Andrea Fischer

Eine Bühne voller Überraschungen

Von Schlager bis Eminem, von großen Gefühlen bis zu schrillen Showeinlagen: „It’s a Woman’s World“ begeistert mehr als 500 Besucher in Hermeskeil. 28 Mitwirkende zeigen, wie vielfältig Frauen sind – und wie viel Talent im Hochwald steckt.

Was für ein Abend! Als sich am 24. Oktober in der Hochwaldhalle der Vorhang für „It’s a Woman’s World“ hob, war schnell klar: Diese Show lässt sich in keine Schublade stecken. Mal kraftvoll und mitreißend, mal gefühlvoll und nachdenklich, dann wieder herrlich schräg – das Publikum bekam über drei Stunden lang ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm geboten. Mehr als 500 Besucher ließen sich begeistern, immer wieder gab es Standing Ovations. Und mittendrin: zahlreiche Talente aus der Region, die bewiesen, dass große Bühnenmomente nicht unbedingt eine große Stadt brauchen.

Von „Ich will ’nen Cowboy als Mann“ über „Mamma Mia“ und „I Will Survive“ bis hin zu Eminems „Lose Yourself“ reichte die musikalische Palette. Die 28 Mitwirkenden verbanden Gesang, Tanz und Schauspiel zu einer Show, die immer wieder neue Facetten zeigte. Cody Ruf sorgte mit „Ich will keine Schokolade“ für einen besonders unterhaltsamen Moment. Michelle Meurer war ebenfalls ein echtes Highlight des Abends. Und Manuel Düpre bewies, dass er weit mehr kann, als souverän durch ein Programm zu führen: Als Moderator hielt er die Fäden zusammen, stand als Duett-Partner auf der Bühne und sang unter anderem „Wann ist ein Mann ein Mann“.
Zum Finale wurde es dann noch einmal herrlich schrill: Mit Strapsen und einem Auszug aus der „Rocky Horror Picture Show“ setzte Manuel Düpre einen ebenso überraschenden wie augenzwinkernden Schlusspunkt. Genau diese Mischung machte den Reiz des Abends aus: Hier durfte es glamourös und emotional, nachdenklich und provokant, aber auch einfach ausgelassen sein.

Frauen in all ihren Facetten

Die Idee zu „It’s a Woman’s World“ hatte Elisa Rehlinger nach ihrer Arbeit an „Dracula“, bei dem sie Regie geführt und choreografiert hatte. Mehrere Frauen hatten sie gefragt, ob sie bei künftigen Produktionen mitwirken könnten. „Wieso mache ich nicht eigentlich mal eine Show, wo Frauen die erste Geige spielen?“, dachte sich die 26-Jährige. Aus dieser Überlegung wurde ein eigenes Bühnenprojekt, in dem Frauen mit ihren Stärken und Verletzlichkeiten, ihren Träumen, Beziehungen und Brüchen im Mittelpunkt stehen.
Dabei ging es keineswegs darum, Männer an den Pranger zu stellen. Vielmehr nahm die Show Rollenbilder mit Humor aufs Korn und regte dazu an, genauer hinzuschauen. Liebe, Freundschaft, Familie, Mutter-Tochter-Beziehungen und Gleichberechtigung fanden ebenso ihren Platz wie die Frage, wie Frauen in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden. „Am wichtigsten ist es, dass alle Menschen zusammen dafür kämpfen, dass Frauen und Männer gleichgestellt sind“, betonte Elisa Rehlinger. Frauen sollten sich nicht kleinmachen lassen, sondern für sich selbst und füreinander einstehen.

Dass ernste Themen und Unterhaltung sich keineswegs ausschließen, zeigte auch die Reaktion des Publikums. Hermeskeils Stadtbürgermeister Christoph König zeigte sich begeistert von der professionellen Umsetzung und den vielen Gänsehautmomenten. Besonders hob er die regionalen Mitwirkenden hervor, die eindrucksvoll gezeigt hätten, wie viele großartige Talente im Hochwald zu Hause seien.


Ein Moment, der unter die Haut ging

Für Elisa Rehlinger war die Premiere auch persönlich ein besonderer Augenblick. Während sich das Publikum von der ersten Moderation an auf die Show einließ, war sie hinter der Bühne noch damit beschäftigt, nervöse Mitwirkende zu beruhigen und zu ermutigen. Als die ersten Lacher aus dem Saal zu hören waren, fiel auch bei ihr ein Stück Anspannung ab. Dass das Konzept aufging, spürte sie nicht zuletzt an den Reaktionen nach der Vorstellung: Allein auf WhatsApp warteten anschließend rund 120 ungelesene Nachrichten auf sie.
Besonders nahe ging ihr der Auftritt mit dem Lied „Das bin ich“ kurz vor dem Finale. Die Zeilen über einzelne Teile, die sich zu einem Ganzen fügen, erinnerten sie an die Menschen, die sie für dieses Projekt zusammengebracht hatte. „Ich war aber ganz entspannt, weil live ist halt live“, sagte sie rückblickend. Natürlich laufe bei einer Live-Show nicht immer alles perfekt. Ein Einsatz könne danebenliegen, ein Ton misslingen oder ein Tanzschritt nicht sitzen. Entscheidend sei, dass die Energie auf der Bühne stimme und das Publikum mitgenommen werde.

Genau das gelang auch durch die vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten. Für Rehlinger war es wichtig, nicht nur selbst auf der Bühne zu stehen, sondern auch jüngere Darstellerinnen zu fördern. Einige der Mädchen waren erst 14 bis 17 Jahre alt und standen vor mehr als 500 Menschen auf einer Bühne – für manche eine der größten Erfahrungen ihrer bisherigen Laufbahn. Bei der Schmetterlingsnummer unterstützte Rehlinger die Jüngeren deshalb bewusst selbst auf der Bühne. „Ich möchte, dass sie das positiv in Erinnerung behalten und dass sie weitermachen und dranbleiben.“


Der Hochwald kann große Bühne

Hinter der Produktion stehen neben Rehlinger auch das Kompetenzzentrum für Musik am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Dillingen unter der Leitung von Werner Dräger sowie zahlreiche Künstler, Organisatoren und Helfer. Michelle Meurer war nicht nur auf der Bühne präsent, sondern auch stark in die Organisation eingebunden. Acht Mitwirkende kamen aus Hermeskeil und der näheren Umgebung. Dass sie gemeinsam mit erfahrenen Bühnenprofis ein Programm auf die Beine stellten, das mehr als drei Stunden lang fesselte, machte den Abend auch zu einem eindrucksvollen Bekenntnis zur Kultur vor Ort.

Die Stadt Hermeskeil möchte diese Talente künftig stärker fördern. Erste Gespräche über einen möglichen Standort, an dem junge Menschen ihre musikalischen Fähigkeiten weiterentwickeln können, laufen bereits. Der Auftritt zeigte jedenfalls, welches Potenzial in der Region steckt, wenn Menschen ihre Fähigkeiten zusammenbringen und sich gegenseitig stärken.

Und wie geht es weiter? Konkrete Termine stehen noch nicht fest, doch Elisa Rehlinger kann sich gut vorstellen, 2027 ein oder zwei weitere Vorstellungen auf die Bühne zu bringen – möglicherweise auch im Saarland, damit noch mehr Menschen die Show erleben können. Vielleicht gibt es in einigen Jahren sogar eine Fortsetzung. Nach diesem Premierenabend dürfte die Idee jedenfalls auf offene Ohren stoßen. Denn „It’s a Woman’s World“ war nicht nur eine Hommage an Frauen, sondern auch ein Abend, der eindrucksvoll bewies: Wenn viele unterschiedliche Stimmen zusammenkommen, entsteht etwas, das weit über einzelne Auftritte hinausgeht.

Weihnachtszauber im Cloef-Atrium

Mit einem stimmungsvollen Konzert stimmen Elisa Rehlinger und Philipp Groetzner am Mittwoch, 23. Dezember, im Cloef-Atrium in Orscholz auf Weihnachten ein. Gemeinsam mit einer vierköpfigen Live-Band präsentieren die beiden Sänger klassische deutsche Weihnachtslieder, moderne Christmas-Songs sowie gefühlvolle Musical- und Popballaden. Beginnend mit besinnlichen Klängen bis hin zu fröhlichen Melodien verspricht das Konzert einen abwechslungsreichen Abend kurz vor Heiligabend.