

In schlichten Holzrahmen auf Augenhöhe blicken sie die Besucher an – 40 Menschen aus der Eifelregion, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer fielen. Mit einer einzigartigen Mischung aus analoger Erinnerungskultur und digitaler Innovation hat Vogelsang IP am Donnerstag den »Raum der Stille und des Gedenkens« eröffnet.
»WeRemember Eifel ist wirklich eine ganz besondere Ausstellung, an der sehr viele Akteure mitgearbeitet haben«, erklärte Thomas Kreyes, Geschäftsführer der Vogelsang IP gGmbH, bei der feierlichen Eröffnung im Besucherzentrum. Seine Aufregung war spürbar: Zum ersten Mal werden hier historische Fotografien mithilfe Künstlicher Intelligenz behutsam animiert. »Unsere Intention war es, den verfolgten Menschen ein Gesicht zu geben und sie und ihre Geschichte zu bewahren, so wie man es auch zuhause mit den Liebsten macht.«
Nach der musikalischen Einstimmung würdigte Thomas Böll vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung besonders das Engagement junger Menschen: »Je jünger die Menschen, desto schwieriger die Verbindung zu den Geschehnissen von damals – und daher finde ich es toll, dass das Wissen hier so engagiert weitergegeben wird.« Mit einem eindringlichen Appell schloss er: »Erinnerungskultur heißt auch immer Erinnerungsarbeit. Es ist unsere Aufgabe, diese Schicksale bekannt zu machen und zu verdeutlichen, dass Verbrechen auch vor der eigenen Haustür geschehen sind.«
Annegret Lewak, stellvertretende Landrätin des Kreises Euskirchen, dankte dem wissenschaftlichen Team und richtete sich direkt an die anwesenden Schüler: »Ihr schaut in die Vergangenheit und schlagt eine Brücke in die Gegenwart – und das ist es, was wir brauchen.«
Sieben der 40 Biografien haben Schüler des Johannes-Sturmius-Gymnasiums Schleiden erarbeitet. Florian Mixa deckte dabei eine jahrzehntelange Ortsverwechslung auf: Eine verfolgte Familie stammte nicht aus Oberhausen-Schleiden, sondern aus der Stadt Oberhausen.
Emely Janzen recherchierte die weitgehend unerforschte Geschichte von Johanna Kaufmann, die der NS-Euthanasie zum Opfer fiel. Hlynur-Jakob Limbeck setzte die Geschichte der Familie Kaufmann in einer Graphic Novel um.
Dr. Marc Meyer, Leiter Wissenschaft und Bildung an Vogelsang IP, erläuterte das Konzept: »Wir haben uns bewusst für Mittel der Digitalisierung entschieden, um besonders auch jüngere Besucher zu erreichen.« Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit lokalen Geschichtsvereinen, Heimatforschern und Initiativen wie dem Gedenkbuchprojekt Aachen um Wilma Hoekstra-von Cleef.
#WeRememberEifel versteht sich als wachsendes Projekt. Weitere Biografien von NS-Verfolgten aus der gesamten Region sollen folgen.



