Michael Nielen

Erinnerung als Auftrag für die Gegenwart

Hellenthal. »Vor 90 Jahren waren nicht nur in Hellenthal und Kirschseiffen Christen und Juden Nachbarn, sondern überall in Deutschland war das normal.« Dieser Satz, der auf dem Einladungsplakat der Ausstellung »Wir waren Nachbarn« steht, sagt eigentlich alles aus.

»Diese Ausstellung ist nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch ein Auftrag an uns alle. Ein Auftrag, Verantwortung zu übernehmen, hinzusehen und einzutreten für Menschlichkeit, Respekt und unsere Demokratie«, betonte Martin Berners, Bürgermeister der Gemeinde Hellenthal, bei einer Vorab-Veranstaltung zur Ausstellung »Wir waren Nachbarn« im Rathaus Hellenthal.

Die offizielle Eröffnung der Ausstellung »Wir waren Nachbarn« findet am Dienstag, 27. Januar, um 18 Uhr in der evangelischen Kirche Hellenthal statt. Die vom Arbeitskreis Judit.H, der katholischen Kirche Hellenthal-Schleiden und der evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal initiierte Ausstellung erinnert an die jüdischen Mitbürger, die einst in Hellenthal und Kirschseiffen lebten. Nach der offiziellen Eröffnung ist die Ausstellung freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet sowie nach Absprache mit Bernward Micken unter Tel.: 02482/2583 oder per E-Mail an Bernward-Micken@t-online.de. Den Abschluss bildet ein Gottesdienst am Samstag, 1. Februar, um 9.30 Uhr mit Schülern der Klasse sechs des Johannes-Sturmius-Gymnasiums. 

Bereits bei einer Vorab-Veranstaltung im Rathaus konnten Gäste und viele Besucher einen ersten Blick auf die Exponate werfen.

»Die Ausstellung erinnert an die Menschen, die hier in unserer Gemeinde gelebt haben, unsere ehemaligen Nachbarn, die jüdischen Mitbürger, deren Leben und Schicksale untrennbar zu unserer Ortsgeschichte gehören«, sagte Martin Berners.

Der Bürgermeister dankte besonders dem bereits verstorbenen Siegfried Zieger, »der das Material zusammengetragen und damit einen unfassbaren Beitrag zum Erhalt dieser Erinnerung beigetragen hat«. Schon 1988 hatte Siegfried Zieger mit einer zehn der Hauptschule Hellenthal zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht mit der Erinnerungsarbeit begonnen und die Grundelemente seiner Ausstellung zusammengetragen. Die umfangreichen Vorarbeiten erlaubten es, am 5. November 2008 endlich eine Ausstellung mit dem Titel »Wir waren Nachbarn« zu eröffnen.

Aufstehen und Farbe bekennen

»Gerade in unserer heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, dass wir solche Erinnerungsorte schaffen und sichtbar machen, denn wir erleben, dass Antisemitismus, Ausgrenzung und Hass wieder lauter werden und unsere demokratischen Werte zunehmend in Frage gestellt werden«, mahnte Martin Berners.

Bernward Micken vom Arbeitskreis Judit.H würdigte in seiner Ansprache die beiden Männer, denen die Ausstellung zu verdanken ist. »Wir denken an Siegfried Zieger und Karl Reger«, sagte er. Die von Siegfried Zieger erstellte Ausstellung sei »in die Jahre« gekommen und habe einer Erneuerung bedurft. Der Arbeitskreis Judit.H verfolgte dabei eine doppelte Zielsetzung: Zum einen sollten die Originalmaterialien dauerhaft gesichert werden, zum anderen sollte die Ausstellung um neu hinzugekommene Informationen ergänzt werden. »Karl Reger«, verriet Micken, »hat bis in seine letzten Tage intensiv an dieser Ausstellung gearbeitet. Leider hat er seine Ausstellung nicht mehr erlebt. So ist dieser Tag ein freudiger und trauriger zugleich.«

Ralf Sawatzki, ehrenamtlicher Regionalbotschafter der NRW-Stiftung, würdigte nicht nur das Engagement der Gemeinde als »ein leuchtendes Beispiel für andere Kommunen«. Er sagte auch: »Es sind nicht nur die kleinen Steine, die verlegt werden, das ist zu wenig. Wir müssen jetzt in dieser Zeit aufstehen und Farbe bekennen. Und Farbe bekennt die NRW-Stiftung, indem sie mit Freude diese Aktualisierung der Wanderausstellung mit 3000 Euro fördert. Es ist sehr gut angelegtes Geld.« Bernward Micken dankte neben der NRW-Stiftung auch der VR-Bank Nordeifel und der Kreissparkasse Euskirchen. Beide Banken unterstützen ebenfalls die Ausstellung. »Die finanzielle Unterstützung ist auch heute noch bei unserem Vorhaben unverzichtbar«, so Micken.


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