Michael Nielen

Mitten im Dorf wird wieder gekickt

Sötenich. Nach der verheerenden Flut von 2021 stehen in Sötenich die Zeichen sichtbar auf Zukunft: Der neue Kunstrasenplatz ist fertiggestellt und seit Anfang Januar bespielbar. Weitere Großprojekte sind »in der Mache« ...

Erfreulich: Auf der neuen Anlage wird nicht nur bereits trainiert, der SV Sötenich konnte auch schon den ersten Sieg auf der modernen Anlage feiern. Grund genug für den Kaller Bürgermeister Emmanuel Kunz und den Wiederaufbaukoordinator Manfred Poth, vor Ort über den aktuellen Stand der Großprojekte im Ort zu informieren.

»Wir wollten das Verlorene nicht einfach nur ersetzen, sondern gemeinsam mit den Vereinen und den Menschen vor Ort etwas Neues, etwas Besseres und damit auch Zukunftsfähiges schaffen«, erklärte Bürgermeister Emmanuel Kunz. Der Kunstrasenplatz schaffe einen echten Mehrwert, nicht nur für den SV Sötenich, sondern für alle Vereine im Gemeindegebiet und besonders für die Nachwuchsarbeit im Fußball.

Die Bauarbeiten begannen im April 2025 und wurden pünktlich im Dezember abgeschlossen. Regionale Firmen waren am Bau beteiligt: Die Planung übernahm die Firma Gotthard & Knipper aus Obergartzem, den Tiefbau führte die Firma Backes Bau aus Stadtkyll durch, die Sportanlage errichtete die Firma Cordel aus Jünkerath. Das Flutlicht installierte die e-Regio aus Kall.

Besonders hervorzuheben ist die sternenparkkonforme Flutlichtanlage, die Lichtverschmutzung vermeidet und ausschließlich die Spielfläche beleuchtet. »Die Anwohner werden durch das Flutlicht nicht mehr geblendet. Die Strahler sind nach unten gerichtet«, erläuterte Manfred Poth. Die Zertifizierung als sternenparkkonform wird im Laufe des Januars erwartet.

Die Gesamtkosten für den Kunstrasenplatz belaufen sich auf rund 1,75 Millionen Euro, davon entfallen 1,5 Millionen Euro auf den Bau selbst. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Projekt mit 750.000 Euro als Festbetragsförderung. Die Planungskosten liegen bei 205.000 Euro. Nach aktuellem Stand wird der Kostenrahmen eingehalten, möglicherweise sogar unterschritten.

Ein Nutzungsvertrag zwischen dem SV Sötenich und der Gemeinde Kall regelt die Zuständigkeiten: Der Verein organisiert den Spielbetrieb und übernimmt Pflege und Unterhaltung. Die Anlage steht auch Schulen und anderen gemeindlichen Sportvereinen gegen Vergütung der Nebenkosten zur Verfügung. Außergemeindliche Vereine können den Platz gegen Mietzahlung nutzen.

»Wir hätten es nicht gedacht, als wir Mitte der 2010er Jahre unsere ersten Ideen entwickelt haben. Heute stehen wir hier Anfang 2026 und können unseren Kunstrasenplatz bespielen«, freute sich Erik Geschwind, erster Vorsitzender des SV Sötenich. Wichtig sei gewesen, den Standort mitten im Dorf zu erhalten. »Wir gehören ins Dorf, wir gehören nicht irgendwo außerhalb.«

Bis Ende 2026 entsteht oberhalb des Kunstrasenplatzes ein Mehrgenerationenplatz mit Bolzplatz, Tischtennisplatte, Basketballständer, Sitzgruppen, Kletterwand und möglicherweise einer Boulebahn. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 50.000 Euro.

Parallel zu den Arbeiten am Kunstrasenplatz laufen drei weitere Großprojekte in Sötenich: Das Bürgerhaus und Sportlerheim als Kombibauwerk, eine Starkregenmaßnahme zum Schutz der Wohnbebauung sowie der bereits erwähnte Mehrgenerationenplatz. Der Rohbau des Bürgerhauses und Sportlerheims ist fertiggestellt, der Innenausbau hat im Dezember begonnen. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2026 geplant.

»Alle Vereine aus Sötenich waren involviert. Wir haben uns vorher zusammengesetzt, damit wir wirklich ein Bürgerhaus für uns bauen, bei dem auch die Vereine im Vorfeld sagen konnten, was brauchen wir«, betonte Birgit Drewes vom Bürgerverein Sötenich. Sie dankte besonders der Gemeinde Kall für die Unterstützung. »Wir hatten auch Phasen, wo wir wirklich mal gedacht haben, wir schaffen es nicht.«

Die Starkregenmaßnahme schützt einen Großteil des Ortes vor Hangwasser. Ein Kanal leitet das Wasser bis zur Urft ab. Die Kosten von 3,5 Millionen Euro werden zu 100 Prozent als Präventivmaßnahme aus Wiederaufbaumitteln gefördert. »Das gibt den Bewohnern ein gutes Gefühl, denn 2021 hat bei einigen Menschen etwas ausgelöst«, betonte Erik Geschwind.

»Wir freuen uns, dass der Betrieb jetzt aufgenommen werden kann«, sagte Manfred Poth. Besonders erfreulich sei die sehr kooperative Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und den betroffenen Grundstückseigentümern.


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