Michael Nielen

Ein Prinz im Dienst der Tafel

Mechernich. Der Mechernicher Karnevalsprinz Torsten I. (Krieg) tauschte am frühen Montagmorgen sein Ornat gegen einen schwarzen Arbeitskittel. Statt das närrische Zepter zu schwingen, packt die Tollität in diesen Tagen kräftig bei der Mechernicher Tafel mit an.
Kräftig anpacken hieß es für den Mechernicher Karnvalsprinzen Torsten I. (Krieg, 2.v.re.), der sich in den Dienst der Mechernicher Tafel stellt.

Kräftig anpacken hieß es für den Mechernicher Karnvalsprinzen Torsten I. (Krieg, 2.v.re.), der sich in den Dienst der Mechernicher Tafel stellt.

Bild: Michael Nielen

Vier Einsätze stehen in den kommenden zwei Wochen auf dem Programm – bei der Lebensmittelabholung, beim Sortieren und bei der Ausgabe an Bedürftige. Am frühen und frostigen Montagmorgen wurde die Tollität vom stellvertretenden Vorsitzenden der Mechernicher Tafel, Volker Nüßmann, und ehrenamtlichen Mitarbeitern begrüßt.

Rund 36 Helferinnen und Helfer engagieren sich regelmäßig, um etwa 1.000 Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Dazu kommen die zehn Tafeln in der Region, die vom Mechernicher Verteilzentrum mit Waren beliefert werden – bis nach Monschau reicht der Wirkungsbereich.

»Im Prinzip ist mein Sessionsmotto ja so gewählt, dass es das Ehrenamt stark hervorheben soll«, sagte Prinz Torsten I. auf die Frage, wie er auf die Idee gekommen ist, bei der Tafel zu helfen. »Wir waren auch schon unterwegs und haben Papier gesammelt, um die Stadt sauber zu halten. Jetzt nutzen wir die karnevalistische Reichweite, um auf die Tafel aufmerksam zu machen – auf die Menschen, die dort mitarbeiten, und auf das, was sie leisten.«

Dem Prinzen ist wichtig, dass es bei seinem Engagement nicht um Publicity für ihn persönlich geht. Die Zielrichtung sei eine andere: »Hier steht ganz klar die Tafel im Fokus. Das ist keine PR-Aktion für mich, sondern echte Unterstützung mit dem Ziel, die Arbeit, die hier geleistet wird, der Öffentlichkeit noch einmal deutlich bewusst zu machen.«

Volker Nüßmann freute sich über die »royale« Unterstützung: »Das ist eine Premiere – zum ersten Mal hilft ein Karnevalsprinz bei uns mit und interessiert sich für unsere Arbeit.« Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Tafel vor großen Herausforderungen steht: »Wir haben rund 35 bis 36 Ehrenamtliche, aber der Altersdurchschnitt liegt bei 60 Jahren und darüber. Uns fehlt der Nachwuchs und jüngere Leute, die sich bei uns engagieren.« Wer bei der Tafel mitmachen wolle, könne sich die Zeit so einteilen, wie es passe – Arbeit sei auf jeden Fall genug da. Hinzu komme ein zunehmendes Problem bei der Lebensmittelbeschaffung. »Die Supermärkte disponieren heute viel genauer als früher. Da bleibt kaum noch etwas übrig. Viele Läden verkaufen kurz vor Ladenschluss lieber ab, als dass etwas übrig bleibt.« Heute erhalte man von den örtlichen Bäckern oft mehr als von den großen Ketten. »Die Mengen sind kleiner geworden – und das merken alle Tafeln.«

Ein wichtiger Ausgleich sei deshalb die Zusammenarbeit mit der Lebensmittelindustrie. »Was dort nicht mehr verkauft werden kann, kommt palettenweise zu uns und wird im Verteilzentrum sortiert und an die anderen Tafeln weitergegeben. Ohne diese Großspenden könnten wir viele Menschen gar nicht mehr versorgen.« Prinz Torsten zeigte sich beeindruckt von der Organisation und dem Einsatzwillen der Helfer: »Das ist echte Nächstenliebe, die hier geleistet wird. Gerade in einer Wegwerfgesellschaft ist das ein starkes Zeichen.«

Am Montag stand für ihn die »Einsammeltour« auf dem Programm, bei der ab acht Uhr morgens Stationen im Stadtgebiet und in den umliegenden Dörfern angefahren werden. »Ich möchte zeigen, dass Karneval mehr kann, als nur zu feiern. Ehrenamt ist gelebte Menschlichkeit – und das ist das, was zählt.«

Wer die Mechernicher Tafel ehrenamtlich unterstützen möchte, kann sich gerne bei der Tafel Mechernich/Verteilzentrum Eifel melden, Tel.: 02443/3158780, info@tafel-mechernich.de, www.mechernicher-tafel.de


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