

Wenn Stephan Glauch donnerstags seinen Besuch macht, sitzt der ältere Mann oft schon am Fenster und wartet. »Ich bin der Donnerstagsfreund«, sagt der 67-Jährige und lächelt. Seit rund vier Jahren engagiert er sich im Projekt »Unterwegs zu Menschen« der evangelischen Sophiengemeinde Euskirchen. Gemeinsam mit acht weiteren Ehrenamtlern besucht er Menschen in besonderen Lebenssituationen – ältere Menschen genauso wie Alleinerziehende mit Kindern oder Familien, die Unterstützung und Austausch brauchen. Oft entstehen daraus langjährige Begleitungen und enge Vertrauensverhältnisse.
»Das Wichtigste ist das Zuhören«, sagt Glauch. Bei seinen regelmäßigen Besuchen gehe es um Gespräche über den Alltag, Erinnerungen, Trauer und manchmal auch um Humor. »Wir schaffen eine Atmosphäre, in der die Menschen erzählen können. Viele haben niemanden mehr, mit dem sie reden können.« Kaffee, Tee und etwas Gebäck gehören dabei oft genauso dazu wie feste Rituale und verlässliche Zeiten. »Kontinuität ist wichtig«, betont Glauch. »Die Menschen warten darauf. Diese Struktur ist ganz wichtig.«
Das Projekt »Unterwegs zu Menschen« gibt es bereits seit 2012. Koordiniert wird es von Iris Hoffmann, Ehrenamtskoordinatorin der evangelischen Sophiengemeinde Euskirchen. »Wir möchten Begegnungen schaffen und soziales Engagement gestalten«, erklärt Hoffmann. Die Ehrenamtler begleiten ältere Menschen bei Spaziergängen, besuchen sie zuhause oder in Senioreneinrichtungen, spielen Gesellschaftsspiele, hören zu oder unterstützen bei Arztbesuchen. Auch Familien oder Alleinerziehende mit Kindern werden begleitet – etwa durch Gespräche, Unterstützung im Alltag oder Hilfe bei den Hausaufgaben. »Es geht oft um längerfristige Beziehungen, weil Vertrauen wachsen muss«, so Hoffmann.
Karin Domschke (71) gehört zu den Ehrenamtlern der ersten Stunde. Seit der Gründung des Projekts besucht sie regelmäßig Menschen. Aktuell begleitet sie eine ältere Dame, die inzwischen in einem Heim lebt. »Sie hört sehr schlecht, daher ist es für sie schwierig eine Bezugsperson im Heim zu finden«, erzählt Domschke. Deshalb habe sie die Besuche auch nach dem Umzug in die Senioreneinrichtung beibehalten. Gemeinsam spielen die beiden Gesellschaftsspiele oder unterhalten sich über Alltägliches. »Wir beide kommen gut klar und wir verstehen uns«, sagt Domschke.
Die Ehrenamtler im Projekt übernehmen dabei bewusst keine pflegerischen oder hauswirtschaftlichen Aufgaben. »Es geht darum Zeit, Nähe und Aufmerksamkeit zu schenken, aber man muss auch lernen, Grenzen zu setzen«, betont Hoffmann. Wichtig seien Verlässlichkeit und die passende Chemie zwischen Ehrenamtlern und Besuchten. Deshalb gebe es zunächst immer ein Kennenlernen.
Damit die Helfer auch mit möglicherweise belastenden Situationen nicht alleine bleiben, finden monatliche Austauschtreffen statt. Zudem werden Schulungen und Fortbildungen angeboten – beispielsweise zu Gesprächsführung, Trauer oder Erster Hilfe.
Aktuell sucht die Sophiengemeinde weitere Ehrenamtler aus Euskirchen und Weilerswist, die sich im Projekt »Unterwegs zu Menschen« engagieren möchten. Voraussetzungen seien Offenheit, Einfühlungsvermögen und Freude am Umgang mit Menschen. Jeder könne selbst entscheiden, wie viel Zeit eingebracht werde.
Darüber hinaus möchte die Gemeinde einen Fahrdienst aufbauen. Hintergrund ist, dass viele ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen nicht mehr selbstständig zu Gottesdiensten, Gemeindefesten oder anderen Veranstaltungen kommen können. Der geplante Fahrdienst soll ihnen wieder soziale Kontakte und Teilhabe ermöglichen. Dafür stellt die Gemeinde ihren Gemeindebus zur Verfügung. Gesucht werden Fahrer, die sich etwa einmal im Monat sonntags oder bei besonderen Veranstaltungen Zeit nehmen können und Freude am Umgang mit älteren Menschen haben. Voraussetzung sind eine gültige Fahrerlaubnis sowie die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining, dessen Kosten die Gemeinde übernimmt.
Kontakt: Iris Hoffmann, Tel.: 02251 /81332-14, 0151/6433 0266, iris.hoffmann.1@ekir.de




