

andrea fischer
Hermeskeil. Manche Menschen sammeln Fotos, andere bewahren Erinnerungsstücke in Kisten auf. Ernst Blasius hat seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Fünf Jahre lang arbeitete der Hermeskeiler an seinem Buch, das rechtzeitig zu seinem 80. Geburtstag fertig werden sollte. „Fünf Jahre habe ich daran gearbeitet“, erzählt er. Als es schließlich so weit war, bekam jeder seiner Gäste ein Exemplar. Das Buch ist nicht im Handel erhältlich. Es war als persönliches Geschenk für die Geburtstagsgäste gedacht – und als Rückschau auf ein Leben, in dem die Feuerwehr von Anfang an eine besondere Rolle spielte. Die Begeisterung dafür wurde Ernst Blasius gewissermaßen in die Wiege gelegt. Sein Vater Johann Blasius war Feuerwehrmann und Mitbegründer der Amtsfeuerwehr Hermeskeil.
Die Leidenschaft
wurde ihm in die
Wiege gelegt
Schon als Kind begleitete Ernst seinen Vater und bekam so früh mit, was diese Aufgabe bedeutete. 1962 trat er selbst in die Feuerwehr ein. Von da an sollte sie seinen Lebensweg entscheidend prägen.
1978 wurde Ernst Blasius zunächst kommissarisch zum Wehrführer ernannt, im Januar 1979 übernahm er das Amt offiziell. Unter seiner Leitung wuchs die Wehr innerhalb kurzer Zeit deutlich. Später war er 13 Jahre lang hauptamtlicher Gerätewart der Verbandsgemeinde Hermeskeil und für die 16 Feuerwehren der Verbandsgemeinde zuständig. Insgesamt stand er 22 Jahre an der Spitze der Wehr.
Doch die Feuerwehr war für Ernst Blasius weit mehr als ein Beruf oder eine ehrenamtliche Aufgabe. Besonders die Geschichte der Feuerwehrtechnik hatte es ihm angetan. Was andere vielleicht als alten Schrotthaufen angesehen hätten, erkannte er als wertvolles Stück Vergangenheit.
Mit handwerklichem Geschick restaurierte er historische Geräte und Fahrzeuge und hauchte ihnen neues Leben ein. Auch diese Erlebnisse und die Entwicklung historischer Feuerwehrtechnik hat er in seinem Buch festgehalten.
Eine wichtige Rolle spielte dabei das feuerwehr erlebnis museum Hermeskeil, dessen Initiator und Mitbegründer er ist. Was mit der Restaurierung einer historischen Feuerspritze anlässlich der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1970 begann, entwickelte sich zu einer umfangreichen Sammlung mit rund 1500 Einzelexponaten. Über viele Jahre steckte Ernst Blasius unzählige Stunden in den Aufbau und die Pflege des Museums.
Gemeinsam mit anderen Feuerwehrkameraden machte er historische Technik wieder erlebbar. Aus scheinbar verlorenem Material entstanden dank seines handwerklichen Geschicks wieder originalgetreue historische Exponate.Inzwischen hat sich Ernst Blasius aus der aktiven Museumsarbeit etwas zurückgezogen. Zum einen wurde es wegen seines nachlassenden Gehörs schwieriger, Besucher bei Führungen zu begleiten. Zum anderen kamen neue Mitstreiter mit eigenen Vorstellungen hinzu. „Da habe ich mir gedacht, dass ich mich langsam zurückziehe“, erzählt er. Ganz losgelassen hat ihn die Feuerwehrgeschichte dennoch nicht.
„Heute fahre ich noch zu Oldtimertreffen, mache Werbung für das Museum und zeige Kindern an einer alten Feuerspritze, wie früher gelöscht wurde“, beschreibt er seine heutigen Aktivitäten.
All das findet sich in seinem Buch wieder – ebenso wie Erinnerungen an seine Arbeitsstellen und an die Familie.
Seine Frau Gertrud begleitet ihn seit Jahrzehnten. Die beiden haben drei Töchter und fünf Enkel. Auch sie halfen bei der Umsetzung des Buchprojekts: Die Enkel gestalteten den Umschlag und zeichneten darauf eine historische Wasserpumpe. Zudem unterstützten sie ihren Großvater bei der technischen Umsetzung und beim Druck.
So steckt in dem Buch nicht nur viel Arbeit und Herzblut von Ernst Blasius, sondern auch ein Stück gemeinsamer Familiengeschichte
Fünf Jahre Arbeit brauchte es bis zum fertigen Buch
Fünf Jahre lang hat Ernst Blasius an seinen Erinnerungen gearbeitet. Zum 80. Geburtstag sollte das Buch fertig sein – und tatsächlich gelang es ihm, diesen selbst gesetzten Termin einzuhalten. Dass seine Gäste anschließend jeweils ein Exemplar mit nach Hause nehmen konnten, macht den persönlichen Charakter des Projekts deutlich. Es ist kein Buch, das in den Handel soll, sondern eines, das Erinnerungen bewahrt und Menschen miteinander verbindet.
WochenSpiegel-
Ehrenorden 2016 für
Soziales Engagement
Wer auf das Leben von Ernst Blasius zurückblickt, erkennt schnell, wie viel Zeit, Wissen und Herzblut er in die Feuerwehr gesteckt hat. Für sein langjähriges soziales Engagement und seine Verdienste um das Brauchtum wurde er bereits vor zehn Jahren mit dem WochenSpiegel-Ehrenorden ausgezeichnet.
Sein Buch führt diese Lebensgeschichte auf ganz eigene Weise weiter: als persönlicher Rückblick auf das, was ihn geprägt hat – und als Erinnerung für die Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben.




