Michael Nielen

Weniger Verkehrstote, aber noch immer zehn zu viel

Mechernich. Die polizeiliche Verkehrsunfallstatistik 2025 im Kreis Euskirchen: Deutlicher Rückgang bei den Unfallzahlen – aber ein Anstieg der Verletzten.
Gabriele Mälchers (v.li.), Markus Ramers und Annika Meister präsentierten die Verkehrsunfallstatistik 2025 im Kreis Euskirchen.

Gabriele Mälchers (v.li.), Markus Ramers und Annika Meister präsentierten die Verkehrsunfallstatistik 2025 im Kreis Euskirchen.

Bild: Michael Nielen

Zehn Menschen haben im Jahr 2025 bei Verkehrsunfällen im Kreis Euskirchen ihr Leben verloren – elf weniger als im Vorjahr, das Landrat und Behördenleiter Markus Ramers als »Schreckensjahr« bezeichnet. Die Gesamtzahl der Unfälle sank von 6046 auf 5603. Ramers, Polizeidirektorin Gabriele Mälchers und Polizeirätin Annika Meister, Direktionsleiterin Verkehr, stellten die Zahlen in Mechernich vor.

Die positive Entwicklung bei den Gesamtunfällen trübt ein anderer Trend: Die Zahl der Verletzten stieg gegenüber 2024 an. 667 Menschen erlitten leichte, 153 schwere Verletzungen – nach 602 Leichtverletzten und 151 Schwerverletzten im Vorjahr. Bei den tödlich verlaufenen Unfällen ist der Rückgang von 21 auf zehn jedoch erheblich.

Ramers machte deutlich, was ihm als zentrale Botschaft wichtig ist: »Jeder einzelne Verkehrsteilnehmer kann auch einen Beitrag dazu leisten, dass es sicher auf unseren Straßen zugeht.« 2024 waren 21 Menschen im Kreis bei Verkehrsunfällen gestorben. »Das ist natürlich eine deutliche Verbesserung. Und trotzdem sind zehn Tote mit schrecklichem Leid verbunden – für die Familien, für die Angehörigen, aber auch für die Einsatzkräfte.«

Den Blick auf die Unfallursachen hält Ramers für besonders aufschlussreich. »Bei vielen Unfallursachen sind das Dinge, die können wir alle beeinflussen. Das ist Unaufmerksamkeit, weil man das Handy benutzt, das ist zu hohe Geschwindigkeit, das ist Alkohol, das ist Drogenkonsum.« Die Polizei setzt dabei auf zwei Säulen: Repression – klassische Kontrollen mit Geschwindigkeitsmessungen und Atemalkoholtests – und gezielte Prävention.

Besonders am Herzen liegen Ramers, Mälchers und Meister die Präventionsarbeit. Die Angebote der Kreispolizeibehörde sind breit gefächert: Crashkurse für junge Fahranfänger, Verkehrsunterricht in Kitas und Grundschulen, Pedelec-Schulungen und Seniorenkino für ältere Verkehrsteilnehmer sowie gezielte Veranstaltungen für Motorradfahrer. »Ich glaube, das sind alles ganz wichtige Maßnahmen, die in der Summe eine Sensibilität und ein Umdenken bei den Verkehrsteilnehmern bewirken«, so Ramers.

Polizeirätin Annika Meister analysierte die Unfallursachen im Detail. Betrachtet werden dabei die Unfälle der Kategorien eins bis vier – also jene mit Verletzten oder schwerem Sachschaden, insgesamt 438 Fälle. Mit Abstand häufigster Auslöser: Vorfahrt und Vorrang mit 133 Fällen, gefolgt von überhöhter Geschwindigkeit (87), Abbiege- und Wendevorgängen (65) sowie zu geringem Abstand (51) und Alkohol am Steuer (46). »Das ist in ländlichen Bereichen eine sehr typische Verteilung der Unfallursachen«, erläuterte Meister.

Kinder, Jugendliche, Senioren

Bei Kindern bis 15 Jahren gab es 55 Leichtverletzte und zehn Schwerverletzte – kein Todesopfer. Am häufigsten waren Kinder als Pkw-Mitfahrer (19), Radfahrer (19) und Fußgänger (14) betroffen. Die Polizei ist in dieser Gruppe sehr aktiv und bietet unter anderem Radfahrausbildung, Puppenbühnenvorstellungen in Kitas oder Busschulungen an Grundschulen an.

Bei Jugendlichen von 15 bis 17 Jahren wurden 45 leicht und 18 schwer verletzt, kein Todesfall. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen gab es 126 Leichtverletzte, 21 Schwerverletzte und zwei Todesopfer. Dort dominiert die Pkw-Nutzung mit 110 Beteiligten; auch Krafträder (64) spielen eine deutliche Rolle.

»Hinter den Schwerverletzten stecken teilweise langfristige Heilungsprozesse und lebenslange Einschränkungen«, betonte Meister. Der Crashkurs bleibt zentrales Präventionsinstrument, ergänzt durch Drogenquiz-Veranstaltungen und Informationen zur Schutzkleidung.

Für Senioren ab 65 Jahren verzeichnete die Statistik 2025 sechs Todesopfer, 32 Schwerverletzte und 86 Leichtverletzte. Diese Gruppe ist neben der Pkw-Nutzung (54 Beteiligte) besonders häufig auf Krafträdern (16) und Fahrrädern (16) verunglückt. Gezielt bietet die Polizei Pedelec-Schulungen, Rollatorentraining und den Pedelec-Simulator an, mit dem Senioren das neue Fahrgefühl in gesicherter Umgebung erproben können.

Gesondert betrachtete Meister die E-Scooter-Unfälle. Im Jahr 2025 gab es 34 Verunglückte, darunter fünf Kinder. Prozentuale Vergleiche seien bei solch kleinen Fallzahlen jedoch wenig aussagekräftig, so Meister. Die geringe Verbreitung der E-Scooter im Kreis erklärt sie auch mit der Topografie: »Viele von ihnen kämpfen mit den Höhenunterschieden hier. Der Akku hält gar nicht so lange, dass sich das für die meisten über längere Strecken lohnt.«

Anlass zur Sorge gibt die Entwicklung bei der Verkehrsunfallflucht. Die Fälle mit Personenschaden stiegen auf 65 – ein Vierjahrshöchststand, die mit Sachschaden legten von 1015 auf 1146 zu. »Das ist besorgniserregend, wenn Menschen tatsächlich verletzt wurden und sich ein Verkehrsteilnehmer dann vom Unfallort entfernt«, sagte Meister.

Wildunfälle und Unfallhäufungsstellen

Die Zahl der Wildunfälle ging deutlich zurück: 851 Kollisionen mit Wild wurden 2025 registriert – nach 983 im Vorjahr. Die Unfallhäufungsstellen im Kreisgebiet umfassen 14 neu identifizierte Punkte, unter anderem in Gemünd an der B266 und B265, am Frankengraben (K82), in Pesch an der L206, in Nöthen an der L165 sowie an der B258 und B51 im Südkreis. Gabriele Mälchers: »Diese Punkte werden von der Unfallkommission, bestehend aus Polizei, Straßenverkehrsbehörde und Bezirksregierung, genau analysiert.«

Neben Kontrolle und Prävention betonte Markus Ramers die Bedeutung der Kooperation. Straßenverkehrsamt, Bußgeldstelle, Bezirksregierung, Straßenbaulastträger sowie Städte und Gemeinden arbeiten mit der Polizei Hand in Hand, um gefährliche Stellen auch baulich zu entschärfen. »Viele gefährliche Verkehrssituationen können sich baulich entschärfen lassen – durch Baumaßnahmen, Beschilderung oder Geschwindigkeitsregelungen. Das zeigt Wirkung an vielen Stellen.« Als Beispiel nannte er den Kreuzungsbereich L115/K41 in Freilingen, wo ein Kreisverkehr entstehen soll.

Am Ende blieb die Botschaft: »Achtet auf euch, aber achtet auch auf andere.«