Thomas Förster

Kalterherberger geben Opfern ein Gesicht

Kalterherberg. Heimatpreis für Gedenkstätte an Euthanasie-Opfer durch das NS-Regime

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Der Heimatverein Kalterherberg wird für sein Erinnern an die Euthanasieopfer im Ort während der NS-Herrschaft mit dem Heimatpreis ausgezeichnet - 2.250 Euro ist er wert. Foto: T. Förster

Der Heimatverein Kalterherberg wird für sein Erinnern an die Euthanasieopfer im Ort während der NS-Herrschaft mit dem Heimatpreis ausgezeichnet - 2.250 Euro ist er wert. Foto: T. Förster

Foto: Thomas Förster

Kalterherberg (Fö). Lange wurde der Mantel des Schweigens über Opfer des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten gehüllt - aus Scham, aus Angst, als Verdrängung. Auch der Heimatverein Kalterherberg, den es bereits seit über 50 Jahren gibt, widmet sich erst aufgerüttelt durch Recherchen des Allgemeinmediziners Dr. Dieter Lenzen, dem dunklen Kapitel der Dorfgeschichte.

»Wir Kalterherberger wollen den Opfern endlich ein Gesicht geben«, unterstreicht Karl Goffart. Aus alten Grabsteinen, die vom Friedhof entfernt wurden, erstellt er im Auftrag des Heimatvereins eine Gedenkstätte, die direkt neben der Gedenktafel an die Zivilopfer des Zweiten Weltkriegs errichtet werden soll.

»Uns sind bislang zehn Mitbürger bekannt, die den Gräueltaten der Nationalsozialisten zum Opfer fielen und wegen vermeintlicher Krankheiten ermordet wurden«, so Karl-Josef Mathar. Lenzen hat sie in seinem Buch anonymisiert, auf dem Kalterherberger Friedhof sollen sie jedoch endlich einen Namen und damit ein Gesicht bekommen. Man hoffe, mit dieser Gedenkstätte auch Mut zu wecken, dass sich andere Betroffene melden. Auch Sterilisationsopfer gibt es in Kalterherberg - ihnen wird künftig an der Gedenkstätte anonymisiert gedacht.

Der überfälligen Würdigung und erneuerten Erinnerungskultur widmet die Stadt Monschau ihren Heimatpreis - versehen mit 2.250 Euro Preisgeld.


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