Mario Zender

Kian H. schweigt zur Bluttat an seiner Familie

Kian H. (19) soll drei Menschen getötet haben. Seit heute muss er sich vor dem Landgericht Trier verantworten.

Kian H. (19) soll drei Menschen getötet haben. Seit heute muss er sich vor dem Landgericht Trier verantworten.

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Kian H. (19) soll drei Menschen getötet haben. Seit heute muss er sich vor dem Landgericht Trier verantworten.

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Trier/Ellscheid/Roetgen. Ein Weihnachtsurlaub auf den Kapverden endet in einer Katastrophe: Kian H. (19) soll seinen Vater Patric H. (58), dessen Lebensgefährtin und deren Tochter (21) mit einem Messer getötet haben. Beim Prozessauftakt am heutigen Mittwoch vor dem Landgericht Trier spricht der junge Mann aus Ellscheid (Landkreis Vulkaneifel) über sein Leben und Ärger im Gefängnis. Zu den Tatvorwürfen schweigt er.
Von Mario Zender

Kurz geschorene braune Haare, eine helle, runde Brille, grauer Pullover über weißem Hemd, Tätowierungen am Hals und an der Hand: So sitzt Kian H. im Gerichtssaal. Seine Hände sind mit Handschellen gefesselt, hinter ihm stehen zwei Justizbedienstete. Der junge Mann aus der Eifel muss sich vor der Jugendkammer des Landgerichts Trier wegen Mordes und zweifachen Totschlags verantworten. Zur Tatzeit war er 19 Jahre alt.
Als Oberstaatsanwalt Dr. Eric Samel die Anklage verliest, wird deutlich, dass sich hinter dem Aktenzeichen 2a KLs 8032 Js 37724/25 ein besonders grausames Verbrechen innerhalb einer Familie verbirgt. Samel, bei der Staatsanwaltschaft Trier schwerpunktmäßig für schwerste Straftaten zuständig, zeichnet das erschütternde Bild einer tödlichen Nacht. Drei Menschen verloren ihr Leben – während eines gemeinsamen Urlaubs, nur wenige Tage vor Weihnachten.
Am 17. Dezember 2025 waren Kian H., sein Vater Patric H., dessen Lebensgefährtin und deren Tochter auf die Kapverden gereist. Der Vater hatte die Familie eingeladen in Mindelo und auf der Insel São Vicente ein luxuriöses Penthouse gemietet. Nur sechs Tage später waren der 58-Jährige und die beiden Frauen tot.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte Kian H. seinen Rückflug bereits gebucht, bevor er in den frühen Morgenstunden des 23. Dezember zum Messer griff. Gegen 4 Uhr soll er zunächst die Tochter der Lebensgefährtin seines Vaters angegriffen haben. Er habe gewartet, bis die 21-Jährige eingeschlafen war, und dann auf sie eingestochen. Die junge Frau erlitt eine tödliche Verletzung der Halsschlagader.
Die Staatsanwaltschaft wertet den Angriff als heimtückischen Mord: Die Schlafende sei arglos gewesen und habe keine Möglichkeit gehabt, sich gegen den überraschenden Angriff zu wehren.
Durch das Geschehen aufgeschreckt, sollen Patric H. und seine Lebensgefährtin auf den Flur gekommen sein. Dort habe der Angeklagte unvermittelt seinen Vater attackiert. Dieser versuchte laut Anklage, sich zu verteidigen. Es kam zu einem heftigen Handgemenge. Der 58-Jährige erlitt zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen. Offenbar setzte er sich mit aller Kraft zur Wehr. Doch letztlich hatte er gegen seinen mit einem scharfen Messer bewaffneten Sohn keine Chance. Die Gerichtsmediziner stellten später fest, dass ihm sogar zwei Halswirbel durchtrennt worden waren.
Seine Lebensgefährtin soll sich unterdessen versteckt haben. Noch während des Tatgeschehens gelang es ihr, über einen Messengerdienst einen Hilferuf an eine Verwandte in Deutschland abzusetzen. Diese alarmierte die deutsche Polizei. Doch für die Frau kam jede Hilfe zu spät: Kian H. soll sie aufgespürt und ebenfalls mit Messerstichen getötet haben. Auch bei ihr war die Halsschlagader durchtrennt.
Auch das Verhalten nach der mutmaßlichen Tat schilderte der Oberstaatsanwalt ausführlich. Der Angeklagte soll in aller Ruhe seine Sachen gepackt, Blutspuren an seinem Körper beseitigt und eigene Wunden versorgt haben, die er beim Kampf mit seinem Vater erlitten hatte. Anschließend habe er den Laptop und das Handy seines Vaters in einem Mülleimer entsorgt.
Noch am 23. Dezember 2025 fuhr Kian H. mit einem Taxi zum Flughafen und flog mit einer Ryanair-Maschine nach Lissabon. Zwei Tage später endete seine Flucht: Am 25. Dezember 2025 nahmen portugiesische Polizisten ihn aufgrund eines Europäischen Haftbefehls in einem Hotel in der portugiesischen Hauptstadt fest. Am 14. Januar 2026 wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Wittlich.
Über sein Leben vor dem verhängnisvollen Weihnachtsurlaub berichtete Kian H. beim Prozessauftakt ausführlich. Als Kind sei er mehrfach mit seinen Eltern umgezogen. Unter anderem habe er in Roetgen und im Raum Daun gewohnt und dort Schulen besucht. Sein Vater Patric H. betrieb ein Unternehmen in Roetgen in Nordrhein-Westfalen.
Nach der elften Klasse habe er das Gymnasium verlassen und eine kaufmännische Ausbildung bei einer großen Spedition in Wittlich begonnen. Dort sei er jedoch nicht richtig zurechtgekommen. Auf eigenen Wunsch habe er den Ausbildungsvertrag beendet. Es folgte eine Zeit ohne Arbeit, in der er überlegt habe, wie es beruflich weitergehen könnte.
Eine neue Perspektive habe sich schließlich in der Pflege eröffnet. In einem Pflegeheim hatte er nach eigenen Angaben bereits auf Minijobbasis gearbeitet. Ihm sei deshalb ein beruflicher Einstieg in diesen Bereich empfohlen worden. Auch ein Angebot eines Alten- und Pflegeheims in Bad Bertrich habe vorgelegen. Nach dem Urlaub habe er sich die Einrichtung ansehen wollen.
Offen sprach der Angeklagte auch über seine Haftzeit in der Justizvollzugsanstalt Wittlich. Auf Nachfrage des Richters räumte er ein, dort mehrfach disziplinarisch belangt worden zu sein. Einmal habe er Brot aus dem Zellenfenster geworfen. Die Folge nach seinen Angaben: vier Wochen Fernsehverbot.
In einem weiteren Fall ging es um Plastikreste, aus denen er nach Einschätzung der JVA versucht haben soll, eine Waffenattrappe herzustellen. Außerdem gab Kian H. an, Justizbedienstete belogen und dafür ebenfalls ein Fernsehverbot erhalten zu haben.
Zum eigentlichen Tatgeschehen wollte sich der Angeklagte am ersten Verhandlungstag nicht äußern. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Harry Völker, deutete jedoch an, dass sein Mandant möglicherweise im weiteren Verlauf des Prozesses zu den schweren Vorwürfen Stellung nehmen werde.
Warum der gemeinsame Weihnachtsurlaub auf den Kapverden in einer derart grausamen Bluttat endete, blieb zum Prozessauftakt offen. Auch die Frage, was in den Stunden vor dem mutmaßlichen Dreifachverbrechen innerhalb der Familie geschah, ist bislang ungeklärt. Zunächst hat die Jugendkammer sechs Verhandlungstermine bis Anfang Dezember angesetzt. Der Prozess wird am 4. November fortgesetzt.
Für Kian H. gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.