Rückzug öffentlicher Infrastruktur aus dem ländlichen Raum. Auch wirtschaftlich befürchten viele negative Folgen. Vereine, Geschäfte und das gesellschaftliche Leben seien eng mit der Schule verbunden. »Wenn die Schule verschwindet, verliert Lutzerath ein wichtiges Stück Zukunft«, fürchtet Ortsbürgermeister Welter. Hinzu komme, dass die Kreisverwaltung selbst einräume, dass die Zentralisierung in Ulmen zusätzliche Kosten verursachen würde. So müssten mehr Schülerfahrkarten übernommen werden. Außerdem entstünden weitere Mehrausgaben durch längere Fahrtwege sowie organisatorische Anpassungen. Ortsbürgermeister Welter kündigt deshalb Widerstand an – und findet dabei drastische Worte. »Ich bin fassungslos, dass weder die Kreisverwaltung noch Landrätin Beilstein mit uns über diese Pläne gesprochen haben. Das ist unanständig.« Für den Fall, dass die Kreisverwaltung diese Entscheidung tatsächlich durchsetzt, kündigt Ortsbürgermeister Welter Konsequenzen an. Dabei zieht der CDU-Politiker sogar einen historischen Vergleich mit erheblicher politischer Sprengkraft. »Wenn das wirklich kommen sollte, könnte es so enden wie damals in Mörsdorf «, warnt Welter. Hintergrund dieser Aussage ist ein früherer Streit um schulpolitische Zuständigkeiten, in dessen Folge im Jahr 2024 die drei Orte Lahr, Zilshausen und Mörsdorf den Landkreis Cochem-Zell verließen und sich dem Rhein-Hunsrück- Kreis anschlossen. Eine ähnliche Entwicklung hätte erhebliche politische Sprengkraft. Gerade aufgrund der vergleichsweise geringen Größe des Landkreises Cochem- Zell könnten solche Entwicklungen langfristig dazu führen, dass das Land den Kreis neu ordnet oder sogar auf benachbarte Landkreise verteilt. Der engagierte Ortsbürgermeister fordert nun, dass die Zentralisierung der Schule nicht in Ulmen, sondern in Lutzerath erfolgt. »Von der geografischen Lage her ist unser Standort deutlich zentraler gelegen – mitten in der Verbandsgemeinde.« Für Welter spricht zudem ein weiteres wichtiges Argument für den Schulstandort Lutzerath: Dort wurden gerade 100 neue Bauplätze erschlossen. Dies bedeute, dass in wenigen Jahren zahlreiche zusätzliche Schulplätze benötigt würden. »Ohne eine funktionierende Schule geht die Gemeinde den Bach runter.« Zum Ende des Gesprächs wird der CDU-Politiker noch einmal deutlich. Besonders kritisiert er, dass die Landrätin vor der Behandlung des Themas im Kreisausschuss und im Kreistag nicht das Gespräch mit der Ortsgemeinde gesucht habe. »Ich bin enttäuscht von der Arbeitsweise der Landrätin. « Natürlich wollte der WochenSpiegel auch wissen, was Landrätin Anke Beilstein (CDU) zu den Vorwürfen sagt. Sie befindet sich derzeit jedoch im Urlaub, weshalb ihr Stellvertreter, der Erste Kreisbeigeordnete Hans-Joachim Mons (CDU), Stellung nahm. »Der Antrag der Realschule plus Vulkaneifel auf Aufhebung der Dislozierung wurde bereits vor über drei Jahren gestellt und nun erneut eingereicht. In der Zwischenzeit wurden Gespräche mit der ADD, der Verbandsgemeinde und der Schule geführt. Zudem hat die Verbandsgemeinde Ulmen einen Schulentwicklungsplan aufgestellt«, so Mons. Die Entscheidung über die Aufhebung der Dislozierung obliege der ADD als Schulaufsichtsbehörde. Bei der Antragstellung durch den Landkreis als Schulträger handele es sich nicht um ein Geschäft der laufenden Verwaltung, weshalb der Kreistag darüber beraten und entscheiden müsse. »Wie und ob die Ausschüsse am 1. Juni sowie der Kreistag in seiner Sitzung am 15. Juni beschließen werden, einen entsprechenden Antrag an die ADD zu stellen, obliegt diesen Gremien als zuständigen Entscheidungsorganen des Landkreises«, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete Hans-Joachim Mons. Bericht folgt!