Gemeinsamkeiten, die ein Leben lang verbinden

Wenn man 60 Jahre zusammengeblieben ist – so wie Ernst und Luise Gruhn aus Simmerath – und zur Diamantenen Hochzeit eine Art Rückblick hält, wird sich einiges zeigen, was man gemeinsam erlebt und gemeistert hat. Eine große Familie, anspruchsvolle Berufe, Engagement im Sport und Liebe zur Musik, das sind Gemeinsamkeiten, die deutlich werden, wenn man mit den Jubilaren spricht.
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Seit 60 Jahren ein Paar: Luise und Ernst Gruhn aus Simmerath. Foto: A. Lauscher

Seit 60 Jahren ein Paar: Luise und Ernst Gruhn aus Simmerath. Foto: A. Lauscher

Ernst Gruhn, Jahrgang 1934, und seine Frau Luise, Jahrgang 1936, stammen aus Alsdorf, wo sie in der Volksschule in die gleiche Klasse gingen. Das kam daher, weil während des Krieges und in der Nachkriegszeit kein regulärer Schulbesuch möglich war. Zwar lernten sie in der gleichen Klasse, doch in den Pausen mussten sie getrennte Wege gehen, weil er evangelisch und sie katholisch war: Auf dem Schulhof in Alsdorf-Kellersberg trennte ein weißer Strich die Kinder der verschiedenen Konfessionen. Schon früh entdeckten sie gemeinsame Interessen; sie gingen schwimmen im Alsdorfer Weiher und spielten beide Klavier. »Ich hatte kein Klavier, aber im Haus von Ernst war eins; so ging ich zu ihm, um zu üben«, erzählt Luise Gruhn. Als die Freundschaft sich verfestigte, stellte sich heraus, dass Luises Vater nicht begeistert war: »Et kött misch kenne Protestant ennet Huus«, wird er zitiert. Und als am 05. Januar 1962 geheiratet wurde, hatte Ernst Gruhn schriftlich seine Einwilligung erklärt, dass die gemeinsamen Kinder katholisch erzogen würden. Der vielseitig begabte und strebsame junge Mann schloss an seine Ausbildung zum Betriebsschlosser ein Studium an der staatlichen Ingenieurschule Aachen an. Nachdem er schließlich an der Pädagogischen Hochschule Hannover Maschinenbau und Elektrotechnik studiert hatte, wurde er »Gewerbelehrer«. Ab 1963 unterrichtete er an der Berufsschule in Simmerath die o.g. Fächer; hinzu kamen noch Sport und evangelische Religionslehre. Es gefiel ihm, an einer kleinen Schule zu sein; und außerdem war das Paddelboot in Woffelsbach ein guter Grund, in die Eifel zu ziehen. Sein musikalisches Talent brachte zusätzliche Einnahmen für die junge Familie: Er spielte in einer Band Klavier, Akkordeon und Saxophon.
Später wurde Ernst Gruhn, der Lehrlinge im KFZ-Handwerk ausbildete, Vorsitzender des Prüfungsausschusses der Handwerkskammer Aachen. Seine Frau studierte nach dem Abitur an der Pädagogischen Hochschule Aachen und kam 1958 in Simmerath in den Dienst an der Volksschule. In diesem Beruf arbeitete sie bis zur Pensionierung; durch die Geburt ihrer sechs Kinder wurde die Berufstätigkeit jeweils nur kurz unterbrochen.
Einen großen Teil ihrer Freizeit haben die Gruhns dem Sport verschrieben. Luise Gruhn war eine gute Läuferin, und als sie den Orientierungslauf entdeckte, wurde diese anspruchsvolle Sportart in der Hansa Gemeinschaft Simmerath etabliert. Unvergessen sind tolle Veranstaltungen mit ca. 2000 Teilnehmern aus ganz Europa. Luise Gruhn war Mitglied der Nationalmannschaft, auch im Skilanglauf nahm sie an Wettkämpfen teil. Alle Kinder wurden begeisterte Sportler, und alle Kinder spielten ein Instrument in der Hansa Blasmusik. Luise Gruhn erlernte schließlich noch bei Friedhelm Schütz das Orgelspiel. Manchmal springt sie noch ein, wenn Not am Mann (an der Frau) ist, zuletzt im November in der Mützenicher Kirche. Am kommenden Samstag, 8. Januar, wollen die Jubilare im kleinen Rahmen feiern: Um 18.30 Uhr ist im evangelischen Gemeindehaus in Lammersdorf ein Gottesdienst. Wer daran teilnehmen möchte, möge sich nach den gültigen Corona-Schutzmaßnahmen erkundigen


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