Michael Nielen

Wer schwingt gerne den Kochlöffel?

Euskirchen. Jeden Donnerstag um acht Uhr morgens beginnt in der evangelischen Sophiengemeinde an der Kölner Straße ein besonderer Tag. Dann rücken ehrenamtliche Teams an, um gemeinsam eine warme Mahlzeit zu kochen.

Wobei das ziemlich untertrieben ist. »Es kommen rund 90 Menschen die Woche, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht so gut geht«, erklärt Iris Hoffmann, Ehrenamtskoordinatorin der Gemeinde. »Es kann jeder kommen, der will und beürftig ist.«

Die SuppenKirche gibt es seit elf Jahren und läuft wie ein Uhrwerk - doch aktuell wird für eines der Teams jemand gesucht, der am zweiten Donnerstag im Monat zwischen 8 und 14.30 Uhr Zeit hat, die Planung und Zubereitung der Mahlzeiten gemeinsam mit dem Team in die Hand zu nehmen. »Man muss kein Profikoch sein«, betont Iris Hoffmann. Man erhalte Unterstützung und die Küche verfüge über eine Profiausstattung. Auch Hobbyköche sind herzlich willkommen.

»Man sollte das Zutrauen und die Erfahrung haben, vielleicht weil man mal für eine größere Gruppe im Sportverein oder so gekocht hat«, sagt der Küster Michael Bork und nennt als Beispiel Kirsten Tschorn. Sie bekochte als Mutter vier gestandene Söhne mit reichlich Hunger. »Sie hat gesagt, wenn ich Rezepte für zehn koche, dann muss ich das Ganze nur mal acht nehmen«, schmunzelt Bork. »Man kann gerne unverbindlich zum Schnuppern kommen, das Team kennenlernen und mal probekochen«, so Iris Hoffmann.

Team 4 zaubert mediterranen Fisch

An diesem Donnerstag wirbelt Team 4 in der Küche und zaubert für die Gäste mediterranen Fisch und als Nachtisch Muffins. Benvinda Dembski, Mina Brotzmann, Kirsten Tschorn und Marita Elwert sind dabei ein eingespieltes Team, das mit viel Freude bei der ehrenamtlichen Arbeit ist.

Warum man sich in der SuppenKirche engagiert? »Weil es schön ist, für die Menschen zu kochen und hier als Team zusammen zu arbeiten«, sagt Kirsten Tschorn mit einem Lächeln, das aus der Seele kommt. Ähnlich fällt die Antwort von Benvinda Demski aus, die gleich in zwei Teams dabei ist: »Ich gehe mit dem schönen Gedanken nach Hause, den Menschen eine Freude gemacht und ihnen geholfen zu haben.«

»Wir erhalten auch oft Lob von den Leuten, die sich bei uns bedanken«, verraten Marita Elwart und Mina Brotzmann, die schon seit elf Jahren dabei ist.Seit 2015 öffnen sich donnerstags um elf Uhr die Türen zum Gemeindesaal - und das wirklich ausnahmslos. »Wir hatten tatsächlich seit 2015 nur einmal zu - während der Flut, wie hier der Strom abgestellt wurde«, erinnert sich Iris Hoffmann. »Sonst haben wir auch an Feiertagen offen, egal ob Heiligabend, erster Mai oder was auch immer.«

Selbst während der Corona-Zeit ließ man die Gäste nicht im Stich. »Da haben wir Suppe to go gemacht«, erzählt Küster Michael Bork. An die Schnitzelbrötchen erinnerten sich einige Gäste wegen ihrer Größe noch heute ...

Doch SuppenKirche ist mehr als eine warme Mahlzeit. »Es geht ja auch um Einsamkeit«, betont Iris Hoffmann. »Wir haben ganz viele, die richtige Stammtische haben, zusammensitzen und ihr Schwätzchen halten. Das ist auch ein ganz wichtiger Bestandteil.« Die Gäste kommen aus allen Altersschichten, wobei die ältere Generation zahlenmäßig die größte Gruppe ist.

»Es sind auch Wohnungslose dabei, aber nicht nur. Manchmal ist halt auch die Rente knapp oder das Haushaltsgeld reicht nicht mehr«, sagt Iris Hoffmann. Aktuell sind 45 Ehrenamtliche im Einsatz, die aus der ganzen Region kommen, sogar aus der Eifel. »Unsere Arbeit hat sich rumgesprochen«, freut sich die Ehrenamtskoordinatorin. Man erhalte etwa Anrufe von Menschen, die in Rente gehen und sich engagieren wollen.

Der Ablauf ist gut organisiert: »Wir fangen donnerstags um acht Uhr an, dann legt das Team los«, erklärt Iris Hoffmann. »Wir haben in jedem Team immer einen Koch und einen Teamsprecher.« Die teilen sich die Aufgaben auf. »Der Koch überlegt, was wird gekocht - und er kümmert sich auch um die Einkäufe - bei Bedarf auch mit dem Teamsprecher.« Dann geht es ans Werk.

Ein Teil vom Team ist im Saal, baut die Tische und die Stühle auf und deckt ein. Die anderen sind in der Küche. Dort wird geschnibbelt und gebrutzelt. Insgesamt sind immer rund acht Leute im Einsatz - die braucht man auch, weil hinterher wieder Klarschiff gemacht und gespült werden muss. »Es gibt nicht nur Suppe, wie der Name vielleicht vermuten lässt, sondern gute Hausmannskost.« Dazu gehöre immer auch ein Nachtisch.

Bemerkenswert: Die SuppenKirche finanziert sich ausschließlich durch Spenden, die beständig eingehen - was an dem guten Ruf liegt, den das Projekt besitzt. Zudem steht ein Spendentopf im Gemeindesaal bereit. »Da kann jeder, der will, etwas reintun«, so Iris Hoffman. Das Essen selbst ist kostenfrei.

Wer Lust hat, als Koch jeden zweiten Donnerstag seinen Beitrag im ehrenamtlichen Team zu leisten, kann sich gerne bei Diakon Jens Schramm, Tel.: 02251/81332-13 oder Iris Hoffmann, Tel.: 02251/81332-14, sowie unter iris.hoffmann.1@ekir.de melden.


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