Simone Wunder

Kampf um das MGH Kaisersesch

Die geplante Schließung des Mehrgenerationenhauses (MGH) Schieferland in Kaisersesch sorgt für wachsenden Widerstand. Eine neu gegründete Bürgerinitiative setzt sich mit Nachdruck dafür ein, die Einrichtung zu erhalten – und mobilisiert dafür immer mehr Unterstützer.
Ein Teil der Mitglieder der Bürgerinitiative zum Erhalt des MGH Kaisersesch (v.l.): Hans-Peter Jung, Heike Gassner, Birgitt Scheffler, Hildegard Reuter, Dagmar Geisbüsch, Ute Heuft, Heidi Wagener und Wolfgang Palm.

Ein Teil der Mitglieder der Bürgerinitiative zum Erhalt des MGH Kaisersesch (v.l.): Hans-Peter Jung, Heike Gassner, Birgitt Scheffler, Hildegard Reuter, Dagmar Geisbüsch, Ute Heuft, Heidi Wagener und Wolfgang Palm.

Bild: Wunder

Kaisersesch. Das MGH, 2008 gegründet, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Treffpunkt für Menschen aller Generationen entwickelt. Ob Selbsthilfegruppen, Beratungsangebote, Spielkreis, Erzählcafé, Sprachkurse oder die jährliche Wunschbaumaktion: Das Haus ist für viele Bürgerinnen und Bürger ein fester Bestandteil des sozialen Lebens in Kaisersesch.
Dennoch hatte der Verbandsgemeinderat Ende Dezember 2025 im Zuge der Haushaltsverabschiedung für 2026 einstimmig beschlossen, das MGH aus Kostengründen zum 30. Juni zu schließen.
Gegen diese Entscheidung regt sich nun Widerstand. Drei Frauen hatten den Anstoß zur Gründung der Bürgerinitiative gegeben, mittlerweile umfasst die Gruppe 27 engagierte Mitglieder – darunter viele, die das Haus kennen oder es selbst regelmäßig nutzen.
»Wir wollen nichts unversucht lassen«, betont Heike Gassner, die innerhalb der Initiative eine Sprecherrolle übernommen hat. Bereits 638 Unterschriften wurden in kurzer Zeit händisch gesammelt. Zusätzlich ist vergangene Woche eine Online-Petition gestartet, die ebenfalls auf Unterstützung stößt. Hier konnten bereits weitere 75 Unterschriften verzeichnet werden (nach Red.). Sie ist unter folgendem Link zu finden: https://c.org/wfFry2k2qw
Bei einem Treffen der Gruppe, zu dem der WochenSpiegel exklusiv eingeladen war, wurde deutlich, wie groß die Sorge um den Wegfall des Angebots ist. Viele Bürgerinnen und Bürger wüssten bislang noch gar nicht, dass die Schließung konkret bevorsteht, so die Initiative.
Für viele ist das Mehrgenerationenhaus weit mehr als nur ein Gebäude. »Es fehlt uns das Dach über dem Kopf«, bringt es Ute Heuft auf den Punkt. Gemeinsam mit weiteren Unterstützern betont sie die Bedeutung des Hauses als niedrigschwellige Anlaufstelle – auch in schwierigen Lebenslagen.
Gerade Themen wie Einsamkeit im Alter, Krankheit oder Integration würden immer wichtiger. Das MGH leiste hier wichtige Präventionsarbeit und fördere das soziale Miteinander – oft getragen von ehrenamtlichem Engagement.
Auch Neubürger finden hier Anschluss. Birgitt Scheffler berichtet, wie sehr sie nach ihrem Zuzug von den Angeboten und der Unterstützung profitiert habe: »Ich war überrascht von dem vielfältigen Angebot an Ehrenämten und wurde so unterstützt wie noch nie.«
Die Bürgerinitiative fordert von Politik und Verwaltung ein klares Bekenntnis zum Erhalt des sozialen Angebots. Neben dem Fortbestand des Hauses geht es auch um grundsätzliche Fragen: Wie soll die soziale Infrastruktur in Kaisers-esch künftig aussehen?
Gespräche mit VG-Bürgermeister Albert Jung und Fachbereichsleiter Norbert Fuhrmann laufen bereits. Zudem soll die Initiative in der nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderates am 22. Juni die Möglichkeit erhalten, ihr Anliegen vorzutragen. Dennoch wächst die Sorge, dass die Zeit zu knapp wird.
Als mögliche Alternative zur vollständigen Schließung bringt die Initiative auch einen Umzug in kleinere, kostengünstigere Räumlichkeiten ins Spiel. Entscheidend sei jedoch, dass es weiterhin einen zentralen Ort der Begegnung gebe.
Für die Initiative steht fest: Das Mehrgenerationenhaus ist ein unverzichtbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens vor Ort. Ohne einen solchen Treffpunkt drohen weniger Austausch, weniger Kooperationen – und letztlich ein Verlust an Lebensqualität.