Michael Nielen

Ein Chefarzt für die Herzen der Region

Mechernich. »Unsere Klinik soll die erste Anlaufstelle für Herzpatienten in der Region werden«, macht Prof. Dr. Christoph Hammerstingl gleich zu Beginn deutlich.

Mit dieser klaren Zielsetzung hat der neue Chefarzt Anfang Januar die Leitung der Klinik für Kardiologie & Rhythmologie im Kreiskrankenhaus Mechernich übernommen. Der ausgewiesene Experte der modernen Herzmedizin bringt umfassende Erfahrung mit und will das Potenzial, das noch nicht ausgeschöpft wurde, für die Menschen in der Region nutzen.

»Wir wollen unseren Patienten das gesamte Spektrum der invasiven und nicht-invasiven Kardiologie auf höchstem Niveau anbieten«, betont Hammerstingl. Der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie sowie für internistische Intensivmedizin war nach führenden Positionen am Universitätsklinikum Bonn und im Marienhospital Bonn zuletzt als Chefarzt am Eduardus-Krankenhaus in Köln tätig.

»Ich hatte Mechernich schon immer auf dem Plan«, verrät der 53-Jährige. In seinem Fall war die neue Krankenhausplanung für das Kreiskrankenhaus sogar segensreich. In Köln wurde seiner Klinik die vollständige Kardiologie nicht mehr zugesprochen, der bisherige Chefarzt Dr. Erol Saygili hatte in Mechernich nach zwei Jahren gekündigt. »Und wir«, schmunzelte Martin Milde, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses, »haben zwei Wochen später miteinander gesprochen und uns kennengelernt.«

Bereits als junger Assistenzarzt in Bonn war der damalige Chefarzt in Mechernich regelmäßig auf der Station vorbeigekommen, Mechernich ist halt Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Bonn - »und für uns immer eine feste Konstante in der Region.«

Der neue Chefarzt wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern im Alter von 15 und 17 Jahren in Bonn. »Die Verknüpfung mit der Uni ist nie abgerissen, jetzt können wir alles wieder intensivieren.«

Mit der Zuerkennung aller kardiologischen Leistungsgruppen im Jahr 2025, einer hochmodernen technischen Ausstattung und einem hervorragend ausgebildeten Team findet Hammerstingl beste Voraussetzungen vor. Die Klinik verfügt über 44 Betten, zwei hochmoderne Herzkatheterlabore und ein Team von rund 50 Mitarbeitern. Im Jahr 2025 wurden über 2500 stationäre Patienten versorgt.

»Von der apparativen Infrastruktur sucht das seinesgleichen an vielen Stellen«, betont Geschäftsführer Martin Milde. Kürzlich wurde die Ausstattung um das modernste dreidimensionale Ultraschallsystem erweitert. »Mit dieser Technik können wir Patienten schon auf sehr hohem, anspruchsvollem Niveau versorgen«, erklärt Hammerstingl.

Schwerpunkt Notfallversorgung

Ein besonderer Fokus liegt auf der kardiologischen Notfallversorgung. »Wir brauchen einen festen Ansprechpartner, wo die Zuweiser wissen, der versorgt unsere kardiologischen Fälle komplett«, erklärt Hammerstingl. Fast täglich würden rund zwei Herzinfarktpatienten in die Klinik gebracht.

Die Devise sei klar: »Wenn der Notarzt unterwegs ist und sagt, ich habe hier einen Patienten, der muss zu euch, dann muss unsere erste Antwort sein: Ja, klar, komm vorbei, und wir schauen uns den an.«

Geplant ist die offizielle Zertifizierung einer Chest Pain Unit (CPU) – einer spezialisierten Anlaufstelle für Patienten mit unklaren Brustschmerzen.

»Wir gucken lieber zehn Mal zu viel als einmal zu wenig«, betont der Chefarzt. Oft kämen Patienten mit einem Herzinfarkt, die schon drei Tage Beschwerden hatten. »Was von allein kommt, geht doch von allein wieder«, sei die Einstellung. Doch nicht alle Symptome seien klassisch: »Bei allen Dingen, die plötzlich akut sind und einem wirklich belasten, sollte man einen Arzt zurate ziehen.«

Neben der Notfallversorgung setzt Hammerstingl auf hochspezialisierte, minimalinvasive Verfahren der interventionellen Kardiologie. In den beiden hochmodernen Herzkatheterlaboren kommen innovative bildgebende Verfahren zum Einsatz – darunter hochauflösender intravaskulärer Ultraschall, mit dem man sich die Koronararterien von innen anschauen kann.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Herzohrverschlüsse – ein minimalinvasiver Eingriff zur Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern. Allein in diesem Jahr habe er schon fünf solcher Eingriffe durchgeführt.

Auch komplexere strukturelle Eingriffe führt er durch – in enger Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum der Uniklinik Bonn. »Ich bin mir sicher, dass wir weit über 90, 95 Prozent aller Patienten hier abschließend behandeln können«, sagt Hammerstingl.

Der Vorteil sei, dass er mit den Patienten auch nach Bonn fahre, wenn es notwendig sei. So habe er kürzlich einen Klappeneingriff im Hybrid-OP im Herzzentrum Bonn gemacht. Die Region ist Hammerstingl bestens vertraut. »Ich kenne viele Zuweiser, die ganzen Fachärzte, alle Krankenhäuser«, sagt er.

»Für mich ist das eine der wenigen kardiologischen Abteilungen, die noch ein so großes Entwicklungspotenzial hat«, sagt der neue Chefarzt und ergänzt: »Für mich ist das tatsächlich meine letzte Arbeitsstelle, so hoffe ich.«

Geschäftsführer Milde freut sich über die Lösung: »Ich bin einfach nur froh, dass wir für dieses Krankenhaus und für die Versorgung der Bevölkerung einen echten Experten in der interventionellen Kardiologie gewonnen haben.«


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