Julia Borsch

Wünschewagen erfüllt letzten Wunsch: Schwerkranker reist noch einmal in seine Heimat

Briedel/Region (bor). "Die glänzenden Augen meines Mannes noch einmal sehen zu können, war ein Geschenk." Frans Tichelaar war schwer krank. Sein letzter Wunsch: noch einmal in seine Heimat nach Holland zu fahren. Wie der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes das möglich machte.

"Es war unser letzter Ausflug zusammen", erzählt Ingrid Tichelaar im Gespräch. "Mein Mann war der Meinung, dass sein letzter Wunsch nicht zu erfüllen sei." Was sich Frans Tichelaar wünschte? "Noch einmal zu seiner Familie fahren. Seine Geschwister und seinen Cousin in seinem Heimatort in Holland besuchen", erklärt seine Frau.

Frans Tichelaar wurde in Harlingen geboren, wanderte 2004 mit seiner Frau Ingrid nach Bullay aus und lebte seit 2006 gemeinsam mit seiner Frau in Briedel im Kreis Cochem-Zell. Der gebürtige Holländer litt an COPD, einer fortschreitenden chronischen Lungenerkrankung. Hinzu kamen unter anderem eine Fibrose, Emphyseme und ein Lungentumor. In seinem letzten Lebensjahr erlitt er zudem vier Lungenembolien sowie eine schwere beidseitige Lungenentzündung.


Der Weg zum letzten Herzenswunsch

Über den Palliativdienst entstand schließlich der Kontakt zum Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Nach einigem organisatorischen Aufwand war es soweit: Für die Tichelaars ging es mit dem speziell ausgestatteten Fahrzeug in die niederländische Heimat. "Seine Geschwister und Schwager haben uns am zweiten Tag in Holland besucht. Meinem Mann ging es leider so schlecht, dass wir die Weiterreise zu seinem Geburtsort Harlingen nicht mehr antreten konnten und wir die Zeit bei seinem Cousin in Lemmer verbracht haben", erzählt Ingrid Tichelaar.

Begleitet wurde die Fahrt von ehrenamtlichen Helferinnen des Wünschewagens Rheinland-Pfalz. Für Ingrid Tichelaar war deren Unterstützung etwas ganz Besonderes. "Es hat sich so angefühlt, als ob sie zur Familie dazugehört haben."


Mehr als 420 Wünsche erfüllt

Der "Wünschewagen" wurde 2014 als Ehrenamtsprojekt des Arbeiter-Samariter-Bundes Regionalverband Ruhr e. V. gegründet. Vorbild war das niederländische Projekt "Stichting Ambulance Wens". "Mittlerweile zählt die ASB-Wünschewagen-Familie in allen Bundesländern an insgesamt 23 Standorten jeweils mindestens einen Wünschewagen", erläutert Christina Kunde, Projektkoordinatorin des ASB-Wünschewagens im Landesverband Rheinland-Pfalz. Seit der Gründung des ASB-Wünschewagen Rheinland-Pfalz im Jahr 2017 konnten im Bundesland mehr als 420 letzte Wünsche erfüllt werden.

"Der Wünschewagen setzt da an, wo Angehörige überfordert sind: wenn ein Fahrgast nur noch liegend transportiert werden kann, pflegerische oder medizinische Betreuung benötigt wird oder die Familie sich den Ausflug mit dem schwerstkranken Angehörigen allein nicht mehr zutraut. Das Angebot richtet sich an Menschen jeden Alters, die sich in einer palliativen Situation befinden und in Rheinland-Pfalz wohnen oder in einer Pflegeeinrichtung betreut werden", erklärt Kunde.

Was die Ehrenamtlichen motiviert? "Sich wirklich Zeit für einen Menschen nehmen zu können", antwortet die Projektkoordinatorin prompt. Ganz im Sinne der englischen Krankenschwester und Sozialarbeiterin Cicely Saunders gehe es bei jeder Wunschfahrt darum, das Leben zu feiern. "Freude und Trauer sind bei jeder Wunschfahrt mit an Bord. Die strahlenden Gesichter ihrer Fahrgäste und deren Familien sind der ganz besondere Dank, den unsere ehrenamtlichen Wunscherfüller erleben und weshalb sie dieses besondere Ehrenamt gerne ausüben."


Erinnerungen, die bleiben

Für Ingrid Tichelaar steht fest: "Ich empfehle allen den Wünschewagen, die noch einen letzten Wunsch erfüllen möchten. Dass mein Mann noch solche schönen Momente erleben konnte, war unfassbar wertvoll. Die Erinnerungen an unseren letzten, gemeinsamen Ausflug sind wunderschön." Die 66-Jährige übergab nach der Beerdigung ihres Mannes gemeinsam mit ihren beiden Söhnen eine Spende in Höhe von 1.200 Euro an den Wünschewagen. "Es ist ganz wichtig, dass Menschen von dieser wundervollen Wunscherfüllung erfahren", sagt Ingrid Tichelaar.

Das Angebot des ASB-Wünschewagens ist für Fahrgäste und jeweils eine Begleitperson kostenfrei. "Getragen wird das Projekt allein aus Geldspenden, Mitgliedsbeiträgen sowie dem ehrenamtlichen Engagement", erklärt Christina Kunde. "Jeder Fahrgast, jede Wunschfahrt ist einzigartig", betont sie. „Keine davon wäre möglich, wenn nicht jedes Mal viele Menschen aus unterschiedlichen Richtungen zusammenarbeiten und in kürzester Zeit Wünsche ermöglichen würden."

Weitere Informationen zum Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes und Spendenmöglichkeiten finden Interessierte hier.