

»Mit diesem symbolischen ersten Abriss schaffen wir bewusst Platz für Neues«, sagt Reichelt. »Das Projekt vereint soziale Verantwortung, ökologische Nachhaltigkeit und eine hohe städtebauliche Qualität – genau das, was Euskirchen für die nächsten Jahrzehnte braucht.«
Was da am denkmalgeschützten Schlachthof beginnt, ist weit mehr als ein Abriss. Es ist der Auftakt zu einem der größten Wohnbauprojekte der Stadt: In den nächsten rund zehn Jahren sollen rund um das markante Gebäude an der Erftbleiche zwölf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt rund 140 Wohnungen entstehen. Die Eugebau – Euskirchener Baugesellschaft mbH – investiert dafür rund 100 Millionen Euro. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf sozialem und nachhaltigem Wohnen.
Der nördliche Anbau, der nun weichen muss, stammt aus den 1960er Jahren und wurde später noch einmal erweitert. Er macht Platz für die ersten beiden Neubauten des Quartiers – Haus A und Haus B. Die Grundsteinlegung für beide Häuser ist für Januar 2027 vorgesehen. Für Haus B liegt bereits ein Bauantrag vor, der im städtischen Gestaltungsbeirat großes Lob erhalten hat.
Wer den Schlachthof kennt, weiß: Das Gebäude ist mehr als eine Immobilie. »Die Geschichte des Areals ist schon viel älter als unser Engagement hier«, erklärt Pia Berners von der Eugebau. »1903 wurde der alte Schlachthof in seiner ursprünglichen Form erbaut – und ist deswegen heute auch denkmalgeschützt. In den 1960er und 1990er Jahren kamen dann viele Anbauten hinzu, um den Schlachtbetrieb zu erweitern.« 2017 erwarb die Eugebau das Areal – und begann, eine neue Zukunft für das geschichtsträchtige Gelände zu entwickeln.
Diese Geschichte soll in der Gestaltung der neuen Häuser sichtbar bleiben. Die niederländischen Architekten des Büros 9graden architectuur aus Amersfoort haben gemeinsam mit Eugebau-Architekt Adam Fray Fassaden entworfen, die das Historische und das Neue miteinander in Verbindung setzen – mit modernen Linien, aber auch mit bewusst gesetzten Rundungen, die dem strengen Industriebau des frühen 20. Jahrhunderts etwas Lebendiges entgegensetzen.
Bürgermeister Reichelt zeigt sich vom Entwurf überzeugt: »Ich finde, die Architekten haben ein sehr gutes Team gebildet und ein Gebäude entworfen, das mir sehr, sehr gut gefällt.« Auch das Außengelände soll dem neuen Quartier einen besonderen Charakter geben. Landschaftsarchitekt Hyco Verhaagen plant die Grün- und Gemeinschaftsflächen rund um die Häuser – als Ort der Ruhe und Begegnung mitten im neuen Stadtquartier.
Die Frage, was mit dem denkmalgeschützten Kern des Schlachthofs selbst geschieht, bleibt vorerst offen. Die historische Schlachthalle mit ihren Kühlhallen bietet enormes Potenzial, etwa für Veranstaltungen und kulturelle Nutzungen – konkrete Pläne sollen folgen, wenn die Entwicklung des Gesamtquartiers klarer Kontur annimmt.
Sascha Reichelt ordnete das Projekt ein: »Die Eugebau steht seit fast 110 Jahren für soziales Wohnen in unserer Stadt – und das ist eine ganz wichtige und auch sehr ehrenwerte Aufgabe.« Für ihn persönlich hat der Schlachthof nach einer spirituellen Reinigungsaktion der buddhistischen Gemeinschaft ohnehin eine andere Atmosphäre bekommen. »Ich fühle mich hier tatsächlich deutlich besser als vorher«, schmunzelte er. »Man kann hier jetzt ganz entspannt reingehen.«




