Mario Zender

Alles verbrannt! Schausteller Michael Müller steht vor dem Nichts

28 Jahre lang sorgte Michael Müller (Foto) aus Greimersburg mit Zuckerwatte, Popcorn und Hüpfburgen für strahlende Kinderaugen. Ein Großbrand vernichtete nun seinen gesamten Betrieb – versichert war ausgerechnet das Feuer nicht.

28 Jahre lang sorgte Michael Müller (Foto) aus Greimersburg mit Zuckerwatte, Popcorn und Hüpfburgen für strahlende Kinderaugen. Ein Großbrand vernichtete nun seinen gesamten Betrieb – versichert war ausgerechnet das Feuer nicht.

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28 Jahre lang sorgte Michael Müller (Foto) aus Greimersburg mit Zuckerwatte, Popcorn und Hüpfburgen für strahlende Kinderaugen. Ein Großbrand vernichtete nun seinen gesamten Betrieb – versichert war ausgerechnet das Feuer nicht.

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Kaisersesch/Greimersburg. Feuer zerstörte die gesamte Betriebsausstattung eines Cochem-Zeller Schaustellers. Der Familienbetrieb hatte keine Feuerversicherung. Freunde starteten eine Spendenaktion.

Von Mario Zender

Wenn Michael Müller mit seinem hellbraunen Sonnenhut auf einem Fest auftaucht, dann wissen die Kinder in der Region: Jetzt gibt es Zuckerwatte, Popcorn und jede Menge Spaß. Seit 28 Jahren ist der 58-Jährige aus Greimersburg mit seinem kleinen Familienbetrieb „Lustig und so“ als Schausteller im Kreis Cochem-Zell und den Nachbarregionen unterwegs. Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn Marlon bringt er Kinderaugen zum Leuchten – auf Dorffesten, Kirmessen und unzähligen Kindergeburtstagen.
Doch ausgerechnet für die Familie Müller ist der Firmenname derzeit das genaue Gegenteil der Wirklichkeit. Ein verheerender Brand hat die komplette Betriebsausstattung des kleinen Familienbetriebs zerstört – und damit das Lebenswerk einer Familie, die seit fast drei Jahrzehnten für Freude und unbeschwerte Stunden sorgt.
An der Brandstelle in Kaisersesch liegt noch immer der beißende Geruch von verschmortem Plastik und kaltem Rauch in der Luft. Zwischen den Trümmern ragen verbogene Metallteile hervor, verkohlte Autoreifen liegen verstreut auf dem Boden. Von einem Wohnmobil ist nur noch das skelettartige Gerippe der Fahrerkabine übrig. Das Feuer fraß sich in der Nacht zum Donnerstag mit ungeheurer Wucht durch mehrere Garagen des rund 30 Stellplätze umfassenden Garagenparks und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Mehrere Wohnmobile wurden zerstört, auch eine Firma für Kfz-Sicherheit fiel den Flammen zum Opfer. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Noch ist unklar, wodurch das Feuer ausgelöst wurde.
Mitten vor der Absperrung steht Michael Müller und blickt schweigend auf die rauchgeschwärzten Trümmer. Dann brechen alle Dämme. Tränen laufen ihm über das Gesicht. „Das, was ich in den vergangenen 28 Jahren aufgebaut habe, liegt hier in Schutt und Asche“, sagt der Familienvater mit zitternder Stimme.
Dort, wo bis vor wenigen Tagen Hüpfburgen, Zuckerwattemaschinen, Popcorngeräte und das gesamte Equipment für seine Veranstaltungen lagerten, ist heute nur noch ein schwarzer Haufen aus verbranntem Metall und verkohlten Resten zu sehen.
„Ich habe nichts mehr. Alles ist kaputt. Wie soll es nur weitergehen?“, fragt Michael Müller verzweifelt.
Besonders bitter: Gegen Diebstahl und Unwetterschäden war die Ausrüstung versichert – gegen Feuer jedoch nicht. Für den kleinen Familienbetrieb bedeutet das den wirtschaftlichen Totalschaden. Das Geld, um die teuren Geräte neu anzuschaffen, hat die Familie nicht. Was über Jahrzehnte mit harter Arbeit aufgebaut wurde, ist innerhalb weniger Stunden vernichtet worden.
Die Existenz steht plötzlich auf dem Spiel. Doch Michael Müller denkt in diesem Moment nicht zuerst an sich. Seine Gedanken kreisen um die vielen Kinder, die sich auf ihn freuen. „Ich muss doch die Kindergeburtstage machen. Die Kinder freuen sich doch auf die Zuckerwatte oder das Popcorn“, sagt er – und kämpft erneut mit den Tränen.
Wer Michael Müller kennt, merkt schnell, dass ihn nicht allein der materielle Verlust trifft. Er verliert ein Stück seines Lebens. Seit fast drei Jahrzehnten sorgt er mit seinem Familienbetrieb dafür, dass Kinder lachen, staunen und einen unvergesslichen Tag erleben. Genau diese Freude weiterzugeben war für ihn nie nur ein Beruf, sondern eine Herzensangelegenheit. Nun steht all das plötzlich auf der Kippe.
Hoffnung schöpft der 58-Jährige jetzt aus einer Spendenaktion, die ein Freund im Internet gestartet hat. Über www.gofund.me/b80ede194 kann jeder helfen. Vielleicht, so hofft Michael Müller, reicht die Unterstützung vieler Menschen aus, um wenigstens einen Neuanfang zu ermöglichen und den Kindern bald wieder Zuckerwatte, Popcorn und strahlende Augen schenken zu können.
Bis dahin steht der Mann mit dem braunen Sonnenhut vor den Trümmern seines Lebenswerks. Ein Mann, der sonst Kinder zum Lachen bringt. An diesem Tag glänzen nur seine eigenen Augen – vor Tränen.