Ab ins Unterholz

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Dient ein Lkw-Anhänger immer nur als Lkw-Anhänger? Ist ein Stromkasten immer das, was er vorgibt zu sein? Welche Geheimnisse verbergen sich hinter einem Straßenschild? Wer Geo-caching liebt, muss die Augen offen halten und nicht selten alles in Frage stellen, was offensichtlich wirkt. Denn für die moderne Schnitzeljagd sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Seit einigen Jahren erfreut sich Geocaching zunehmender Beliebtheit. Dazu hat auch die Verbreitung GPS-fähiger Smartphones beigetragen. Denn beim Geocaching machen sich die Spieler mit Hilfe von GPS-Koordinaten auf die Suche nach „Schätzen“, die andere Mitspieler versteckt haben. Aufgelistet sind diese sogenannten Geocaches – oder kurz Caches – auf verschiedenen Internetseiten. Die umfangreichste Adresse lautet www.geocaching.com. Der Begriff setzt sich zusammen aus den beiden Wortteilen „Geo“ für Geografie und dem englischen „Cache“, womit unter anderem ein Versteck bezeichnet wird. „Weltweit gibt es etwa drei Millionen Geocacher und ebenso viele Caches“, weiß Dieter Strehlau aus Eupen: „In Deutschland gibt es etwa 375.000 aktive Cacher und rund 370.000 Caches.“ Alleine 2016 seien deutschlandweit 70.000 neue hinzugekommen. GPS-Daten Dieter und Eliane Strehlau sind Reviewer. In dieser Funktion kontrollieren sie die Caches, die die Spieler erstellt haben, bevor sie auf der Internetplattform gelistet werden. Da sich die Spieler dort anmelden müssen, tragen alle Spitznamen. Eliane und Dieter Strehlau hören auf den Namen Vandergore. Begonnen hat alles mit GPS, das vom US-Verteidigungsministerium entwickelt wurde, um Standorte zu bestimmen.  Allerdings wurden die Daten bewusst mit künstlichen Fehlern versehen. Im Mai 2000 wurde dieses Hindernis abgeschaltet und die GPS-Daten wurden somit frei zugänglich. Am 3. Mai 2000 legte Dave Palmer den ersten Geocache in einem Wald in Portland/Oregon. Das Gefäß, das er versteckte, enthielt einigen Krimskrams zum Tauschen und ein Logbuch, in das sich die Finder eintragen sollten. Beides gehört noch heute zum Geocaching dazu. Klassische Caches sind heute Filmdosen, in denen sich ein kleines Logbuch befindet, oder Butterbrotdosen. Doch der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Schwierigkeits- sowie die Geländwertung helfen den Cachern im Vorfeld, die Schwierigkeit des Vorhabens einzuschätzen. Dieter Strehlau erinnert sich an  einen Lkw-Anhänger, der als Cache diente. Die Plane des Lkw wurde zum Logbuch.
Für jeden Geschmack Geocachen bietet für jeden Geschmack etwas, denn es gibt die unterschiedlichsten Arten.  Bei Traditional Caches gilt es lediglich, eine Koordinate aufzusuchen. Doch der Weg dorthin, das Versteck oder das Öffnen des „Schatzes“ kann es in sich haben. So hat Hubert Datenet alias mtbcacher68 aus Rott bei Roetgen etwa einen Cache gebaut, der einer Thermoskanne ähnelt, aber aus zwei Metalzylindern besteht, die sich nur mit viel Geschick trennen lassen. Beliebt sind Multi Caches, die aus verschiedenen Stationen bestehen. An jeder Station dieser Multi Caches erhält man Hinweise auf die nächste Station – bis man schließlich (hoffentlich) das sogenannte Final findet. Einen ausgefallenen Multi hat Björn Wacker alias l3berwurst aus Euskirchen-Euenheim in dreimonatiger Arbeit gebaut. Unter dem Titel „Nur mal kurz die Welt retten“ schickt er die Spieler durch den Billiger Wald – einschließlich einem alten Feldtelefon, das er so programmiert hat, dass die Spieler mit einem imgainären Agenten telefonieren. Viele Caches setzen voraus, dass die Spieler Rätsel lösen, um die richtigen Koordinaten herauszufinden. Die Rätsel sind vielfältig – manche sind in wenigen Minuten von Kindern zu lösen, andere setzen Kentnisse im Programmieren voraus.
Die Eifel ist für Geocacher eine tolle Spielwiese. „Hier gibt es viele qualitativ sehr gute Caches“, findet Datenet. Diese Meinung teilen die anderen ambitionierten Mitspieler. „In der Eifel gibt es die deutschlandweit besten Caches“, sagt Björn Wacker.
Statt Reiseführer „Beim Geocachen erlebst du alles neu“,  schildert Hubert Datenet seine Erfahrung. Selbst im eigenen Umfeld hat er durch dadurch verborgene Stellen kennengelernt. Das kennt auch Dieter Strehlau: „Ich wohne seit 45 Jahren in Eupen. Aber erst vor drei Jahren habe ich durch einen Cache entdeckt, dass an einem Haus in unserer Straße ein Steinkreuz zu sehen ist.“ Deshalb nutzen die erfahrenen Geocacher die Schatzsuche auch im Urlaub viel lieber als Reiseführer. „Man wird zu Orten geführt, die man sonst nie sehen würde“, sind sie sich einig. Datenet hat im Laufe der Zeit eine Ausrüstung angesammelt, ohne die er sich nicht auf die Suche macht. Um an manche Cashes zu gelangen, sind sogar spezielle Ausrüstungen, etwa zum Klettern oder zum Tauchen, nötig. Doch der Großteil der Geocaches ist relativ einfach zugänglich. Einig sind sich die Geocacher darin, dass es nicht hauptsächlich darum geht, den Cache zu finden. „Für mich geht es darum, bis zum Finden des Caches etwas zu erleben“, so Wacker. Immer wieder sehen sich Geocacher Kritik ausgesetzt. Manche Waldbesitzer, Förster, Jäger und Naturschützer werfen ihnen einen rücksichtlosen Umgang mit der Natur vor. Doch zu vielen von ihnen pflegen sie ein gutes Verhältnis. Allerdings wissen sie auch, dass es Geocacher gibt, die weniger sorgsam mit der Natur und dem Eigentum Dritter umgehen. „Ich muss schon wissen, was ich der Natur antue, wenn ich einen Cache verstecke“, so Wacker. Tipps für AnfängerAnmelden: Um zu erfahren, wo sich Geocaches befinden, muss man sich auf einem entsprechenden Portal im Internet anmelden. Die größte Sammlung findet sich unter www.geocaching.com. Die Anmeldung ist kostenlos. Einige Caches sind Premium-Mitgliedern vorbehalten.
App: Um die Geocaches unterwegs zu finden, ist nicht unbedingt ein spezielles GPS-Gerät notwendig. Ein GPS-fähiges Smartphone funktioniert ebenso. Die beste App nennt sich c:geo. Spezielle GPS-Geräte liefern aber eine höhere Genauigkeit.
Der richtige Geocache: Anfänger suchen sich am besten Traditional oder einfache Multi Caches heraus. Die Gelände- sowie die Schwierigkeitswertung  sollte 1,5 nicht überschreiten. Am ehesten eignen sich Caches der Größen „klein“, „groß“ oder höher. Hubert Datenet und Eliane und Dieter Strehlau raten dazu, zunächst Caches im Wald zu suchen. Diese seien oft größer als in der Stadt und man könne ungestörter agieren.
 Nicht einfach loslaufen: Zunächst sollte man sich mit der App auseinandersetzen und den Text zum Geocache, den man suchen möchte, genau durchlesen. Schnell sind Hinweise und Anweisungen, etwa zur benötigten Ausrüstung, überlesen.
GPS-Signal suchen: Vor dem Start sollte man dem Smartphone Zeit geben, den Standort zu lokalisieren. Baumkronen können – ebenso wie hohe Häuser in der Stadt – den Kontakt zwischen den Satelliten und dem GPS-Empfänger stören. Deshalb sollte man sich vor dem Betreten des Waldes lokalisieren lassen. Dazu kann es nützlich sein, ein paar Schritte zu gehen.