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Dem Handwerk geht das Holz aus

Holz ist Mangelware geworden. In den letzten Monaten haben die stark gestiegenen Nachfragen aus Amerika und Asien nach Schnittholz zu einem extremen Mangel auf dem Markt geführt. Hinzu kommt die anhaltende starke Nachfrage der Bauwirtschaft.
Nicht nur zahlreiche Dachdeckerbetriebe haben derzeit mit Holzknappheit zu kämpfen. Der Mangel an Bauholz macht sich auch in vielen anderen Gewerken bemerkbar. Symbolfoto: Rainer Sturm  / pixelio.de

Nicht nur zahlreiche Dachdeckerbetriebe haben derzeit mit Holzknappheit zu kämpfen. Der Mangel an Bauholz macht sich auch in vielen anderen Gewerken bemerkbar. Symbolfoto: Rainer Sturm / pixelio.de

Große Mengen deutschen Holzes werden in die USA und China exportiert. Dort ist Holz aus Europa wesentlich günstiger als heimisches Material.  Begünstigt durch den Bau-Boom in Deutschland stecken aber nun viele deutsche Handwerksbetriebe in einer echten Krise: ihnen geht das  Holz aus. »Wir kriegen aktuell kaum Holz beschafft. Die Betriebe aus dem eigenen Land bleiben aufgrund des enormen Exports auf der Strecke«, berichtet Horst Becker, Geschäftsführer der Bauunternehmung »aktivbau Becker« aus Mechernich. Es scheint paradox. Der Holzbau in Deutschland boomt, die Auftragsbücher sind voll, aber die Lager so gut wie leer.  »Durch die Holzknappheit gibt es Lieferprobleme. Dadurch können wir aktuell beispielsweise einen Dachstuhl nicht zeitlich im Plan fertigstellen«, ergänzt Horst Becker. Doch es gibt noch ein größeres Problem.

Preis explosionsartig gestiegen


Ist die Nachfrage hoch, steigt auch der Preis.  Nach Meinung von Experten des Holz- und Baustoffhandels, komme es zu einer spekulativen Marktentwicklung und treibt die aktuellen Holzpreise um das zweineinhalb- bis dreieinhalbfache gegenüber dem Vorjahrespreis nach oben.
»Ein Kubikmeter Konstruktionsvollholz kostet aktuell statt 400 Euro über 1000 Euro«, weiß auch  Peter Kapellen, Geschäftsführer der Holz & Dach Zimmerei Kapellen GmbH aus Bad Münstereifel.
Die Preisentwicklung bedroht die wirtschaftliche Stabilität von Unternehmen. Insbesondere die Handwerker, die für den öffentlichen Bausektor, Bauträger und Wohnungsbaugesellschaften arbeiten, schließen ihre Verträge längerfristig ab. Sie können auf die unvorhersehbare Marktentwicklung, kaum oder gar nicht reagieren, heißt es in einer Mitteilung der Dachdecker-Innung Kreis Euskirchen.
»Wir haben Werkverträge und eine fixe Summe mit den Bauherren vereinbart. Diese haben wiederum ihre Finanzierung festgezurrt. Wer fängt also die Kosten auf? Hier gibt es rechtlich keine Grundlage«, ergänzt Horst Becker. Letztendlich bleibe er auf den Mehrkosten sitzen und fährt im schlimmsten Fall dabei noch Verlust ein.

Forderung nach Reaktion aus der Politik


Wann mit einer Entspannung zu rechnen ist, können die Handwerksbetriebe in der Region noch nicht absehen. Das Exportgeschäft werde laut einer Aussage von Wirtschaftsminister Peter Altmaier aus deutscher Sicht nicht reduziert.
Daher fordern die Handwerksbetriebe und ihre Verbände ein Eingreifen des Gesetzgebers. Auf Bauzeitverzögerungen infolge nicht gelieferten Materials, müsse flexibel reagiert werden können. Kulante Regelungen wegen eines nicht mehr einzuhaltenden Fertigstellungstermins und der Schutz vor Konventionalstrafen seien notwendig, fordert die Dachdecker-Innung. Um die Belieferung des heimischen Baumarktes abzusichern seien zudem Maßnahmen, zur Umleitung für den Export außerhalb Europas bestimmter Kontingente, zu ergreifen. »In der Politik hätte man schon lange reagieren können, doch unsere Lobby ist zu klein«, so Peter Kapellen.
Früher oder später wird das Export-Geschäft seitens der USA oder China aber wieder abnehmen, doch Kapellen ist sich sicher. »Der Preis wird niemals wieder auf das Niveau sinken, wie er vor der Krise war«.