

Neben erlesenen Bränden und Likören reiht sich an den Wänden eine Prämierungsurkunde an die nächste. Es ist das Reich von Werner Küstner. Hier produziert der 71-Jährige seit 1982 – da war er 28 – erlesene Spirituosen von seinen Streuobswiesen. Hier schuftet der Schweinschieder noch heute acht Stunden am Tag auf seinem großen Gehöft, auf dem ein Haus rund 300 Jahre alt ist, eines der ältesten im Dorf. Manchmal geht ihm an den Wochenenden sein Sohn zur Hand, der allerdings auswärts lebt.
Nachdem Werner Küstners Vater nur vier Wochen nach seiner Geburt nach einem Unfall verstorben war, gab es freilich viel Arbeit für seine Mutter und später für ihn selbst. Mit Milchkühen und Mastschweinen brachte man sich durch. „Früher hat man noch in Nachbarorten wie Kappeln die Ernte der Streuobstwiesen brennen lassen. In einem Jahr hatten wir so viel Quetschen, das ergab 70 Liter Schnaps“, erinnert sich Küstner, der nach Erlangung der Mittlere Reife und dann der Fachhochschulreife Landwirtschaft studierte, danach acht Jahre beim Bundesgrenzschutz in Bonn und Kassel arbeitete („Da hat man früher noch den Schnaps in den Kaffee geschüttet“), bevor er 26 Jahre Geschäftsführer des Bauernverbands Bad Kreuznach war.
„Ein schwieriges Geschäft“
Aus einer Erbengemeinschaft stammten die Brennrechte. Während früher das Obst vor Ort verwertet wurde, muss heute alles versteuert werden. „Es ist ein schwieriges Geschäft, aber es fasziniert mich, das Obst einzumaischen und einen tollen Brand zu kreieren“. Zu Hochzeiten wurden 500 bis 600 Kessel pro Jahr gebrannt, acht pro Tag (bei einem 14-Stunden-Tag), heute sind es noch 160. Brände stellt Küstner her aus Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Quitten, Zwetschgen, Williams Christ, Mirabellen, rotem Weinbergspfirsich, Aprikosen – alles von Hand entkernt. „Die Brände enthalten im Gegensatz zu vielen Industrieprodukten keine Farb- und Aromastoffe, keinen Zucker. Brände werden destilliert aus vergorenem Maischematerial“, berichtet der Landwirt. Einfacher herzustellen sei der Geist, bei dem etwa Himbeeren in 96-prozentigem Weinalkohol zu einem schmackhaften Gaumengenuss werden. Im Gegensatz zum Brand ist der Geschmack des Geistes noch intensiver. „Am besten läuft der Williams Christ, obwohl der Streuobstschnaps der Birne mindestens genauso gut mundet“, berichtet der Brenner. Küstner stellt insgesamt 20 verschiedene Sorten her. Heute pflegt er neben dem Brennen noch 4 Hektar Streuobstwiesen.
Liköre werden gebrannt aus Haselnuss, Holunderblüte, Sauerkirsche, Schokolade, Waldmeister oder Schwarzer Johannisbeere. Abnehmer Privatleute, Weinhandlungen, Vereine, der Handel, vereinzelt Gaststätten. „Es sind ja alle Wirtschaften weg, bis auf zwei, drei, die nur einmal in der Woche noch öffnen. Die Preise sind nicht mehr so doll“.
Zahlreiche Prämierungen
Seit 2013 werden Küstners Produkte von der Landwirtschaftskammer RLP jedes Jahr prämiert. Urkunden in der Probierstube zeugen von den Siegerbränden in den verschiedenen Kategorien. „Hier haben wir uns früher jeden Samstagabend getroffen“. Auch heute gibt es noch Verköstigungen, so konnte jüngst der Lions Club Idar-Oberstein die geistigen Getränke genießen.
Man spürt, das Werner Küstners große Leidenschaft noch immer das Brennen ist. Schwierig ist das ganze Drumherum geworden. „Hohe Bürokratie, ich muss die genaue Uhrzeit vermerken, wann ich was in welchem Kessel brenne. Das geht dann an die Zollbehörde“, berichtet der 71-Jährige. Aber trotz des Papierkrams, das Faible für die Herstellung regionaler Gaumengenüsse überwiegt, das merkt man im Funkeln seiner Augen, wenn er von seiner Brennerei im kleinen Dörfchen Schweinschied schwärmt.



