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Robert Syska

Masterplan für die Zukunft der Region

Landkreis Bad Kreuznach. Wie kann und soll die Zukunft der Region aussehen? Der Entwurf des neuen Kreisentwicklungs- und Strategiekonzepts liefert Antworten.
Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß (3. v. l.), Dr. Sebastian Winter (l.) und Dipl.-Ing. Makbule Engelhardt (2. v. r.) überreichen ein Exemplar des von ihnen erstellen Kreisentwicklungs- und Strategiekonzeptes an Landrätin Bettina Dickes (3. v. r.) und den Beigeordneten Oliver Kohl (2. v. l.) und Andrea Silvestri (r).

Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß (3. v. l.), Dr. Sebastian Winter (l.) und Dipl.-Ing. Makbule Engelhardt (2. v. r.) überreichen ein Exemplar des von ihnen erstellen Kreisentwicklungs- und Strategiekonzeptes an Landrätin Bettina Dickes (3. v. r.) und den Beigeordneten Oliver Kohl (2. v. l.) und Andrea Silvestri (r).

Bild: Norbert Krupp

von unserem Mitarbeiter Norbert Krupp

"Der Landkreis Bad Kreuznach soll als landschaftlich-attraktiver und nachhaltiger Wohn- und Lebensstandort für alle Generationen und Bevölkerungsgruppen weiterentwickelt werden. Der Schwerpunkt soll auf Bindung und Gewinnung von jungen Menschen für den Landkreis liegen." Dieses Leitbild formuliert der Entwurf des 138 Din-A-4-Seiten starken neuen Kreisentwicklungs- und Strategiekonzeptes, das jüngst erstmals dem Ausschuss für Kreisentwicklung und Infrastruktur vorgestellt wurde. Das Konzept soll für den Kreis eine Zehn-Jahres-Strategie im Sinne eines Masterplans darstellen. Dafür sollen auf Grundlage von Leitlinien und Entwicklungszielen verschiedene Handlungsfelder definiert werden, um für den Landkreis "strategische Entwicklungskorridore" aufzuzeigen.

"Korridore" für die Landkreis-Entwicklung

Mit der Erstellung des Konzeptes beauftragt war Professorin Dr. Gabi Troeger-Weiß von der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Die Expertin für Raumordnung und Regionalentwicklung trug unter Mitarbeit von Dr. Sebastian Winter und Dipl.-Ing. Makbule Engelhardt durch Fragebogenaktionen bei verschiedenen Zielgruppen umfangreiche Daten, Fakten und Einschätzungen zusammen und wertete diese aus. Die Ergebnisse dieser Analyse sollen dem Kreistag künftig als Grundlage für Entscheidungen zur Förderung der Kreisentwicklung dienen. In Absprache mit den Kreisentwicklungsausschuss waren zuvor drei Schwerpunktthemen festgelegt worden: Erstens:. Die Daseinsvorsorge, das Wohnen und die Infrastruktur in den Gemeinden. Zweitens: Wirtschaft, Umwelt und Mobilität. Drittens: Tourismus, Freizeit, Sport- und Kultur. Um zu diesen Schwerpunktthemen Fakten, Meinungen und Wissen abzurufen, wurden im Kreis hunderte Fragebögen verschickt. Zudem fanden Regionalkonferenzen und Fachforen zu verschiedenen Themen statt.

To-Do-Liste für die Zukunft

Bei der Erhebung von Daten wurde auch die Bevölkerungsentwicklung der Städte und Verbandsgemeinden aufgenommen. Ergebnis: Die nordöstliche Kreishälfte legte von 1999 bis 2018 um fünf oder mehr Prozent an Bevölkerung zu, während die südwestliche Hälfte mehr als fünf Prozent der Bevölkerung verlor. Aus der Demos-kopie und den Beschäftigtenzahlen sowie aus den Umfrage-Ergebnissen wurden für verschiedene Themenbereiche Stärken- und Schwächenprofile des Landkreises erstellt, aus denen sich vielseitige Handlungsmöglichkeiten ableiten lassen.

Die Handlungsfelder: Zur Steigerung der Wohnqualität vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werden die Handlungsfelder Wohnen und Soziales, Nahversorgung, digitale Infrastruktur sowie Gesundheit genannt. Zur Förderung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit soll das Augenmerk auf die Handlungsfelder regionale Wirtschaft, Verkehr und Mobilität, Energie und Klimaschutz sowie Bildung und Fachkräfte gerichtet werden. Beim Entwicklungsziel "Nachhaltige Erholungsregion mit Zukunft" werden Tourismus und Naherholung, Freizeit, Sport, Vereinsleben sowie Heimat und Kultur als Handlungsfelder definiert. Zudem zeigten die Gutachter auf, welches Handlungsfeld in welchem geografischen Bereich des Kreises besonders bedeutend ist. So werden beispielsweise Bad Kreuznach und dessen Umland als "Versorgungszentrum" eingestuft, während Stromberg, Bad Sobernheim, Kirn und Meisenheim als "Ankerstädte" angesehen werden.

Aufbauend darauf schlagen die Experten eine Reihe von Maßnahmen vor, die zur Förderung der Handlungsfelder beitragen könnten. Einige sind neu, andere wie die Förderung von Elektromobilität oder der Ausbau von Rad- und Radschnellwegen sind bereits in der Umsetzung. Reichlich Auswahl bietet die vom Gutachterteam für jede der Verbandsgemeinden zusammengetragene Sammlung von Projekt- ideen. "Es war schon eine Herausforderung, die gesammelten Ideen und Wünsche zu kanalisieren und dabei darauf zu achten, dass es sich nicht um Einzelmeinungen handelte, sondern dass sie eher einen Konsens mehrerer Befragter darstellen", so Landrätin Bettina Dickes, die das Kreisentwicklungskonzept auch als "To-Do-Liste für die nächsten Kommunalwahlprogramme" einstufte. Für sie ist das Konzept deutlich mehr als eine Ideensammlung: "Wir müssen uns auf dieser Grundlage auch über Ziele verständigen und darüber nachdenken, welche Rückschlüsse wir für das künftige Leitbild des Kreises zu ziehen habe." Dabei gehe es um die grunflegende Frage: "Worauf legen denn die Menschen hier besonderen Wert?"

Der Ausschuss für Kreisentwicklung und Infrastruktur sowie andere Kreisgremien stehen nun vor der Herausforderung, passend zu den im Konzept aufgezeigten Entwicklungszielen und Handlungsfeldern politische Maßnahmen abzuleiten, durch welche die Entwicklung des Kreises im Sinne des Leitbildes gezielt gefördert werden kann. Das wird mit Sicherheit keine leichte, sondern vielmehr eine sehr anspruchsvolle Aufgabe sein.

Fragebögen, Konferenzen und Foren

  • Um zu den definierten Schwerpunktthemen Fakten, Meinungen und Wissen abzurufen, befragten die Wissenschaftler/innen schriftlich Bürgerinnen und Bürgern (1114 Fragebögen), Bürgermeister (73 Fragebögen), Unternehmen (56 Fragebögen) sowie Schülerinnen und Schülern (475 Fragebögen). Ergänzend fanden im Mai 2022 Regionalkonferenzen in allen Verbandsgemeinden sowie in der zweiten Jahreshälfte 2022 mehrere Fachforen zu verschiedenen Themen statt.

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