Kai Brückner

Munition explodiert bei Waldbrand: Jetzt komplette Evakuierung von Traisen angeordnet

UPDATE: Aktuell ist eine komplette Evakuierung von Traisen angeordnet worden. Grund: Ein Waldbrand, bei dem es zur Explosion von alter Weltkriegsmunition kam. Das Feuer breitete sich durch die Explosionen auf mehrere Hektar Waldfläche des Naturschutzgebietes am Rotenfels aus.
UPDATE: Die gestern angeordnete Teilevakuierung von Traisen ist aktuell zu einer Evakuierung des gesamten Ortes hochgestuft worden. Aufgrund der aktuellen Brandentwicklung ordnete die Einsatzleitung am Sonntagvormittag an, die Ortsgemeinde Traisen komplett zu evakuieren. Betroffen davon sind rund 650 Personen. Die evakuierten Personen können in der Birkenberghalle in Roxheim unterkommen. Dort gibt es auch weitere Informationen. Die Bevölkerung wird weiterhin gebeten, den Bereich weiträumig zu meiden sowie den Anweisungen der Einsatzkräfte Folge zu leisten. Es besteht aktuell keine Gefahr für Hab und Gut. Die Bevölkerung wird gebeten, sich auf eine längere Evakuierung einzurichten und Medikamente und Haustiere mitzunehmen.
 
Die Brandfläche umfasst derzeit rund 2,7 Hektar. Das Feuer breitet sich in einem schwer zugänglichen Waldgebiet aus, dessen steile Topographie die Löscharbeiten erheblich erschwert. Zusätzlich befindet sich das Brandgebiet teilweise in einem Kampfmittelgefahrengebiet. Aufgrund von Explosionen im Einsatzgebiet musste der unmittelbare Löschangriff zeitweise eingestellt werden. Der Kampfmittelräumdienst wurde hinzugezogen und bewertet die Lage fortlaufend. Im Verlauf der Nacht wurden vorsorglich bereits Teile der Ortsgemeinde Traisen evakuiert. Zur Begrenzung der weiteren Brandausbreitung wurden entlang der Feuerfront Kreisregner eingerichtet, um die Vegetation kontinuierlich zu befeuchten und eine Ausbreitung der Flammen zu erschweren. Parallel dazu schaffen Forstmaschinen an geeigneten Stellen Brandschneisen, um dem Feuer die weitere Ausbreitung zu erschweren und den Einsatzkräften zusätzliche Angriffsmöglichkeiten zu verschaffen.
 
Derzeit befinden sich rund 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Forstverwaltung sowie weiteren beteiligten Behörden im Einsatz. Neben der Brandbekämpfung stellt auch die sanitätsdienstliche Versorgung einen wesentlichen Bestandteil des Einsatzes dar. Der Einsatzabschnitt Gesundheit wird derzeit mit sieben Einsatzkräften geführt. Insgesamt sind 51 Einsatzkräfte des Sanitätsdienstes im Einsatz. Die Sanitätseinheiten des Landkreises Bad Kreuznach werden dabei durch Kräfte des Landkreises Mainz-Bingen unterstützt. Die Sanitätskräfte übernehmen nicht nur die medizinische Absicherung der zahlreichen Einsatzkräfte, sondern betreuen auch die vorsorglich evakuierten Bürgerinnen und Bürger. Diese sind in der eingerichteten Betreuungsstelle in der Birkenberghalle in Roxheim untergebracht und werden dort sanitätsdienstlich begleitet und versorgt. Die Landesstraße 236 bleibt zwischen Rüdesheim und Norheim bis auf Weiteres voll gesperrt. Verkehrsteilnehmer werden gebeten, den Bereich weiträumig zu umfahren.
UPDATE Ende
 
Am Samstag, 27. Juni, gegen 14.30 Uhr wurden die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Rüdesheim wegen eines Waldbrands bei Traisen in der Nähe des dortigen Funkturms im Naturschutzgebiet am Rotenfels alarmiert worden. Was zunächst wie ein kleineres Feuer auf einer Fläche von rund 100 Quadratmetern aussah, entwickelte sich schnell zu einem kaum noch kontrollierbaren Brand. Grund: Alte Weltkriegsmunition im Boden, die explodierte. Im Gebiet liegen versprengte Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg, so unter anderem Handgranaten. Es kam zu mehreren Explosionen.
 
Der Kampfmittelräumdienst des Landes wurde eingeschaltet. Weil Gefahr besteht, dass weitere Sprengkörper explodieren, wurden die Löscharbeiten schließlich zur Sicherheit der Einsatzkräfte unterbrochen. Auch die Löschhubschrauber, die im Einsatz waren, mussten den Bereich verlassen. Die Brandursache ist noch unklar. Zum Schutz der Bevölkerung verfügte Landrätin Bettina Dickes die Evakuierung von Straßen im nördlichen Teil von Traisen, die sich im 1-km-Radius des vom Brand betroffenen Kampfmittelgefahrengebiets befinden. Dies sind die Straßen:
Rotenfelser Straße; Auf dem Nauberg; Zu den Weinbergen (bis Abzweig Sonnenhang); Gartenstraße; Kirchstraße; Schulstraße; Im Schönblick und Brunnenplatz.
 
Die Räumung begann am Samstagnachmittag und war gegen 2 Uhr nachts am heutigen Sonntag, 28. Juni, beendet Rund 300 Personen mussten ihre Häuser verlassen. Als Notunterkunft wurde die Birkenberghalle in Roxheim zur Verfügung gestellt. Dort gibt es auch weitere Informationen. Für ältere und gebrechliche Menschen, Mütter mit Kindern unter drei Jahren sowie Personen mit Beeinträchtigungen wurden Hotelzimmer organisiert. Der Brandherd im Inneren des Gebietes kann aktuell nicht direkt gelöscht werden, das Gelände müsse sich kontrolliert "totbrennen". Aktuell besteht laut Feuerwehr keine Gefahr für die Häuser im Evakuierungsgebiet. Die Evakuierung erfolge vorsorglich.
 
100 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus den Verbandsgemeinden Rüdesheim und Nahe-Glan sowie der Stadt Bad Kreuznach waren nach der Erstalarmierung im Einsatz, um das Feuer zu bekämpfen. Die Löscharbeiten gestalteten sich aufgrund des unwegsamen Geländes sowie der extremen Hitze besonders schwierig. Unter anderem mussten Hubschrauber Wasser aus dem Stausee Niederhausen herbeiholen. Nach den Explosionen und der Ausbreitung des Brandes beteiligten sich bis zu 250 Einsatzkräfte am Einsatz, darunter auch Personen aus den Nachbarkreisen und Mainz. Aus Hessen ist eine Einheit im Einsatz, die auf Arbeiten in kampfmittelbelasteten Gebieten spezialisiert ist. Zudem wurden Wasserwerfer mit großer Reichweite angefordert. Die Bevölkerung rund um den Rotenfels wurde über die Warn-App KATWARN informiert. Es wurde empfohlen, Fenster und Türen geschlossen zu halten, sich von Rauch und Brandgasen fernzuhalten, das Brandgebiet weiträumig zu meiden, Zufahrtswege für die Einsatzkräfte freizuhalten.
 
Weitere Informationen veröffentlicht die Kreisverwaltung Bad Kreuznach fortlaufend auf ihrer Website https://www.kreis-badkreuznach.de/neuigkeiten/ und über ihre Social-Media-Kanäle. Die Notrufleitungen sollen für akute Notfälle freigehalten werden.