Der Cop, der Hawaii bezwingen will
Büchel/Cochem.David Simon trainiert sein zehn Jahren für seinen Traum. Ein Start beim Ironman auf Hawaii. Nach seiner Qualifizierung durch ein gutes Ergebnis beim Ironman auf Lanzarote startet der Polizeibeamte nun am 10. Oktober beim bedeutensten Triathlon der Welt.
Von Mario Zender
Wenn andere nach Feierabend auf dem Sofa entspannen, beginnt für David
Simon häufig erst die härteste Phase des Tages. Der Polizeihauptkommissar der Polizeiinspektion Cochem trainiert Woche für Woche zwischen 15 und 20 Stunden, um sich seinen größten Lebenstraum zu erfüllen. Am 10. Oktober steht der 35-Jährige bei der legendären Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii an der Startlinie – dem berühmtesten und härtesten Triathlon der Welt. »Seit zehn Jahren arbeite ich auf diesen Traum hin«, gesteht Simon. Ausgelöst wurde alles durch ein Geschenk. Ein Polizeikollege schickte ihm damals ein Buch über den Ironman auf Hawaii. »Das hat mich so beeindruckt, dass ich mir gesagt habe: Dort möchte ich einmal im Leben starten.«
Ein Traum wird Wirklichkeit
Dieser Traum wird nun Wirklichkeit. Am 1. Oktober fliegt Simon gemeinsam mit seiner Freundin Chiara, einigen engen Freunden und jeder Menge Vorfreude von Frankfurt über San Francisco nach Hawaii. Für seinen Traum lebt der Bücheler fast ausschließlich für den Sport. Sein Alltag ist streng getaktet. Am Tag unseres Interviews beginnt er gegen 11 Uhr mit einem einstündigen Lauf. Anschließend folgen drei Stunden auf dem Rennrad. Um 18 Uhr trifft er sich mit seinem Trainer Andreas Würtz im Cochemer Schwimmbad, um an seiner Technik zu feilen. Danach? Geht es direkt zur Nachtschicht bei der Polizei in Cochem. Dort ist man mächtig stolz auf den sportlichen Kollegen. »Alle stehen hinter mir – die Kollegen, der Dienststellenleiter und sogar der Polizeipräsident. Das gibt mir ein richtig gutes Gefühl«, sagt Simon.
Dass David Simon hervorragend laufen kann, hat er nicht nur bei Wettkämpfen bewiesen. Bereits 2020 berichteten wir über den Ausnahmeathleten, als er einen mutmaßlichen Rollerdieb quer durch Cochem verfolgte. Die Verfolgungsjagd führte über die Klostertreppe und den Klosterberg. Während der Tatverdächtige schließlich völlig erschöpft zusammenbrach, lief Simon einfach weiter. Für den Ausdauersportler war die Strecke eher ein lockerer Trainingslauf.
Eigentlich kam David Simon vergleichsweise spät zum Triathlon. Erst mit Mitte 20 begann er ernsthaft mit der anspruchsvollen Ausdauersportart. Seine sportlichen Wurzeln liegen im Mountainbike-Sport. Dort gehörte er sogar der U23-Nationalmannschaft an. Radfahren zählt deshalb bis heute zu seinen größten Stärken. Auch das Laufen liegt ihm.
Nur beim Schwimmen sieht Simon noch Verbesserungspotenzial. »Ich habe einfach zu spät mit dem Schwimmen angefangen«, gesteht er offen. Genau deshalb investiert er derzeit besonders viele Trainingsstunden im Wasser. Sein WM-Ticket sicherte sich David Simon Ende Mai beim Ironman Lanzarote. Das Rennen gilt weltweit als der härteste Ironman überhaupt und wird oft als Generalprobe für Hawaii bezeichnet.
Mit einer beeindruckenden Leistung gewann der Bücheler die Altersklasse M35 bis 39 Jahre. Nach 1:06:46 Stunden Schwimmen, 5:11:04 Stunden auf dem Rad und einem Marathon in 3:00:31 Stunden überquerte er nach 9:27:03 Stunden die Ziellinie. Im Gesamtklassement – inklusive der Profis – belegte er Rang 26. »Im Ziel ist einfach riesiger Druck von meinen Schultern gefallen«, erinnert sich Simon. »Erst am nächsten Tag, als ich die offizielle Startberechtigung für Hawaii in den Händen hielt, habe ich wirklich realisiert, dass ich es geschafft habe.«
Wenn David Simon am 10. Oktober beim Ironman auf Hawaii an den Start geht, ist er bestens vorbereitet. Zum einen durch das ständige harte Training und zum anderen auch durch zahlreiche Informationen. Mittlerweile hat Simon unzählige Bücher und Berichte über den Ironman auf Hawaii gelesen.
»Die Bedingungen sollen brutal sein. Hitze, Wind und die enorme Luftfeuchtigkeit – das ist wahrscheinlich das Härteste, was man sportlich machen kann.«
Rund 3.000 Athleten aus aller Welt werden in Kailua-Kona an den Start gehen. Die Strecke hat es in sich: 3,86 Kilometer Schwimmen im Pazifik, 180 Kilometer Radfahren durch die Lavafelder von Big Island und anschließend ein kompletter Marathon über 42,195 Kilometer.
Ziel ist die Top Ten
Eine genaue Endzeit möchte Simon nicht vorhersagen. Seine persönliche Bestleistung beim Ironman Frankfurt liegt bei beeindruckenden 8:38 Stunden.
»Unter neun Stunden wäre natürlich ein Traum«, sagt er. Vor allem aber hofft der Bücheler auf einen Platz unter den Top Ten seiner Altersklasse.
Rückhalt bekommt der Polizeibeamte nicht nur von seinen Kollegen. Besonders Freundin Chiara (25) fiebert mit ihm mit. Die sportliche 25-Jährige trainiert regelmäßig gemeinsam mit ihm und wird ihn auch auf Hawaii begleiten.
Da die Teilnahme an der Weltmeisterschaft inklusive Reise und Aufenthalt Kosten im fünfstelligen Bereich verursacht, konnte Simon mehrere regionale Sponsoren gewinnen, die ihn auf seinem Weg unterstützen.
Wie geht es weiter?
Nach der Weltmeisterschaft möchte David Simon erst einmal abschalten. Drei Wochen bleibt er nach dem Wettkampf auf Hawaii.
Ob danach neue sportliche Ziele folgen, weiß der 35-Jährige selbst noch nicht.
»Ich muss erst einmal durchatmen. Was danach kommt, wird sich zeigen.«
Eines steht aber schon jetzt fest: Für den Polizeibeamten aus Büchel ist die Teilnahme an der Ironman-Weltmeisterschaft die Erfüllung eines Traums, für den er ein Jahrzehnt lang gearbeitet hat. Und die gesamte Region Cochem-Zell wird am 10. Oktober die Daumen drücken.
Weitere Informationen: www.roadtohawaii.de