Frederik Scholl

Sie haben hingeschaut statt weggesehen

Kreis Euskirchen (FS). Sie haben hingeschaut, eingegriffen und Verantwortung übernommen: Vier Menschen aus dem Kreis Euskirchen wurden jetzt mit dem Zivilcouragepreis ausgezeichnet.
Jens Becker (3.v.li.), Claudia Bayrle (4. v.re.), Martin Rzepka (3.v.re.) und Christian Lienke-Köhler (nicht im Bild) wurden mit dem Zivilcouragepreis ausgezeichnet. Laudatoren waren Achim Richentzhagen (2.v.li.), Jörg Schneider (4.v.li.), Ulrich Linden (2.v.re.) und  Gabriele Mälchers (re.). Auch Landrat Markus Ramers würdigte die Geehrten. Foto: Scholl

Jens Becker (3.v.li.), Claudia Bayrle (4. v.re.), Martin Rzepka (3.v.re.) und Christian Lienke-Köhler (nicht im Bild) wurden mit dem Zivilcouragepreis ausgezeichnet. Laudatoren waren Achim Richentzhagen (2.v.li.), Jörg Schneider (4.v.li.), Ulrich Linden (2.v.re.) und Gabriele Mälchers (re.). Auch Landrat Markus Ramers würdigte die Geehrten.

Bild: Scholl

Zum dritten Mal hat die Kreispolizeibehörde den Zivilcouragepreis verliehen. »Wir zeichnen damit tatsächliches Handeln aus«, betonte Landrat und Behördenleiter Markus Ramers. Bei ihrer Arbeit sei die Polizei auch auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Besonders wertvoll seien Menschen, »die in bestimmten Situationen dann eben nicht wegsehen, sondern hinsehen«, so Ramers.

Für ihr aufmerksames Handeln wurde Claudia Bayrle aus Schleiden geehrt. Die 55-jährige Reinigungskraft hatte am Sonntag, 14. Juni, zwei Jugendliche in einer Grundschule in Schleiden bemerkt, die im Büro des Hausmeisters und auf dem Flur Benzin verteilt hatten. Bayrle sprach die beiden an und fotografierte sie, bevor sie flüchteten. Noch am selben Abend konnte die Polizei die 13 und 14 Jahre alten Jungen identifizieren. Bei einem wurden zudem Streichhölzer gefunden.

Ob dadurch tatsächlich ein Brand verhindert wurde, lasse sich nicht sagen, erklärte Kriminaloberrat Ulrich Linden, Leiter der Direktion Kriminalität. Das Eingreifen habe jedoch entscheidend zur Aufklärung beigetragen. »Zivilcourage braucht nicht unbedingt körperliche Stärke oder besondere Befugnisse. Sie braucht Aufmerksamkeit, Mut und die Bereitschaft, im entscheidenden Augenblick nicht wegzusehen«, betonte Ulrich Linden in seiner Laudatio.

Mit dem Traktor

gegen die Flammen

Als Jens Becker aus Mechernich am Montag, 10. August, bei landwirtschaftlichen Arbeiten im Billiger Wald einen Brand entdeckte, handelte er sofort. Rund 400 Quadratmeter Wald standen in Flammen. Mit seinem Traktor und einer angehängten Ackerfräse zog Becker eine Schneise, um die Ausbreitung des Feuers einzudämmen. Anschließend konnte die Feuerwehr den Brand löschen.

Jörg Schneider, Leiter des Leitungsstabs der Kreispolizeibehörde, würdigte nicht nur Beckers Einsatz, sondern auch das Engagement seiner Berufskollegen. Becker stehe stellvertretend für die Landwirte, die die Feuerwehr bei Wald- und Vegetationsbränden mit Maschinen, Ortskenntnis und Einsatzbereitschaft unterstützen.

Besonderen Mut bewies auch Martin Rzepka aus Zülpich. Der 54-Jährige wurde am Mittwoch, 7. Januar, am Euskirchener Bahnhof Zeuge eines gewalttätigen Übergriffs. Ein Mann hatte eine Frau gegen den Kopf geschlagen und war ihr in einen Bus gefolgt, wo er sie mit Wodka überschüttete. Rzepka forderte den Angreifer auf, die Frau in Ruhe zu lassen. Obwohl er selbst geschlagen wurde, hielt er den Mann bis zum Eintreffen der Polizei fest. Polizeidirektorin Gabriele Mälchers würdigte sein entschlossenes Handeln: »Herr Rzepka hat den Schutz geboten, den diese Frau so nötig gebraucht hat.«

Auch Christian Lienke-Köhler aus Blankenheim wurde ausgezeichnet. Ihm war am Montag, 23. Februar, gegen 20.15 Uhr ein Wohnmobil aufgefallen, das in Schlangenlinien durch Blankenheim fuhr und teilweise auf den Gehweg geriet. Lienke-Köhler verständigte die Polizei und folgte dem Fahrzeug zunächst. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass der 17-jährige Fahrer keine Fahrerlaubnis besaß. Zudem waren das Wohnmobil und ein darin befindliches Mofa als gestohlen ausgeschrieben.

Polizeihauptkommissar Achim Richentzhagen (Direktion Verkehr) würdigte das umsichtige Verhalten des Zeugen, der durch seinen Anruf zur Verkehrssicherheit beigetragen habe. Da Lienke-Köhler verhindert war, nahm Blankenheims Bürgermeisterin Jennifer Meuren den Preis stellvertretend entgegen.

Mit der Auszeichnung möchte die Kreispolizeibehörde auch andere Menschen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Niemand müsse dabei seine Gesundheit riskieren, betonte Kriminaloberrat Ulrich Linden. Oft genüge es, aufmerksam zu sein, eine Situation zu beobachten und die Polizei zu verständigen.