

Was haben ein Notenschlüssel, das Stück einer Baumwurzel, eine Krippenfigur und eine Wallfahrtskerze gemeinsam? Sie alle symbolisieren ein Stück kirchlichen Lebens im Hochwald und haben im Festgottesdienst mit Generalvikar Ulrich von Plettenberg am 14. März im ehemaligen Franziskanerkloster in Hermeskeil eine wichtige Rolle gespielt. Denn die an diesem Tag stattfindende Synodalversammlung des Pastoralen Raums Hermeskeil hatte dezentral an fünf lebendigen Orten von Kirche begonnen und ging dann im „Klösterchen” in Hermeskeil weiter: Aus der Wallfahrtskirche in Berglicht wurde eine Kerze mitgebracht; den Notenschlüssel gab es von der Kinder- und Jugendkantorei sowie dem Kirchenchor Reinsfeld; die Krippenfigur mit dem Konterfei von Pfarrer Christian Heinz hatten die Thommer Krippenbauer dabei; das Wurzelstück symbolisierte die Nationalparkkirche in Muhl und eine Schürze hatten die Haupt- und Ehrenamtlichen von der neu gegründeten Tafel in Hermeskeil im Gepäck.
Alle Symbolgegenstände wurden vor den Altar in der bis auf die hintersten Treppen besetzten Heilig-Geist-Klosterkirche gelegt, wo von Plettenberg den Gottesdienst zelebrierte. In seiner Predigt sagte er, die gerade veröffentlichte Statistik der katholischen Kirche in Deutschland mache eher nachdenklich und traurig. Aber sie bilde nur “nackte Zahlen” des kirchlichen Lebens in den Gemeinden ab. „All das, was an Geschichten, an Lebendigkeit hinter vielen Ehrenämtern und Initiativen steht, kommt darin nicht rüber. Die Menschen, die nach Berglicht pilgern und nach dem Abschlusssegen bewirtet werden; die Sängerinnen und Sänger, die mit Leib und Seele Gott loben, danken und bitten; diejenigen, die Verantwortung übernehmen für die Schöpfung durch nachhaltige Projekte im Nationalpark; diejenigen, die mit ihren anschaulichen Krippen die göttliche Präsenz unter die Menschen bringen oder jene, die die Bedürftigen durch das Engagement der Tafel nicht vergessen und ihnen Würde schenken: Sie alle prägen unsere Kirche und eben diesen Pastoralen Raum”, so der Generalvikar. Und solche Orten gebe es noch mehr: etwa Kitas, Schulen, das Mehrgenerationenhaus, die Lebensberatungen. Es gehe um jene Menschen, die kirchliches Leben in heutiger Zeit gestalten und mit ihrem Einsatz Erfahrungen teilten, die Mut und Hoffnung machten. „Damit haben wir eine Lebendigkeit und Kraft, mit der wir in die Gesellschaft hineinwirken können.” Im Anschluss an den Gottesdienst konnten sich die Teilnehmenden der Synodalversammlung bei zahlreichen Workshops oder beim gemeinsamen Imbiss austauschen und neue Kontakte knüpfen.
Superintendent Jörg Weber vom evangelischen Kirchenkreis Trier betonte die tiefe Verbundenheit und ökumenische Gemeinschaft mit dem Pastoralen Raum Hermeskeil, besonders über die Nationalparkkirche. Das sei einer der Punkte, der ihn und von Plettenberg eine: der Einsatz für den Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung. Grußworte von kommunaler Seite überbrachte in Vertretung für den Bürgermeister Bernhard Kronenberger. Die Stadt Hermeskeil begrüße es sehr, dass es im Klösterchen als einem Ort mit langer lebendiger Tradition nach dem Weggang der Franziskaner weitergehe; zunächst mit der Gründung des Fördervereins Kulturkloster, und jetzt noch mehr mit dem Umzug des Personals des Pastoralen Raums und der Pfarrei Sankt Franziskus in die Räumlichkeiten des Klosters. Das verdanke sich auch dem großen Engagement von Christian Heinz, der sich persönlich für das Klösterchen eingesetzt habe. Dem schloss sich Verbandsbürgermeister Stefan Ding an. Zum „Klösterchen” hätten viele Menschen eine besondere persönliche Verbindung; deshalb sei dies ein “Fest- und Freudentag” für viele Menschen in der Region.
Zu ihnen gehören auch jene beiden lokal ansässigen Unternehmer, die mit dem Kauf des Areals überhaupt erst möglich gemacht haben, dass das Klösterchen zu spirituellen und kulturellen Zwecken weitergenutzt werden kann: Uwe Düpre und Johannes Kiefer. Kiefer betont: „Unsere Intention war, dass die Klosterkirche als Kirche erhalten werden kann. Dieser Ort war und ist für viele Menschen in der Umgebung ein wichtiger Ort, mit vielen Verbindungen und Erinnerungen, uns eingeschlossen. Die Menschen brauchen solche Orte, die exemplarisch für die Kraft von Verbindungen untereinander stehen.” Bei Düpre ist es fast schon sowas wie Familiensache: „Mein Vater hat damals auch schon die Franziskanerbrüder unterstützt, das Kloster gehört zu Hermeskeil seit eh und je. Als wir mitbekamen, dass das Kloster zumachte, war das schon traurig. Als wir dann hörten, dass es zum Verkauf steht, haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir das Klösterchen mit welchem Konzept kaufen könnten. Uns lag viel daran, dass hier ein Begegnungspunkt bleibt.”
Der Förderverein, der sich im Herbst 2024 gründete und dem 87 Leute angehören, belebt das Kloster mit Veranstaltungen wie Vernissagen, Lesungen und anderen Kulturveranstaltungen. Engagiert ist hier zum Beispiel das Ehepaar Hedi und Bernhard Willems. „Ich war hier schon mit meinen Kindern bei den Patres in Kinderexerzitien, später haben sie hier Musik gemacht und zuletzt feierten wir hier die Hochzeit meiner jüngeren Tochter”, sagte Hedi Willems. Sie kümmert sich um den Blumenschmuck für die Kirche, während ihr Mann Schatzmeister des Vereins ist und im Klosterensemble Musik macht. Zusätzlich übernimmt er Gärtnerdienste rund um das Koster und schließt die Kirche jeden Tag auf und zu für all jene, die einen ruhigen Ort zum Beten suchen. Genau wie seinen Mit-Musikern, die teils seit 40 Jahren im Klosterensemble spielen, ist ihm die Freude deutlich anzumerken, dass es an diesem Ort weitergeht.




