

Der Ausblick aus dem neuen Schulungsraum kann sich sehen lassen. Durch die großen Fenster des neuen Anbaus am Feuerwehrgerätehaus schweift das Auge über die Eifelhöhen. Doch meist werden die 34 aktiven Feuerwehrleute dafür keinen Blick haben. Denn der Raum ist gebaut worden, um zu lernen, zu üben und sich vorzubereiten.
Und er war längst überfällig. Jahrelang herrschte im Gerätehaus an der Hilbergartenstraße Enge. Schutzausrüstung, Fahrzeuge, Mannschaft – alles drängte sich auf engstem Raum. »Die Klamotten waren auch noch in den Fahrzeugen, rechts und links war alles sehr eng«, so Löschgruppenführer Tobias Zingsheim. Das hat sich jetzt Dank des Einsatzes der Kameradinnen und Kameraden grundlegend geändert. Rund 2000 Stunden haben sie in den Umbau und den rund 54 Quadratmeter großen Anbau investiert – nach Feierabend, am Wochenende, neben Beruf und Familie. »Es hat vom Anfang bis zum Ende Spaß gemacht«, sagt Zingsheim.
Begonnen hatte alles im Frühjahr 2025. Am 24. Mai rollten die Bagger an, am 5. August wurde der erste Stein gemauert.
Neun Monate später präsentiert die Löschgruppe das Ergebnis: getrennte Umkleideräume für Frauen und Männer, eine saubere Schwarz-Weiß-Trennung zwischen Einsatz- und Privatbereich sowie den neuen Schulungsraum. Die Gemeinde Nettersheim steuerte rund 80.000 Euro bei.
Bürgermeister Norbert Crump sieht das Projekt als Teil einer größeren Strategie. »Wir haben in der mittelfristigen Finanzplanung acht Millionen Euro für die Feuerwehr vorgesehen«, erklärt er. Davon entfallen 3,2 Millionen Euro auf ein neues Fahrzeugkonzept und 3,5 Millionen auf ein neues Gerätehaus in Nettersheim – das als Flutfolge einen neuen Standort erhalten soll. Doch auch die kleineren Orte rücken in den Fokus.
»Unsere Feuerwehr ist nicht überdimensioniert, sondern ausreichend«, betont Crump. »Neun Löschgruppen ergeben ein Ganzes – und jede ist gleich wichtig.«
Roderath selbst verfügt über rund 200 Einwohner. Umso bemerkenswerter, was die Löschgruppe stemmt: 34 aktive Mitglieder, darunter sieben Frauen, dazu ein Förderverein mit rund 80 Mitgliedern. »Da braucht sich ein Dorf dieser Größe nicht zu verstecken«, findet Zingsheim. Zwei Fahrzeuge stehen in Roderath bereit: ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (TSF-W) und ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF).
Die Feuerwehr ist aber mehr als Brandschutz – sie ist ein Herzstück des Dorflebens. Gemeinsam mit dem Junggesellenverein, mit dem sie personell eng verwoben ist, trägt sie die Roderather Kirmes. »Auch wenn viele Dorfeste eher rückläufig sind – unsere Kirmes wird eher größer«, sagt Zingsheim nicht ohne Stolz.
Rund um das Gerätehaus denkt die Gemeinde bereits weiter. Der benachbarte alte Kindergarten, seit Jahren leerstehend und in schlechtem Zustand, soll perspektivisch abgerissen werden. Danach sind ein neu gestalteter Spiel- und Bolzplatz geplant sowie ein weiterer Anbau mit öffentlichen Toiletten – nutzbar für Kirmes, Dorffeste und mehr.
Doch schon jetzt profitiert das Dorf: Der neue Schulungsraum mit seiner gemütlichen Atmosphäre soll auch für kleinere Feiern der Roderather zur Verfügung stehen. »Das wird ein zentraler Punkt für den Ort«, so Crump.




