

"Geboren am 27. April 1946 im Fischweg in Ruwer begann er seinen musikalischen Weg im Alter von neun Jahren im Kinderchor Ruwer und bekam Klavierunterricht bei Chorleiter Peter Kirsten, der sich mit 93 Jahren noch heute bester Gesundheit erfreut und sich gerne an den jungen Werner erinnert. Fortan hat ihn die Musik und später das Entertainment begeistert und nie mehr losgelassen. Beides war ein wesentlicher Teil seines Lebens.
Über seine ebenfalls sehr musikalischen Brüder Theo und Friedel - alle Bodschard-Brüder waren mit markanten, sonoren Bass-Bariton-Stimmen ausgestattet - landete er 1965 im Karneval bei den Trierer Funkensängern der KG Rote Funken in Trier. Die weitere Geschichte der Funkensänger nahm ihren Lauf ab dem Jahre 1972, als man sich als freie Band zunächst im Karneval und ab 1979 mit Werner Bodschard als Bandleader Mitte der 1980er Jahre als Showband im In- und benachbarten Ausland sehr erfolgreich u.a. mit Schallplatten- und CD-Produktionen sowie Fernsehauftritten einen Namen machte, ehe man die Gruppe Anfang der 2000er Jahre bis 2013 in „De Funkis“ umbenannte.
Werner war ein Phänomen beim Arrangieren der Musiktitel für die Band. Die Musiker durften sich ihre Songs, die sie gerne singen möchten, meist selbst aussuchen. Werner bekam damals eine Musikkassette des Songs, setzte sich damit ans Klavier und schrieb die Noten für vierstimmigen Gesang und die Instrumentalbesetzung. Zum Einstudieren des Gesangs versammelte er die Musiker um sich und sang und spielte die einzelnen Stimmen vor, bis man diese verinnerlicht hatte und der Song saß. Dies geschah entweder bei ihm zuhause mit seinen selbstgebackenen köstlichen Frikadellen oder im Proberaum in Ruwer. Anschließend ging es an die von ihm handgeschriebenen Notenblätter für den Bläsersatz und Gitarre. Peu á peu wurde so ein abwechslungsreiches Repertoire erarbeitet. Die Texte – meist in Trierer Mundart – kamen natürlich auch aus seiner Feder, oftmals passend zu aktuellen Themen oder Ereignissen, hier und da auch mit Lokalkolorit. Sein wohl bekanntestes Werk, unvergessen auch heute noch oft zu hören, war wohl sein „Oh Majusebetter“ auf die Melodie „Mamma Maria“ von Richi e Poveri.
Der ehemalige Inspektor, Dienststellenleiter und Lehrer für Betriebssicherheit und Personalführung der Deutschen Bahn kannte keinen Leerlauf. Und so leitete er ab 2002 ehrenamtlich in seiner damaligen Wahlheimat Trier-Euren den Kinderchor „Eurener Kirchturm-Kooben“, trat mit diesen bei Weihnachts-Gottesdiensten, der Trierer Chormeile oder dem Altstadtfest auf. Überhaupt hatte er sich insbesondere dem musikalischen Nachwuchs verschrieben, konnte Kinder und Jugendliche für die Musik, egal ob mit Kirchenliedern, Musicals oder seinen selbst geschriebenen Liedtexten, begeistern. Sein Humor, seine Art des Unterrichtes, sein Umgang mit Menschen und seine eigene Begeisterung kamen enorm an. „Wenn ich sehe, wie die Augen der Kinder leuchten beim Singen, geht mir das Herz auf“ erklärte der Musiker einst.
Stichwort Herz: Werner war auch ein Genussmensch, was im Laufe der Jahre zu einer stattlichen Figur führte. Und so blieb es nicht aus, dass er auch gesundheitliche Einschränkungen hinnehmen musste. Aber all dies brachte ihn nicht von seiner Leidenschaft ab.
Neben den Familiengottesdiensten folgten viele Jahre auch Auftritte in Alten- und Seniorenheimen, sehr zur Freude der Bewohner und Mitarbeiter. Nach seinem Umzug nach Schweich war er natürlich auch hier sehr aktiv. Neben politischem Einsatz sang er dort mit den Kindern der AG „Soziales Engagement“ ebenfalls in regelmäßigen Abständen in der dortigen Seniorenresidenz oder beispielsweise im Seniorencafé in Hetzerath. Oder er gestaltete Seniorennachmittage alleine mit Vorträgen und Gesang am Klavier vielerorts.
Denn das war eine weitere Leidenschaft: Werner trug herzerfrischend Mundart-Gedichte und Geschichten vor oder begleitete sich selbst am Klavier mit alten Schlagern der 1950er Jahre.
Ich wollte mich im Herbst vergangenen Jahres einmal selbst davon überzeugen und besuchte mit einem Freund in Euren unter dem Titel „Laustert mal“ einen Mundart-Abend mit ihm. Köstlich wie er das Publikum mit seinen humorvollen Geschichten in Moselfränkisch, die er allesamt sortiert zu Papier gebracht hatte, in den Bann zog und zum Schmunzeln, Lachen und spontanem Applaus animierte. Was mir besonders auffiel und imponierte: Bei allem, was er erlebt hatte in seinem ereignisreichen Leben und dem Erfolg, ist er sich immer treu geblieben und hat seinen Heimatort Ruwer, als es noch ein Dorf war, das Leben dort, die Menschen und im Besonderen den Fischweg nie vergessen. Das spiegelte sich in zahlreichen Geschichten, die er erzählte, wider. Dazu muss man wissen, dass die Menschen im Fischweg, und damit ist Ruwer-Maximin gemeint, schon in frühen Jahren eine verschworene Gemeinschaft waren.
Werner Bodschard wurde verdientermaßen mit vielen Auszeichnungen und Ehrungen, ob im Karneval, als Respekt-Preisträger im TV und so manchem mehr bedacht. Seit annähernd 70 Jahren war er mit Herz und Seele Musiker und die Freude an dem was er machte, war ihm bis zu seinen letzten Auftritten vor wenigen Wochen anzusehen. Die Musik, durch die er so viel erlebt hat und die ihm immer geholfen habe, ob in guten wie auch in schlechten Zeiten des Lebens, habe ihn fit gehalten, so seine Worte vor einigen Jahren.
Dieses Leben für und mit der Musik endete für Werner Bodschard nach kurzer schwerer Erkrankung plötzlich vor wenigen Tagen. Für viele Generationen – angefangen bei den Kindern, die er für die Musik begeisterte bis zu den Senioren, denen er mit seinen Liedern am Klavier wieder ein Stück ihrer Jugend zurückgab, bedeutet sein Tod mehr als ein großer Verlust. Wie gerne hätten sie alle ihm den achtzigsten Geburtstag Ende April gegönnt und ihm persönlich gratuliert. Nicht nur diese Menschen, denen er so viel gegeben hat, sondern jeder der das Vergnügen hatte, ihn als Freund, genialen Musiker und wunderbaren, humorvollen Menschen kennen- und schätzen zu lernen oder gar mit ihm zu musizieren, werden ihn vermissen und ganz sicher nie vergessen. Es war mir und vielen Musikern und Sängern eine Ehre mit Werner Bodschard auf der Bühne gestanden und mit ihm musiziert zu haben. Toll, dass es ihn gab!
Eine Trierer Legende ist gegangen, aber in seinen Liedern, Gedichten und Geschichten wird er weiter unter uns sein. Was bleibt ist eine große Dankbarkeit und bleibende Erinnerungen an tolle gemeinsame Zeiten.
Und so möchte ich enden mit einem Auszug aus einem Song, den mir Werner Bodschard in der Ära der Funkensänger einst in seiner unnachahmlichen Art auf den Leib geschrieben hatte. Es war zu der Zeit als Trier die Partnerschaft mit Fort Worth besiegelte. Der deutsche Text, den er kreierte, aktueller denn je, im Original der Titel „Wonderful World“ von Sam Cook:
Wär´ die ganze Welt Harmonie, alle Menschen voll Sympathie. Kehrt auf Erden der Friede ein, ach was würden wir glücklich sein. Unser Leben voll Harmonie, unser Leben voll Sympathie,
ach wie schön wär es auf dieser Welt.
Freundschaft wie Trierer sie schaffen, ist der richt´ge Weg. Zu der Verständigung der Völker, Wohlstand, Friede…nie mehr Krieg"
Text: Lothar Pelzer




