

Hinter der neuen Flutlichtanlage, die gerade einmal vier Masten benötigt, stecken viele Projektpartner: die Gemeinde Kall, der Energiedienstleister e-regio, der Naturpark Nordeifel, die Astronomie-Werkstatt Sterne ohne Grenzen und der Hersteller Musco Lighting.
Gemeinsam wollten sie zeigen, dass moderner Sportbetrieb und der Schutz des Nachthimmels kein Widerspruch sein müssen. »Das Wichtigste ist, dass der Ball rollt – aber wir wollen Lichtemissionen und Lichtverschmutzung für Anwohner, Umwelt und Tierwelt so gering wie möglich halten«, sagte Kalls Bürgermeister Emmanuel Kunz. »Das hier ist ein fortschrittliches Projekt, das nicht nur zu dieser Anlage passt, sondern den Anforderungen der Region Rechnung trägt.«
Technisch setzt die Anlage auf LED-Scheinwerfer des Herstellers Musco Lighting, die anders als herkömmliche Flutlichter nicht horizontal ausgerichtet sind, sondern das Licht gezielt nach unten auf die Spielfläche lenken. »Man kann schon an der Neigung der Scheinwerfer sehen, dass das Licht gar nicht nach oben kann«, erläuterte Christoph Rang, Projektleiter bei e-regio. »Das Licht, das nicht in den Nachthimmel emittiert wird, wird über große Reflektoren auf die Spielfläche zurückgeworfen – das macht die Anlage optisch effizienter. Bei gleicher Lichtproduktion habe ich mehr Licht auf der Fläche.« Das Ergebnis: Die LED-Strahler sind bis zu 60 Prozent energieeffizienter als herkömmliche Leuchten, und wer am Rand des Platzes steht, steht fast im Dunkeln – obwohl der Rasen hell erstrahlt.
»Erst wenn ich direkt vor Ort bin, sehe ich, dass hier jemand trainiert«, bestätigte Erik Geschwind, Vorsitzender des SV Sötenich.
Für die Sportler selbst bringt die neue Technik einen weiteren Vorteil: gleichmäßige Ausleuchtung ohne dunkle Flecken.
»Auf anderen Plätzen gibt es manchmal schwarze Löcher, wo sich Lichtkegel überschneiden«, so Erik Geschwind. »Das haben wir hier nicht. Auch die Torhüter werden nicht geblendet – die Sichtverhältnisse sind einfach optimal.« Seit Januar 2026 wird die Anlage genutzt, bisher ausschließlich mit positiven Rückmeldungen. Das gilt laut Markus Auel, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, auch für die Nachbarschaft des Sportplatzes: »Da hat es bislang nicht eine Beschwerde gegeben.«
Rund 135.000 Euro hat die Flutlichtanlage inklusive Planung gekostet – finanziert aus Sportfördermitteln und Mitteln der Gemeinde Kall. Manfred Poth, Vorsitzender des Naturparks Nordeifel und zugleich Projektleiter Wiederaufbau bei der Gemeinde Kall, betonte, dass es sich dabei ausdrücklich nicht um Wiederaufbaumittel handele. »Diese Flutlichtanlage ist aus der Sportförderung gebaut worden – das ist wichtig zu unterscheiden.« Der Gesamtausbau des Sportplatzes wurde mit 750.000 Euro als Festbetragsförderung bezuschusst.
Die Zertifizierung durch die International DarkSky Association (IDA) ist dabei weit mehr als ein Gütesiegel. Sie macht das Projekt weltweit sichtbar. »Im April gibt es eine internationale Dark Sky Woche, bei der das Projekt der großen Gemeinschaft der IDA vorgestellt wird«, erläuterte Harald Bardenhagen von der Astronomie-Werkstatt Sterne ohne Grenzen. »Häufig fehlt einfach die Information, dass es solche Produkte gibt und dass das planerisch gut umsetzbar ist. Eine Anlage wie diese steht vielleicht 50, 60 Jahre – und 50, 60 Jahre lang leuchtet sie optimal, ohne Anwohner zu stören und ohne den Nachthimmel zu belasten.«
Für den Naturpark Nordeifel ist Sötenich ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur offiziellen Anerkennung als Sternenregion. »Wir sind derzeit im Anerkennungsverfahren für ein Gebiet von 35 Kilometern rund um den Sternenpark«, erklärte Dominik Hosters, Geschäftsführer des Naturparks Nordeifel. »Solche Leuchtturmprojekte sind dafür kolossal wichtig.«
Markus Böhm, Geschäftsführer von e-regio, sieht in dem Projekt ein Signal weit über die Region hinaus: »Das setzt neue Maßstäbe für Lichttechnik in Europa – hier in der Gemeinde Kall.«




