Frederik Scholl

Strategische Fahndung: Polizei setzt auf Präsenz und Kontrollen

Euskirchen. Die jüngste Strategische Fahndung der Polizei in Euskirchen zeigt nach Einschätzung der Behörden Wirkung. Zwar seien deutlich weniger Personen und Fahrzeuge kontrolliert worden, als in den Vorjahren, die Polizei sieht darin jedoch einen Erfolg ihrer konsequenten Präsenz- und Kontrollmaßnahmen. Mehrere Straftaten wurden aufgedeckt, Haftbefehle vollstreckt und Platzverweise ausgesprochen.

Für einen Zeitraum von sechs Wochen hatte Landrat und Behördenleiter Markus Ramers für den Innenstadtbereich von Euskirchen erneut die sogenannte Strategische Fahndung angeordnet. Ziel der Maßnahme war es, die öffentliche Sicherheit weiter zu stärken, Straftaten frühzeitig zu erkennen und das Sicherheitsgefühl der Bürger nachhaltig zu erhöhen.

Die Strategische Fahndung ist ein besonderes polizeiliches Instrument, das auf Grundlage des Polizeigesetzes Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird. Sie ermöglicht es der Polizei in kriminalitätsbelasteten Bereichen unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen Personen anzuhalten, ihre Identität festzustellen sowie mitgeführte Fahrzeuge und Sachen zu kontrollieren. Voraussetzung hierfür sind tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass in dem betroffenen Gebiet Straftaten von erheblicher Bedeutung verabredet, vorbereitet oder begangen werden.

An der Maßnahme waren neben Kräften der Kreispolizeibehörde Euskirchen auch Beamte der Einsatzhundertschaft zu unterschiedlichen Zeiten beteiligt. Nach einer Tumultlage am 18. Mai vor einer Shisha-Bar in der Spiegelstraße wurde die polizeiliche Präsenz im Innenstadtbereich nochmals deutlich erhöht.

Die aktuelle Auswertung der Strategischen Fahndung zeige nach Angaben der Behörden, dass die kontinuierlichen Kontroll- und Präsenzmaßnahmen der vergangenen Jahre Wirkung zeigen.

Während bei den jeweils zwei Strategischen Fahndungen der Jahre 2024 und 2025 durchschnittlich rund 720 Personen und 405 Fahrzeuge kontrolliert wurden, wurden im Rahmen der ersten Strategischen Fahndung des Jahres 2026 insgesamt 412 Personen sowie 158 Fahrzeuge kontrolliert.

Die rückläufigen Kontrollzahlen seien nach Einschätzung der Polizei nicht als Rückgang der polizeilichen Aktivitäten zu verstehen. Vielmehr könnten sie Ausdruck eines gestiegenen Kontrolldrucks im Innenstadtbereich sein.

Insbesondere die regelmäßig durchgeführten gemeinsamen "Quattro-Streifen" mit dem Ordnungsamt der Stadt Euskirchen, der DB-Sicherheit sowie der Bundespolizei im Bereich des Bahnhofs haben dazu beigetragen, problematische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und konsequent zu unterbinden.

"Die Zahlen zeigen, dass unsere konsequente Präsenz Wirkung entfaltet. Wer regelmäßig mit Kontrollen rechnen muss, überlegt sich sehr genau, ob er sich im öffentlichen Raum rechtswidrig verhält. Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Personen zu kontrollieren, sondern Straftaten zu verhindern und die Sicherheit der Menschen in Euskirchen nachhaltig zu stärken", erklärt Landrat und Behördenleiter Markus Ramers.

Besonders deutlich wird die Entwicklung bei den ausgesprochenen Platzverweisen. Während der Durchschnittswert der Jahre 2024 und 2025 bei rund 20 Platzverweisen lag, wurden im Rahmen der Strategischen Fahndung 2026 insgesamt 87 Platzverweise ausgesprochen.

Davon entfielen allein 62 Platzverweise auf die Bewältigung der Tumultlage vor einer Shisha-Bar. Die verbleibenden 25 Platzverweise liegen nur leicht über dem Durchschnitt der Vorjahre und stehen insbesondere im Zusammenhang mit den verstärkten gemeinsamen Kontrollen im Bereich des Bahnhofs.

Die Ergebnisse verdeutlichen laut Polizei, dass die Strategische Fahndung weit mehr  als eine reine Kontrollmaßnahme sei. Durch die sichtbare Präsenz der Polizei würden Straftaten verhindert, potenzielle Störer abgeschreckt und Gefahrenlagen frühzeitig erkannt. Gleichzeitig stärke die Maßnahme das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung und unterstütze die nachhaltige Stabilisierung kriminalitätsbelasteter Bereiche.

Im Rahmen der Strategischen Fahndung wurden zudem unter anderem folgende Sachverhalte festgestellt und polizeiliche Maßnahmen getroffen:

Im Bereich des Klosterplatzes in Euskirchen wurde bei einem 16-jährigen Jugendlichen aus Blankenheim ein Verstoß gegen das Waffengesetz festgestellt. Der Jugendliche führte einen Teleskopschlagstock mit sich. Der Schlagstock wurde sichergestellt.

In der Bleigasse in Euskirchen beobachteten Polizeibeamte einen 28-jährigen Mann aus Euskirchen beim mutmaßlichen Handel mit Cannabis. Bei der anschließenden Kontrolle wurde eine geringe Menge an Betäubungsmitteln festgestellt. Gegen den Beschuldigten wurde eine Anzeige wegen des Handels mit Cannabis eingeleitet.

Im Bereich der Straße Entenpfuhl kontrollierten Polizeibeamte einen 50-jährigen Mann aus Euskirchen. Gegen diesen lag ein Haftbefehl aufgrund mehrerer Diebstahlsdelikte vor. Der Mann wurde festgenommen und anschließend in eine Justizvollzugsanstalt verbracht.

Zudem wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchs von Notrufen eingeleitet. Ein 33-jähriger Mann aus Euskirchen setzte mehrfach den Notruf ab, obwohl keine Notlage vorlag. Trotz Belehrung und Androhung weiterer Maßnahmen tätigte der Beschuldigte erneut Anrufe. Zur Verhinderung weiterer Straftaten wurde er in Gewahrsam genommen. Ein durchgeführter Atemalkoholtest ergab einen Wert von 0,85 mg/l. Darüber hinaus ergaben sich Hinweise auf Cannabiskonsum.

Die Kreispolizeibehörde Euskirchen wird die Entwicklung der Sicherheitslage weiterhin aufmerksam beobachten und ihre Maßnahmen konsequent an den aktuellen Erfordernissen ausrichten.