Michael Nielen

Nach Karneval beginnt der Wiederaufbau

Bad Münstereifel. Nach Karneval beginnt in der Stadt Bad Münstereifel ein zentrales Großprojekt des Wiederaufbaus.Die Kölner Straße zwischen Schleidtalstraße und Werther Tor wird grundlegend saniert.

Parallel dazu entsteht ein Ersatzneubau für das Feuerwehrgerätehaus. Beide Maßnahmen greifen ineinander und stellen Verwaltung, Planer und ausführende Firmen vor besondere Herausforderungen. »Wir haben hier eine Baumaßnahme vor uns, die für sich genommen schon ein Großprojekt ist und die jetzt durch den Wiederaufbau des Feuerwehrgerätehauses auf der anderen Straßenseite mit einem weiteren großen Projekt verzahnt werden muss«, erläuterte Bürgermeister Sebastian Glatzel.

Die Sanierung der Kölner Straße war bereits seit 2021 als Maßnahme des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) vorgesehen. Nach der Flutkatastrophe habe sich der Charakter jedoch verändert. »Die Maßnahme ist vom ISEK-Projekt zum Wiederaufbau geworden«, so der Bürgermeister. Aus der ursprünglichen Planung sei lediglich der kleine Kreisverkehr an der Einmündung zur Schleidtalstraße erhalten geblieben.

Ziel ist es, die Kölner Straße künftig als neues, deutlich erkennbares Eingangstor zur Kernstadt zu gestalten. Glatzel sprach von einem »geteilten Raum für alle Verkehrsteilnehmer«, der Rücksicht auf Fußgänger und Radfahrer nimmt und den Autoverkehr frühzeitig abbremst. So solle sich der Verkehr »einfügen müssen« und ein einladendes Bild am Zugang zur Innenstadt entstehen.

Die technischen Details stellte Christian Lorenz, Geschäftsführer der Ingenieurberatung Lorenz vor. Prägendes Element wird ein sogenanntes Baumtor in Höhe der ehemaligen Bäckerei sein. Es soll eine optische Bremswirkung erzeugen. Ab diesem Punkt wird die Straßenfläche um rund 15 Zentimeter angehoben. Fahrbahn und Gehwege liegen dann auf einer Ebene – ein sogenannter Shared Space ohne klassische Höhenversätze. Ursprünglich war eine Tempo-30-Regelung vorgesehen, die bislang noch vom Straßenverkehrsamt abgelehnt werde.

Die Ausschreibung für die Straßenbaumaßnahme ist abgeschlossen. Den Zuschlag erhielt die Firma Strabag. Die Auftragssumme liegt bei rund 2,5 Millionen Euro. Baubeginn ist nach Karneval. Insgesamt sind neun Bauabschnitte geplant, für die ersten beiden liegt bereits die verkehrsrechtliche Genehmigung vor. Während der Bauzeit wird der Verkehr halbseitig an der Baustelle vorbeigeführt. Ampelregelungen, Rückstaus und zeitweise Umleitungen ließen sich nicht vermeiden. Derzeit geht man davon aus, die Maßnahme im November 2026 abzuschließen - wenn es keine unvorhersehbaren Verzögerungen gibt.

Parallel dazu läuft der Wiederaufbau des Feuerwehrgerätehauses. Simon Mauel, Leiter des Amts für Hochbau, sprach von einem Projekt mit mehreren Unterprojekten. Bereits angelaufen ist der Abriss des Hauses Kölner Straße 12 neben der bisherigen Feuerwehrausfahrt, die deutlich aufgeweitet wird. So können die Fahrzeug künftig abbiegen, ohne in den Gegenverkehr zu geraten.

Die Feuerwehr muss im Zuge der Arbeiten zweimal umziehen. Eine Haupt-Übergangswache entsteht in den ehemaligen Hallen von Auto Heinen am Bendenweg. Zusätzlich wird auf dem Grundstück Kölner Straße 12 eine Übergangshalle für zwei Fahrzeuge errichtet, um die Ausrückzeiten in entlegene Stadtteile einzuhalten. Diese Interimsstandorte sollen Ende 2026 bereitstehen.

Anfang 2027 kann die Feuerwehr dann aus dem provisorischen Gerätehaus an der Kölner Straße 8 in die Übergangswachen umziehen. Erst danach wird das flutgeschädigte Bestandsgebäude abgerissen. Der Hang hinter dem Gebäude muss gesichert werden, da die Befestigung teilweise in die Jahre gekommen ist.

Der Ersatzneubau des Feuerwehrgerätehauses entsteht trotz Hochwassergefahr erneut am bisherigen Standort. Laut Mauel gab es keine realistischen Alternativen. Das neue Gebäude wird so konzipiert, dass eine Überflutung der unteren Ebene möglich ist, ohne Technik zu gefährden. Elektro-, Daten- und Notstromanlagen werden in den oberen Geschossen und auf dem Dach untergebracht. Die Kosten sind mit rund zehn Millionen Euro im Wiederaufbauplan angesetzt.

Bürgermeister Sebastian Glatzel betonte, dass viel Abstimmung nötig war, um die Maßnahmen zeitlich aufeinander abzustimmen. Ziel sei es, die Einschränkungen auf einen möglichst kurzen Zeitraum zu begrenzen und den Wiederaufbau zügig voranzubringen.


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